MyMz
Anzeige

Natur

Kein Nachwuchs für die Schnepfe

Das Jahr 2015 verlief für Rote-Liste-Arten in den Regentalauen unterschiedlich. Manche Bestände litten unter der Hitze.
Von Christoph Klöckner

Litt unter der Hitze, die den Boden austrocknete und hart machte: die Uferschnepfe
Litt unter der Hitze, die den Boden austrocknete und hart machte: die Uferschnepfe Foto: cop

Cham.Dass auch manche Vögel unter Hitze und Trockenheit leiden, ist vielen unbekannt. Es ist auch nicht die direkte Sonneneinstrahlung mit Temperaturen an die 40 Grad, die den schutzbedürftigen Uferschnepfen 2015 in den Regentalauen zum Verhängnis wurde. Sondern es sind die Folgen des Tropensommers.

Der Uferboden und die nassen Wiesen trockneten aus, die Erde wurde hart – zu hart für die Schnäbel der pickenden Uferschnepfe. Das bedeutet für die Tiere ein hartes Los: kein Futter – kein Nachwuchs. „Es hat keine Jungvögel gegeben“, sagt Ornithologe Peter Zach auf Nachfrage. Während bei den Kiebitzen, der zweiten typischen Wiesenbrüterart im Regental, einiges an Nachwuchs flügge wurde, verließen die Uferschnepfenpaare alle ihre begonnenen Gelege. Die bedrohte Vogelart bekam somit eine „Null“ für 2015 in der Brutstatistik. Ein herber Rückschlag für die Naturschützer des Gebiets.

Ein bitterer Verlust

Die Vögel hätten einfach nicht stochern können, um Nahrung für den Nachwuchs zu finden, erklärt Zach, der in dem trockenen Sommer auch ein Zeichen des Klimawandels sieht. So ziehen Peter Zach und sein Team mit Jutta Vogl und Alois Fischer, die die Regentalaue mit Alois Stelzl von der unteren Naturschutzbehörde begleiten und überwachen, eine durchwachsene Bilanz für das vergangene Jahr für das Naturschutzgebiet. Denn zu den üblichen Verlusten an Nachwuchs durch Autos, Landwirtschaft oder Wildschweine kamen 2015 somit auch noch Klimaverluste.

„Es hat keine Jungvögel gegeben.“

Peter Zach

Wie dramatisch solch ein Verlust ist, zeigen die Zahlen. Sechs Brutpaare der Uferschnepfe gab es zwischen Cham und Pösing. 24 habe es 2015 überhaupt nur in Bayern gegeben. Der Start sei mit sechs Brutpaaren vielversprechend gewesen – umso bitterer war der Verlust.

139 junge Kiebitze: ein Erfolg

Ganz anders war es bei den Kiebitzen. Hier habe sich die Population stabilisiert. 138 Brutpaare zählten die Vogelkundler. „Und heraus kamen 139 Jungvögel. das ist hervorragend gewesen!“, sagt Peter Zach. Und sei auch ein Ergebnis der einvernehmlichen und guten Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Ein Beispiel sei ein unbestelltes Maisfeld gewesen, in dem sieben oder acht Nester entdeckt worden seien. Der Bauer habe die Bestellung um drei oder vier Wochen verschoben und damit den Kiebitz- Nachwuchs geschont. Am Ende hätten 16 Jungvögel dort überlebt.

Zurück zu besseren Zeiten?

Beim Brachvogel, einer weiteren Rote-Liste-Art der auf Wiesen brütet, blieb der Bruterfolg stabil „auf niedrigem Niveau“, wie Zach betont. Bei zwölf Brutpaaren hätten fünf Jungvögel überlebt. Letztlich sei die Brut bei nur vier Paaren mit Erfolg gekrönt gewesen. Bei zwei Paaren verschwanden die Jungvögel spurlos. Zwei Paare konnten ihre Jungen aufziehen – weil ein Elektrozaun den Brutraum umspannte. Der halte Füchse und Wildschweine von Gelegen fern. Elektrozäune werde es auch 2016 wieder geben, um die Vögel beim Brutgeschäft und der Aufzucht zu schützen.

Hier sehen Sie eine Bildergalerie zum Thema „Die Vögel des Jahres“:

Die "Vögel des Jahres" seit 2000

„Wir hoffen auf die nächsten Jahre“, sagt Peter Zach. 2015 seien einige Biotopverbesserungen gelaufen, man habe feuchte Flachwasserbereiche und weitere Wiesenvernässungen angelegt, um den Tieren zu helfen und die Lage zu optimieren. Das reiche vielleicht, um den Artenbestand bei dauerhaftem Überwachungseinsatz von Naturschützern zu stabilisieren – an eine Verbesserung bis zur Situation, wie man sie Mitte der 90er Jahre noch gehabt habe, glaube er nicht. Damals hätten im Regental noch wenigstens 200 Kiebitzpaare und 24 Brachvögelpaare gebrütet. Danach sei es steil bergab gegangen.

Naturschutz in Regentalauen

  • Naturschutzgebiet

    Die Ausweisung als Naturschutzgebiet (NSG) war Vorgabe des Förderbescheides durch das Bundesamt für Naturschutz mit Beginn des „Naturschutzgroßprojektes Regentalaue mit gesamtstaatlicher repräsentativer Bedeutung“ im Jahr 1989. Ab 1989 flossen die ersten Gelder, das Projekt endete 2003. Insgesamt wurden an die zehn Millionen Euro investiert.

  • Landkreis

    Die Regentalaue wurde im Januar 2010 als NSG ausgewiesen. Der Landkreis, als Träger des Projektes, bemüht sich weiter, Flächen zu erwerben und im Sinne des Naturschutzes zu gestalten.

  • Grünland

    Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ist nach Darstellung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sehr gut. In der Schutzgebietsverordnung waren Flächen vorgegeben, welche ab 2016 in Grünland umgewandelt hätten werden müssen.

  • Umwandlung

    Diese Liste beruhte auf Berechnungen durch die Wasserwirtschaftsverwaltung. Nach Ortsbesichtigungen mit der Regierung der Oberpfalz wurden diese Flächen auf zuletzt zwei Ackerflächen mit insgesamt ca. vier Hektar reduziert, die ab 2016 umzuwandeln sind.

  • Versuch

    Auf einer dritten umwandlungspflichtigen Ackerfläche läuft derzeit ein Versuch zur Förderung von Kiebitzbruten. Hier wurde die Pflicht zur Grünlandeinsaat vorerst ausgesetzt. Eine Bitte an Landwirte, Äcker zu erhalten, habe es von Seiten der Naturschutzbehörden aber nie gegeben.

  • Ornithologen

    Die Regentalaue ist seit Jahrzehnten, nicht erst seit der Ausweisung als NSG, ein Anlaufpunkt für Ornithologen und Naturfreunde. Eine enge Zusammenarbeit mit Ornithologen aus Tschechien besteht derzeit im Rahmen der Wachtelkönigforschung. Ein Daten- und Informationsaustausch mit nationalen und internationalen Verbänden und Ornithologen erfolgt durch die Ornithologische Arbeitsgruppe Cham.

  • Studie

    Zum Thema Informationszentrum läuft laut Behörde derzeit eine gemeinsame Machbarkeitsstudie der Stadt Cham mit dem Landkreis Cham. Mit einem Ergebnis/Entscheidungen ist jedoch nicht vor 2017 zu rechnen.

  • Naherholungsgebiet

    Die Regentalaue ist nach wie vor ein beliebtes Naherholungsgebiet. Bereits in den 1990er Jahren hat der Landkreis Cham per Verordnung ein Wegegebot während der Brutzeit erlassen. Dieses Wegegebot wurde später durch die Naturschutzgebietsverordnung ersetzt.

  • Konflikte

    Das Naturschutzgebiet und seine besonderen Bedürfnisse haben laut Naturschutzbehörde eine sehr hohe Akzeptanz bei den Menschen. In Einzelfällen sind die bekannten Konflikte wie freilaufende Hunde, Spaziergänger und Autofahrer, welche sich nicht an Wegegebote halten, jedoch noch festzustellen.

  • Einschränkungen

    Grundsätzlich, so das Landratsamt, werde versucht, durch Information und Gespräch die naturschutzfachliche Notwendigkeit der Einschränkungen für Besucher zu vermitteln. Einwirkungen durch Füchse oder Wildschweine sind ein natürlicher Vorgang. Negative Auswirkungen auf seltene Arten sind natürlich bedauerlich, aber Bestandteil der Natur, meint die Behörde.

  • Wildtiere

    Grundsätzlich haben auch Wildtiere Möglichkeiten, um Fressfeinde abzuwehren. Sobald aber durch menschliches Fehlverhalten diese Mechanismen gestört werden, haben es die Beutegreifer umso leichter. Ein durch einen Menschen oder Hund vom Nest verscheuchter Brachvogel ist etwa dann nicht in der Lage, eine weniger störungsempfindliche Rabenkrähe am Eierraub zu hindern, so lange er sich wegen des Hundes nicht zu seinem Gelege zurück traut.

  • Jagd

    Im Naturschutzgebiet ist die Jagd grundsätzlich erlaubt. Die Bejagung des Federwildes ist teilweise eingeschränkt. Der Landkreis besitzt zwei Eigenjagden. Eine liegt im Bereich der zentralen Aue bei Untertraubenbach. Diese ist an den bisherigen örtliche Jagdausübungsberechtigten verpachtet. Hier ist eine Jagdruhe in der Zeit vom 1. März bis 30. Juni vorgeschrieben. Ausnahmen bei entsprechender Notwendigkeit sind möglich.

  • Jagdruhe

    Die zweite Eigenjagd besteht um das Rötelsee-Weihergebiet. Dieses Jagdgebiet ist nicht verpachtet. Hier gilt grundsätzlich eine ganzjährige Jagdruhe. Die Jagd auf Wildschweine und Füchse wird aber von Mitarbeitern der unteren Naturschutzbehörde ausgeübt. (ck)

Im Bereich des Rötelseeweihers, wo die Wasservögel zu Hause sind, sieht der Kampf um die Arten deutlich besser au. Hier sei alles sehr stabil, so Zach. Ein Beispiel sei der Schwarzhalstaucher, eine Rote-Liste-Art, die vor dem Aussterben stehe. Ein Drittel aller bayerischen Brutpaare, über 50 dieser „Juwelen“ der Vogelwelt, seien hier zu finden.

„Wir hoffen auf die nächsten Jahre.“

Peter Zach

Es habe sich einiges gebessert, seit der Bereich Naturschutzgebiet sei. Doch noch immer gebe es Gelegeverluste durch Freizeitdruck, durch Verkehr und Landwirtschaft. Noch immer gebe es einige Besucher des Gebiets, die wenig Respekt für Natur und Umwelt hätten. Daran werde sich wohl auch 2016 nicht viel ändern, so Ornithologe Peter Zach.

Weitere Berichte aus der Region Cham lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht