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Gesundheit

Klar und gesund – aber sooo kalt ...

Der Kneippverein Cham eröffnet die Saison. Er feiert 35. Geburtstag – doch statt Midlife-Crisis wächst die Mitgliederzahl.
Von Christoph Klöckner

Kalt, aber erfrischend wohltuend – der Gang durchs Kneipp-Becken tut gut und ist etwas Gesundes, was sich zudem jeder leisten kann. Fotos: Klöckner
Kalt, aber erfrischend wohltuend – der Gang durchs Kneipp-Becken tut gut und ist etwas Gesundes, was sich zudem jeder leisten kann. Fotos: Klöckner

Cham.Die Sonnenstrahlen fluten durch die Baumwipfel, die Vögel zwitschern und still liegt es da im Park oberhalb des Fraunhofer-Gymnasiums – das Kneipp-Tretbecken. Klares sauberes Wasser erwartet an diesem Samstag die Beine und ihre Besitzerinnen. Es lädt ein, die Hose hochzukrempeln und den Gang zu wagen – mal etwas für die Gesundheit tun, satt im Biergarten sitzen. Doch die Idylle trügt – handgefühlt erreicht das Nass nicht einmal ansatzweise die zehn Grad Marke auf dem Thermometer. Da bleiben die Hosenbeine lieber unter den Socken.

Nicht so bei den Anhängerinnen der Lehre des Pfarrers Sebastian Kneipp. Es sind aber nur Frauen, die sich an diesem Samstag zum „Ankneippen“– zum ersten Gang durch Tretbecken für 2017 – eingefunden haben. Die Männer scheuen den Gang ins kalte Wasser, dabei würde es auch ihnen Abkühlung und – bei regelmäßiger Anwendung – eine gewisse Stärkung des Immunsystems und sicher eine Abhärtung gegen Kälte bringen. So wie es Kneipp Mitte des 19. Jahrhunderts als Wasserkur propagiert hat.

Für Körper und Geist

Vor dem ersten Zeh im Wasserbecken, dem Aufziehen der Gänsehaut und Storchengang im Viereck entlang des Geländers stehen gleich zwei andere Übungen, denn – so erläutert die Vorsitzende des Chamer Kneippvereins Kathrin Eheberg – ohne Warmmachen sollte der Gang in die Kälte nicht stattfinden. Klingt absurd, ist aber wie beim Sport nötig – sozusagen, um den Schock der Muskulatur in Grenzen zu halten. Michaela Dengler aus Falkenstein lädt zunächst neben dem Wasserbecken zum Hirn-Yoga ein. Nach dem Einschlenkern mit den Armen soll kinesiologisches Training auf die Sprünge helfen. Gezielte Übungen der Yoga-Lehrerin bringen nicht nur die grauen Zellen im Kopf auf Touren, sondern manche Teilnehmerin auch in Koordinationsschwierigkeiten. Etwa, wenn die Bewegungen zum gespielten Schuhplattlern übergehen – rechte Hand aufs linke, angehobene Knie und linke Hand auf rechte angehobene Knie in entsprechender Geschwindigkeit. Da kommt manches Knie schon einmal durcheinander. Das sei zugleich eine gute Sturzprävention, meint Michaela Dengler und bringt viel Schwung rein.

Mit sogenannten „Smoveys“ geht es weiter. Hinter dem Begriff, der an die trendigen Gesundheitstrinks erinnert, versteckt sich ein Sportgerät, das laut Trainerin Ute Höltzel aus Cham überall und für vieles zu verwenden ist. Es schaut aus wie ein flexibles Staubsaugerrohr im Oval mit Griff daran, wiegt 500 Gramm und wird im Paar verwendet. Im Inneren warten Kugeln auf Bewegung und die bringen den Effekt wie Muskelaktivierung, Stoffwechselförderung oder auch die Stärkung des Immunsystems, so der Hersteller. Das Gerät surrt, wenn es wirkt – so wie gerade. „Aber ratschen kann man trotzdem noch“, lacht Ute Höltzel.

Start mit dem Barfußgang

Zum diesjährigen 35. Geburtstag des Chamer Kneippvereins erinnert sie ihre Mitstreiterinnen in der Begrüßung mit einem Kneipp-Spruch an den guten Sinn der Sache. „Wer etwas gegen Krankheit tun will, muss etwas für die Gesundheit tun!“, zitiert sie den Pfarrer. „Wer will, darf jetzt das Wasser beglücken!“, fordert Kathrin Eheberg schließlich zum wohligen Kälteschock auf.

Marianne Ascherl geht voran, die anderen folgen zögerlich. Warum sie keine Angst vor dem kaltem Wasser hat, wird klar, als sie erzählt, dass sie in der Früh nach dem Normalduschen einen eiskalten Ganzkörper-Schauer über sich ergehen lässt. Da erschrickt der Warmduscher – muss er aber gar nicht, denn Kneipp geht auch ohne Schocktherapie. Jeder, wie er beliebt und wie es sich für ihn am Besten anfühlt. Manchmal reicht schon der frühe Barfußgang über die taunasse Wiese, um auf Kneipps Spuren zu wandeln.

Wer jedoch mehr tun möchte für Gesundheit und Geist – und das nicht nur mit dem kühlen Nass, sondern allen Elementen nach der Lehre des Wasserpapstes, dazu mit Gesundheitsvorträgen und Wohlfühlangeboten – der findet im Kneippverein ein gutes Zuhause. Das wollen immer mehr, wie Kathrin Eheberg sagt – lag die Zahl der Mitglieder 2016 noch deutlich unter 100 sind es heute 112, die der Kneipp-Lehre folgen. Nur die Männer fehlen noch ...

Tipps fürs Fitwerden

Kathrin Eheberg (mit Jonathan)
Kathrin Eheberg (mit Jonathan)

Kathrin Eheberg: „Ich trinke morgens als erstes ein handwarmes Glas Wasser – ganz normales Trinkwasser. Da der Mensch zu 90 Prozent aus Wasser besteht, ist das wie tanken. Der Stoffwechsel wird belebt. Das ist deutlich besser für Magen und Darm, als den Morgen mit einer Wurstsemmel zu beginnen.“

Marianne Ascherl
Marianne Ascherl

Marianne Ascherl: „Ich leide unter niedrigem Blutdruck. Wenn ich morgens raus gehe auf die Wiese zum Tautreten geht es danach deutlich besser. Der Blutdruck kommt dann auf Touren. Außerdem habe ich dabei viel Spaß – früher bin ich mit den Kinder auf die Wiese, manchmal geht heute auch die Jüngste mit raus.“

Michaela Dengler
Michaela Dengler

Michaela Dengler: „Wir haben bei uns in Falkenstein ein Kneippbecken, das immer gut besucht ist. Dort gehe ich auch hin, um Wasser zu treten, wenn nicht so viel los ist. Das macht einen richtig fit für den Tag. Empfehlenswert ist auch ein Armbad im kalten Wasser. Das ist supererfrischend und bringt die Motivation zurück.“

Ute Höltzel
Ute Höltzel

Ute Höltzel: „Ich nehme die Smoveys, um richtig in Bewegung zu kommen und etwas für meine Gesundheit zu tun. Damit kann man auf einfache Weise die Muskulatur aktivieren, das Herz-Kreislaufsystem stärken wie auch das Immunsystem. dazu mobilisiert es das Bindegewebe und die Reflexzonen. Das geht überall.“

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