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Samstag, 24. Februar 2018 2

Politik

Kreis SPD setzt auf den Kopp-Effekt

Aufbruchstimmung: Der neue Chamer Kreisvorsitzende der SPD heißt Franz Kopp und will nicht jammern, sondern anpacken.

Sie halten künftig die SPD-Fahne im Landkreis Cham hoch: Die neue Führungsriege der Kreis-SPD um Franz Kopp (7. v. r) Fotos: fsh

Cham.„Ich habe es gern getan“, sagte Edi Hochmuth und zitierte die Grabinschrift von Willy Brand: „Ich habe mich bemüht“. „Meine politische Heimat ist und bleibt die SPD mit all ihren Ecken und Kanten“, legte der scheidende Kreisvorsitzende der SPD Cham noch nach, bevor der die Führung des Kreisverbandes in die Hände von Franz Kopp übergab, der an diesem Abend von den 21 Delegierten einstimmig zum Nachfolger gewählt wurde.

Das Urgestein Hochmuth erhielt als Danke von der alten und neuen Stellvertreterin Claudia Zimmermann eine SPD-Lampe. Marianne Schieder schenkte ihm gar einen ganzen Tag ihrer kostbaren Zeit. Beide versicherten, den auch gemeinsam zu verbringen.

Nach der Wahl des Präsidiums und der Mandatsprüfungs- und Zählkommission blickte der scheidende Kreisvorsitzende zum letzten Mal zurück. Der Kreisverband ist aufgrund von Zusammenlegungen von 17 auf dreizehn Ortsvereine geschrumpft. Offiziell 347 Mitglieder halten die SPD-Fahne im Landkreis hoch, davon knapp ein Drittel Frauen. Nach wie vor ist Cham der größte Ortsverband, gefolgt von Furth im Wald und Roding. Erfreulich nannte es Hochmuth, dass heuer schon acht neue Mitglieder geworben werden konnten.

Noch zu schwach, um zu gestalten

„Um Politik und damit auch Projekte durchzusetzen sind nicht Foto-Termine wichtig, sondern der Spaten für den Baubeginn“, sagte Hochmuth und dankte Marianne Schieder für ihren unermüdlichen Einsatz für den Weiterbau der B20/85 und B 16. Er erinnerte an das Jahr 2002, als Ludwig Stiegler den Beginn des vierspurigen Ausbaus der B85 an einer kleinen Brücke in Altenmarkt verkündet und später auch realisiert hat.

„Kreispolitik heißt auch Ausbau und Ertüchtigung der Kreisstraßen, Schulen erneuern und sinnvoll positionieren und mit Krankenhäusern hochwertige medizinische Leistungen anbieten. Mit zwei Kreisrätinnen und drei Kreisräten sei die SPD aber nicht in der Lage, große Kreispolitik zu machen. Wohl aber den Zeigefinger zu heben und mahnend ins Geschehen einzugreifen. „Ab heute wird ein neues, junges Gesicht künftig die SPD-Landkreispolitik prägen“, sagte Hochmuth mit Blick auf seinen Nachfolger Franz Kopp. Nach dem Schulz-Effekt, dem Kohnen-Effekt kommt jetzt für unseren Landkreis der Kopp-Effekt“, versicherte Edi Hochmuth.

Man könne nicht nur von jungen Mitgliedern träumen, man müsse auch bereit sein, sie in die Verantwortung zu nehmen und ihnen prägende Gedanken für die Zukunft zuzutrauen.

Und mit Blick auf die Bundes-SPD: „Mit Martin Schulz ist der soziale Sprachgebrauch zurück, den ich mir gewünscht habe. Eine humanitäre Welt und eine gerechte Umverteilung des Reichtums dieser Welt“, schloss Hochmuth, der mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde.

Ergebnis der Neuwahl

  • Vorsitzender:

    Franz Kopp, Runding

  • Stellvertretende Vorsitzende:

    Claudia Zimmermann, Cham, Sebastian Meier, Roding, Stefan Wanninger, Waldmünchen

  • Kassier:

    Edi Hochmuth, Cham

  • Schriftführerin:

    Agathe Kerscher, Bad Kötzting

  • Orgaleiter:

    Bernhard Dietz, Cham

  • AsF-Vertreterin:

    Heidi Groß, Lam

  • Juso-Vertreter:

    Josef Stuber, Cham

  • Revisoren:

    Georgine Neumann, Karl Daniel

  • Weitere Vorstandsmitglieder:

    Roland Altmann und Josef Berlinger, beide Neukirchen hl. Blut, Louis Breu, Lam, Manfred Hornig, Neukirchen hl. Blut, Siegfried Ehrenböck, Furth im Wald, Renate Hecht, Roding, Wolfgang Kerscher, Bad Kötzting, Wera Müller, Furth im Wald, Waltraud Oberberger, Blaibach, Martin Schoplocher, Cham, Josef Schmid, Runding, Franz Schambeck, Falkenstein, Peter Schmid, Wald, Marion Weber, Arrach, Sandra Wittmann, Waldmünchen (fsh)

Sein Nachfolger versprach anschließend, sich mit Engagement und Herzblut diesem Amt zu widmen. „Dabei möchte ich mich vor allem immer wieder auf die Grundwerte unserer Partei besinnen und diese vermitteln. Gerade in unserer Zeit mit wachsendem Egoismus, zunehmender Radikalisierung und einer immensen Politikverdrossenheit einhergehend mit Vertrauensverlust,“ so Franz Kopp.

Vertraut Bürgern, weniger dem Schulz-Effekt: Franz Kopp Fotos: fsh

Mit der Übernahme des Amtes wolle er ein Zeichen setzen, dass Jammern nicht die Lösung sei: „Mein Professor für Sozialkunde in Bamberg prägte mich vor zehn Jahren mit dem Satz: Der mündige Bürger muss sich in der Gemeinschaft einbringen. Und zwar mit Kopf, Herz und Hand. Bei den allermeisten bleibt es aber bei Kopf und Herz und sie trauen sich nicht mit anzupacken, wenn es um die Zukunftsgestaltung geht“. Von der neuen Vorstandschaft soll ein Zeichen besonders an die jüngere Generation ausgehen, dass man sehr wohl etwas bewegen und erreichen könne, wenn man sich traue, seine Meinung zu vertreten, appellierte Kopp an die Anwesenden.

SPDler brauchen Stehvermögen

Ihren Vortrag „Sozialdemokratische Politik ist erfolgreiche Politik für die Menschen“, begann MdB Marianne Schieder mit einer Einschätzung der politischen Lage der Region: „Im Landkreis Cham braucht man viel Durchhaltevermögen, denn hier gibt es eine große Masse an CSU, die sich geschickt die Bälle zuspielt“, stellte sie fest und machte dann einen Ausflug in die Bundespolitik. Mit Martin Schulz komme neuer Schwung in die deutsche Sozialdemokratie. „Eine Wahl ist auch ein demokratisches Mittel für Änderungen. Demokratie ist unser aller Verantwortung“, konstatierte sie.

Allzu sehr jubeln wollte Franz Kopp jedoch nicht: „Ich glaube nicht, dass es jetzt in Cham einen Schulz Effekt geben wird, wie mancher vermutet und hofft“, sagte der neue Kreisvorsitzende abschließend. „Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, dass die SPD im Landkreis Cham eine Partei ist, von der die Leute sagen: Ja, da trete ich bei, die überzeugen mich.“

Er wäre schon froh, wenn er die großen Fußstapfen, die Edi in dieser Funktion hinterlasse erst mal halb ausfüllen könne. „In diesem Sinne bitte ich nochmals um eure Unterstützung für die kommenden Herausforderungen, lasst uns Zusammenhalten und gemeinsam für die Werte von Demokratie Freiheit und Gerechtigkeit eintreten“.

Was halten sie vom Schulz-Effekt?

Heidi Groß

Heidi Groß: Martin Schulz ist ein Mann mit Europaerfahrung, dessen Aufgeschlossenheit und Integrität mit Sicherheit für Deutschland ein Schritt nach vorne ist. Er soll seine Chance haben überhaupt irgendwo im ländlichen Gebiet so weit weg von seinem bisherigen Wirkungskreis Fuß zu fassen.

Claudia Zimmermann

Claudia Zimmermann: Mich beeindruckt in erster Linie seine Biografie. Er kommt von ganz unten. Er kennt verschiedene Seiten. Mein absoluter Favorit ist er im Moment noch nicht. Aber ich wünsche mir sehr, dass er seine Chance bekommt und nützt und wieder eine sozialdemokratische Regierung an die Macht kommt.

Siegi Ehrenböck

Siegi Ehrenböck: Mit der Nominierung von Martin Schulz ist für mich ein inniger politischer Wunsch in Erfüllung gegangen. Er ist leidenschaftlicher Europäer und ich glaube, dass er ein ausgezeichneter Kanzler sein würde. Auch in seiner Position als künftiger Parteivorsitzender erwarte ich, dass die SPD wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrt, die sie in der großen Koalition verloren hat.,

Sepp Berlinger

Sepp Berlinger: Ich hätte es zunächst nicht glaubt, aber Martin Schulz ist für die Sozialdemokratie in der BRD positiv. Weil die Menschen sind personenbezogen und Martin Schulz traut man mehr zu. Er war jetzt jahrzehntelang in Brüssel in Verantwortung und was er gesagt hat, hat er auch eingehalten. Bin stolz als Altbürgermeister, wenn mal jemand wie er von der Kommune kommt.

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