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Bereitschaftsdienst

Länger warten, bis der Arzt kommt

Ende April werden die Dienste der Bereitschaftsärzte neu geordnet: Rodinger und Waldmünchner werden Cham zugeordnet.
Von Christoph Klöckner

Kommt die Bereitschaftspraxis ans Chamer Krankenhaus? Noch wird bei der KVB geprüft und diskutiert.
Kommt die Bereitschaftspraxis ans Chamer Krankenhaus? Noch wird bei der KVB geprüft und diskutiert. Foto: Klöckner

Cham.Ab Ende April droht Kranken im Landkreis eine längere Wartezeit, bis der Arzt zu ihnen nach Hause kommt. Denn der Weg zum Patienten wird für die diensthabenden Mediziner im Allgemeinen länger werden. Und manchmal wird er gar nicht mehr kommen. Ab Ende April soll nämlich die seit einigen Monaten geplante Umorganisation der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) starten, wie jetzt KVB-Sprecher Michael Stahn mitteilte. Und die bringt einschneidende Änderungen für die Chamer. Dabei werden die Rodinger und Waldmünchner Dienstgruppen, die bisher eigenständig waren, zur Dienstgruppe Cham Stadt und Landkreis zugeschlagen. Der Grund dafür ist einfach: es gibt immer weniger Ärzte, was die Besetzung der Bereitschaftsdienste zunehmend schwieriger macht – gerade auf dem Land.

Längere Wartezeiten

Die Konsequenz für die Kranken, die zu Hause auf ärztliche Hilfe warten, ist auch klar: sie brauchen mehr Geduld und müssen länger warten, bis der Arzt kommt. Denn der Bereitschaftsdienst, der nachts und an Wochenenden unterwegs ist, wenn die Praxen geschlossen sind, muss nun längere Wege gehen. Ist der Arzt erst einmal in Waldmünchen angekommen, braucht er für den Rückweg etwa zu einem Patienten in Roding eine Menge Zeit. Eine größeres Gebiet für eine Dienstgruppe bedeutet automatisch durchschnittlich längere Wege zum Kranken.

Zum 26. April 2016 würden die Dienstgebiete für den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Dienstgruppen Roding, Waldmünchen sowie Cham Stadt und Landkreis neu strukturiert, so KVB-Sprecher Stahn. Grund sei, dass die Dienstgruppe Waldmünchen, die nach der Bereitschaftsdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns notwendige Mindestzahl von 15 Ärzten unterschritten habe. Die Folge seien „unzumutbaren Dienstbelastungen“ der dort Bereitschaftsdienst leistenden Ärzte. Dadurch habe sich der Ärztliche Bereitschaftsdienst in der bisherigen Konstellation nicht mehr auf Dauer aufrechterhalten lassen.

Lücken wären die Folge

„Aus den Umstrukturierungen ergeben sich für die Patienten möglicherweise weitere Wege und längere Wartezeiten als bisher“, sagt Michael Stahn. Und auch die Ärzte, die im Rahmen des Bereitschaftsdienstes Hausbesuche machen, seien gegebenenfalls länger unterwegs. Doch eine echte Alternative sieht er nicht.

Umstrukturierung

  • Bereitschaftsdienstgruppen

    „Die Bereitschaftsdienstgruppen Roding und Waldmünchen werden aufgelöst – die betroffenen Arztsitze werden der Dienstgruppe Cham Stadt und Landkreis zugeordnet“, beschrieb der Fachreferent der KVB, Michael Stahn, jetzt die Umstrukturierung.

  • Dienstgruppe Cham

    Die Dienstgruppe Cham Stadt und Landkreis wird damit um die Arztsitze Roding, Schorndorf, Michelsneukirchen, Walderbach, Stamsried, Rötz, Waldmünchen, Geigant, Schönthal und Tiefenbach erweitert.“ Die Dienstgruppe Cham Stadt und Landkreis habe nach dieser Umorganisation insgesamt 82 Mitglieder – 82 Ärzte – damit könne die Belastung der im Bereitschaftsdienst tätigen Ärzte im Gesamtgebiet gesenkt werden.

  • Dienstgebiet Cham

    Das neustrukturierte Dienstgebiet Cham Stadt und Landkreis, das somit von weit hinter Roding bis weit hinter Waldmünchen reicht, werde künftig von zwei Fahrdiensten und einem Praxisdienst versorgt.

  • Bereitschaftspraxis

    Die Bereitschaftspraxis liege vorerst weiterhin dezentral in den Vertragsarztpraxen der einzelnen diensthabenden Ärzte, so Michael Stahn.

  • Bereitschaftsdienst

    Die Vermittlung im Ärztlichen Bereitschaftsdienst sei weiterhin rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche bundesweit unter der zentralen Telefonnummer 116 117 zu erreichbar. Die Kosten für diese Dienstleistung für die Einwohner würden dabei die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten tragen. (ck)

Strukturiere die KVB nicht um, wären erhebliche Lücken in der Bereitschaftsdienstversorgung das Ergebnis gewesen. „Ohnehin sollen Hausbesuche im Bereitschaftsdienst künftig in der Regel nur noch dann erfolgen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht“, betont der KVB-Sprecher. Das sei bereits seit Jahren rechtlich entsprechend geregelt. Im Bundesmantelvertrag Ärzte stehe dazu, dass Patienten „einen Anspruch auf Besuchsbehandlung nur haben, wenn ihnen das Aufsuchen des Arztes in dessen Praxisräumen wegen Krankheit nicht möglich oder nicht zumutbar ist.“

Die Einrichtung einer zentralen Bereitschaftspraxis am Krankenhaus in Cham werde derzeit noch geprüft, sagt Michael Stahn von der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Vorbehalte gegen eine solche zentrale Praxis am Sana-Klinikum in Cham gebe es noch immer von einigen Kollegen, die Nachteile befürchten würden, sagt am Mittwoch der Chirurg Hans Ertl, der Vorsitzende des Ärztekreisverbandes Cham, auf Nachfrage.

Im November 2016 hatte er nach einer Abstimmung im Kreisverband Gründe für eine Ablehnung genannt. Zum einen würden manche niedergelassenen Ärzte neue Kosten erwarten, zum anderen lehne mancher Kollegen eine Kooperation mit dem Sana-Konzern ab. Damals, vor fünf Monaten hatte der Ärztliche Kreisverband trotz der Gegenstimmen mit Mehrheit für eine zentrale Bereitschaftspraxis am Krankenhaus votiert.

Zwei fahrende Ärzte, eine Praxis

Zwangsweise komme diese Umstrukturierung, meint Hans Ertl.
Zwangsweise komme diese Umstrukturierung, meint Hans Ertl. Foto: Klöckner

Kreisvorsitzender Hans Ertl macht sich wenig Illusionen über andere Lösungen zum Bereitschaftsdienst, auch wenn die Meinungen über die Neuregelungen auseinandergehen würden. Es sei „zwangsweise“ so gekommen, wie es kommen musste, meint er. Viele Ärzte würden dadurch auf eine Entlastung bei ihren Diensten hoffen, zu denen sie verpflichtet sind. Sicher werde die Fahrstrecke länger – vor allem im Winter werde das keine Freude. Skeptisch ist er den KVB-Plänen gegenüber, dass es möglich ist, neben zwei Bereitschaftsfahrdiensten auch noch gleichzeitig eine Bereitschaftspraxis besetzen zu können: „Ob das realisierbar ist, wird sich zeigen!“ Im Landkreis sei es so, dass die meisten niedergelassenen Ärzte selbst den Dienst ableisten würden.

20 Minuten? Nur auf dem Papier

Dass der Bereitschaftsdienst längst nicht ausreicht, um alle zu versorgen, zeige die bayernweite Überlastung der Ambulanzen in den Kliniken und die steigende Zahl der Notarzteinsätze, die ebenfalls gerufen würden. Vor allem dort, wo die KVB noch keine Umstrukturierungen vorgenommen habe, sagt Ertl. Das sei auch in Cham so. Wer außerhalb von Sprechzeiten etwas habe, fahre schon jetzt häufig gleich ins Krankenhaus in die Notaufnahme und blockiere dadurch die schnellere Behandlung echter Notfälle. Die noch heute festgeschriebenen 20 Minuten vom Anruf bis zum Ankommen des Bereitschaftsarztes seien schon lange eine Illusion, meint Hans Ertl: „Das geht schon lange nicht mehr!“ Wer so schnell versorgt werden müsse, dem bleibe nur der Notarzt. De facto stehe das mit den 20 Minuten nur noch auf dem Papier. Und das Warten wird wohl jetzt noch länger, bis der Arzt endlich kommt.

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