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Kult

Mäuse-Magie macht aus Bildern Geschichte

Seit 1951 werden Micky-Maus-Hefte in Deutschland verkauft. MZ-Redakteure verraten zum Jubiläum, welche Comics sie begeistern.

Seit 65 Jahren verzaubert Micky seine Leser in Deutschland.
Seit 65 Jahren verzaubert Micky seine Leser in Deutschland. Foto: dpa

Cham.Genau seit 65 Jahren krabbelt eine kleine Maus durch deutsche Kinderzimmer. Genau wie bei ihren pelzigen Artgenossen sorgt das nicht bei allen Müttern für Begeisterung, doch hatte Micky von Anfang an einen deutlich höheren Kultstatus, als seine realen Mäuse-Brüder. Millionenfach verkauften sich die bunten Bildergeschichten aus dem Hause Disney seit der deutschen Erstveröffentlichung im August 1951 – und mit Micky sind auch die Fans der ersten Stunde alt geworden. So gehören die Abenteuer der kleinen Maus und ihrer Gefährten Donald Duck, Franz Gans sowie Tick, Trick und Track zum festen Leseprogramm von – inzwischen – Jung bis Alt.

Doch auch wer mit Micky nie warm wurde, dem öffnete die Maus die Tore zu einer neuen Welt: den Comics. Die lustigen Zeichengeschichten lösten einen Boom aus, der bis heute anhält. Egal ob Asterix, Spider-Man oder die aktuellen Superhelden-Blockbuster im Kino – der Weg in die Herzen der Fans ist auch einige Meter mit den bunten Comicstrips der Micky Maus gepflastert.

Dass Comics auch heute noch ziemlich gefragt sind, zeigt ein Blick in die Chamer Stadtbücherei: Sie hat insgesamt zwei Kisten voll Comics für Kinder und „junggebliebene Erwachsene“, so die Bibliothekarin Susi Fischer-Müller Dazu kommt noch Fachliteratur zum Thema, wie zum Beispiel ein Lexikon zum Thema Comics oder ein Buch über Disney. Sie sind nach wie vor sehr gefragt und die Bibliothek muss ständig neue nachkaufen. Vor allem wird Lucky Luke, von dem die Bücherei über 25 verschiedene Exemplare besitzt, Asterix ud Obelix und natürlich Micky Maus gelesen. Die Comics werden mehr von Jungs als von Mädchen gelesen. Mädchen lesen eher Mangas, also japanische Comics. Aber auch schon die Kleinen, die noch nicht lesen können, schauen sich die bunten Bilder in Comics an.

So haben Comics unsere Redaktion geprägt

Fünf Redakteure des Bayerwald-Echos stellen ihre Lieblings-Comics vor und erzählen, was sie mit dem Medium Comic bis heute verbindet.

Martin Hladik: Alles im Nebel

Eine Empfehlung: Die Graphic-Novel „Alois Nebel“. Ist was für die Sudetendeutschen unter uns. Foto: ik
Eine Empfehlung: Die Graphic-Novel „Alois Nebel“. Ist was für die Sudetendeutschen unter uns. Foto: ik

Comics waren und blieben für lange Zeit die Heimatbasis meiner Lesewelt. Als Hundefan von acht, neun Jahren mussten es immer wieder die Abenteuer des Collies Bessy sein. Micky Maus, Felix und andere hat mein kindliches Ego mit Verachtung gestraft: langweilig. Etwas jugendlicher geworden, trat Asterix in mein Leben. Der Gallier hat mich seitdem nie mehr verlassen und noch heute kann ich ein komplett zerlesenes Heft aus dem Bücherregal ziehen und entdecke Neues, Überraschendes und Witziges. Trotzdem, irgendwann in der Pubertät war Schluss mit Comics. Bücher sind die stärkere Eskapismus-Droge. Trotz mehrerer Versuche zu den Comics zurückzukehren, habe ich die Kunst, sie richtig zu lesen, leider verloren. Selbst eine gute Graphic-Novel, wie der „Alois Nebel“ von Jaroslav Rudis blieb ohne Rückfall-Wirkung. Collies sind aber immer noch toll.

Jana Wolf: Comics als Roman

Als Kind fand ich es seltsam, dass Dagobert Duck nicht nur sprichwörtlich im Geld schwimmt, sondern tatsächlich durch ein Meer aus Goldmünzen taucht, und Minnie Mouse pinke Schleifen in Haaren und auf Schuhen trägt. Das ist mir zu viel an Klischee.

Zu viel Pink und zu viele Punkte Foto: hd
Zu viel Pink und zu viele Punkte Foto: hd

Was heute allerdings mein Interesse weckt, sind Grafic Novels. Diese Comics im Buchformat erzählen längere, oft politische Geschichten. Besonders berühmt geworden ist „Maus“. Das mit dem Pulitzer-Preis gekrönte Buch von Art Spiegelman erzählt von einem Holocaust-Überlebenden – kein typischer Comic-Stoff. Spannend, was sich in Bildern alles erzählen lässt.

Daniel Haslsteiner: Oh ja, ich seh’ die Dunkelheit

Comics ja – aber bitte schön düster. Foto: si
Comics ja – aber bitte schön düster. Foto: si

„And that I see a darkness“ – wunderbar düster und melancholisch klang Johnny Cash. Seine Interpretation des Stücks von Bonnie “Prince” Billy hallte so nach, dass sie zum Titel seiner Biografie wurde. Nicht irgendeiner Biografie – der Comic-Biografie aus der Feder Reinhard Kleists. Mit einfachen Zeichnungen in schwarz-weiß nimmt der uns mit an die Bruchstellen in Cashs wildem Leben: Schnörkellose Comicstrips über einen schnörkellosen Kerl. Mit wenigen Zeichenstrichen zeigt Kleist die dunklen Abgründe des Man in Black.

Comics müssen nicht immer farbenfrohe Belanglosigkeiten sein. Soll in Entenhausen glücklich werden, wer mag. Ich war immer mehr für die Schatten. Lieber gehe ich in Alan Moores viktorianischen Höllenwelten auf die Jagd nach Jack the Ripper, durchstreife die übelsten Ecken und Gassen von Sin City oder erlebe in Frank Millers Batman-Miniserie den tiefen Fall des dunklen Ritters mit. Selbst wenn es mal bunt wird – wie im Kult-Comic Watchmen (kein Vergleich zur missratenen Verfilmungen) – sind die Bildergeschichten kein Widerspruch zu exzellenter Literatur.

Dass der Wechsel von starken Worten und starken Strichen, von Volltext und Sprechblase sogar recht fließend ist, darf aktuell bei US-Starautor Chuck Palahniuk beobachtet werden. Der bringt seine Fans nun durch Comicstrips zurück in den Fight Club. Die Fortsetzung des Kultromans (mit fantastischer Verfilmung) veröffentlichte er mit der Hilfe zweier Zeichner als Comic: „Tyler Durden lebt“. Solange ich diese düsteren Ecken finde, bleibe ich den Comics treu.

Fred Wutz: Comics waren beim Vater tabu

Karl May war erlaubt, Disney nicht!  Foto: hd
Karl May war erlaubt, Disney nicht! Foto: hd

So gern ich sie gehabt hätte: Als Kind waren mir Comics väterlicherseits verboten. Gelesen, ja geradezu verschlungen, habe ich sie trotzdem, denn ich hatte ja Schulkameraden, welche die tollen Hefte besaßen und sie mir ansehen bzw. lesen ließen (das passierte dann meistens auf der Fahrt mit dem Schülerzug zwischen Furth im Wald und Cham). Sigurd und Falk, Fix und Foxi, die komplette Entenhausener Verwandtschaft und natürlich Micky Maus – ich kannte sie trotz des Verbotes.

Weil ich Comics nicht haben durfte, las ich (zum Ausgleich) Götter- und Heldensagen aller Nationen, Karl May und Jules Verne. Das war mir erlaubt. Einige dieser Bücher habe ich übrigens auch nach über 50 Jahren noch, einen Teil konnte ich sogar durch Faksimile-Nachdrucke der Originale ersetzt. Das Comic-Verbot hat ebenfalls Auswirkungen bis in die Gegenwart: Ich kaufe mir nämlich gerne Zeichentrickfilme mit den kleinen Helden meiner Kinder- und Jugendzeit. Am liebsten komplette Ausgaben. Und diese Filme schaue ich mir so oft an, wie ich gerade mag….

Stefan Weber: Als die Turtles nicht „süß“ waren

So sahen die Schildkröten im Original aus.
So sahen die Schildkröten im Original aus. Foto: comicbook.com

Ich bin ja kein regelmäßiger Comicleser. Interessanterweise hatte es mir in meiner Jugend eigentlich nur die Parodie auf X-Men, Spiderman, und wie sie alles heißen, angetan. Anfang der 1990er-Jahre kamen die Teenage Mutant Hero Turtels als Comic auf den deutschen Markt. Heute sind die niedlich, bunt und kindgerecht, aber in den ersten Comics von Peter Laird und Kevin Eastman war das ganz anders.

Für knapp sieben Mark pro Band kamen die Bücher damals raus und waren ursprünglich als Parodie auf die damals bekannten Comics von Marvel und Co. konzipiert worden – und das bereits Anfang der 80er-Jahre. Aus der Parodie von einst ist ein bis heute anhaltender Hype geworden (erst dieses Jahr mit einem neuen Kinofilm), der allerdings nicht mehr viel mit den Comics zu tun hat, die ich damals gekauft habe. Die waren düster, unheimlich und die Kröten so gar nicht lieb und nett. Die Turtels waren dann aber doch noch länger meine Begleiter, im Kino, im Fernsehen, als Videospiel ... Cowabunga!, kann ich da nur sagen.

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