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„Mehr Action“ und Tränen in der Reha

Im neuen Teil ihrer Kolumne schreibt die an Krebs erkrankte Stefanie Deml aus Kolmberg über ihren Ehrgeiz – und Heimweh.
Von Stefanie Deml

Stefanie Deml
Stefanie Deml Foto: ck

Cham.Zuerst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei Olivers Arbeitgeber, Jürgen und Thomas Pohl in Zifling-Bierl, bedanken. Ohne deren Unterstützung hätte ich meine Reha gar nicht antreten können, da ich Oliver für meine Kinder brauche. Auch an Betriebsleiter Jürgen Helfrich ein Dankeschön für sein Verständnis. Nur selten findet man Arbeitgeber, die für familiäre Situationen Verständnis zeigen. Vielen Dank auch an die Mitarbeiter von Oliver, die seine Arbeit erledigen mussten.

Es gab in letzter Zeit öfters Situation, wo ich nicht wusste, wie ich es mit den Kindern hinbekommen sollte. Meine Mama und Geschwister wohnen 250 Kilometer von mir entfernt und sie können auch nicht einmal schnell zu mir kommen, wenn es mir nicht gut geht. Bei einer einfachen Grippe oder Arztterminen, die auf den Nachmittag fallen, bin ich schon in einer Zwickmühle. Eine Herausforderung sind auch die Ferien.

Manchmal hilft mir meine Tante, oder Freundinnen kommen vorbei und passen auf die Kinder auf. Wenn ich dann gar niemanden für die Kinder habe, nimmt sich Oliver frei und kümmert sich um sie. Es ist oft schwierig, wenn keine Verwandten in der Nähe wohnen. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte auch eine Oma im Haus oder nur ein paar Straßen weiter wohnen. Vielen Dank noch mal an alle, die uns geholfen haben.

Nach meinem letzten Bestrahlungstermin Mitte Dezember bekam ich meinen zwölften Antikörper. Insgesamt bekomme ich 18 Antikörper-Behandlungen – im Drei-Wochen-Rhythmus. Danach bin ich zuerst einmal richtig krank geworden. Ich hatte eine total schwere Erkältung. Es sind Weihnachtsferien, die Kinder sind daheim. Evi ist leider nicht mehr bei uns. Sie hat auch Urlaub und dann kommt sie nicht mehr. Danke Evi, wir werden dich vermissen. Oliver hat zum Glück auch Urlaub, da kann ich mich etwas erholen.

Am 13. Januar 2015 ging es mit meiner Anschlussheilbehandlung in Passau los. Am ersten Tag war ich so froh, dass ich endlich etwas Zeit für mich habe. Ich habe mir so viel vorgenommen für die Zeit in der Reha. Ich will Schwimmen, Nordic Walking machen und in der Natur spazieren gehen. Doch dann falle ich in ein Loch.

Die ersten zwei Tage bin ich nur am Weinen. Ich will wieder nach Hause. Ich habe so schreckliches Heimweh. Beim ersten Gespräch mit meinem zuständigen Arzt sagt er mir, dass ich nicht schwimmen darf und kein Nordic Walking – ich sei noch zu schwach.

Von der Bestrahlung schält sich meine Haut an Brust und Hals ab, deswegen darf ich nicht schwimmen. Ich bin frustriert, gerade die Sportarten die ich am liebsten mag. Am zweiten Tag bekomme ich meinen Therapieplan. Nach dem Frühstück geht es los: Schulter-Gymnastik, Bewegungstherapie, Körperarbeit mit Klang und Farbe, Konzentrationstraining, Muskelentspannung, Gesprächsgruppe Mamma. Um nur ein paar wenige Punkte zu nennen. Für mich sind die Anwendungen alle langweilig.

Mein Kopf sagt mir: mehr „Action“ – aber mein Körper weiß genau, dass es nicht geht. Das einzusehen, war für mich sehr schwierig.

Die Kolumne und der Dank

  • Gefühle und Erfahrungen

    In ihrer ganz persönlichen Kolumne schildert Stefanie Deml (37) ihr Jahr mit der Diagnose Brustkrebs. Immer wieder hat sie ihre Gefühle und Erfahrungen rund um die Krankheit aufgeschrieben.

  • Mut machen

    Mit der Veröffentlichung will sie Frauen Mut machen, die ähnliches haben und erleben müssen, ebenso für Menschen, die unter Krankheiten leiden.

  • Unterstützung

    Es komme auch auf Unterstützung an, sagt sie. Deshalb dankt die Mutter von zwei Kindern besonders ihrem Lebensgefährten und ihrer Familie für die Hilfe. Geholfen hat ihr auch Roland Saurer, der jetzige Bürgermeister Waffenbrunns, dazu der Kindergarten St. Martin und Pfarrer Reißer.

  • Dank an Evi

    Schließlich gibt es einen weiteren „Engel“, dem sie danken will: der Haushaltshilfe Evi vom Maschinenring, ohne die es nicht gehe. (ck)

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