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Nach dem Tal der Tränen geht es aufwärts

Stefanie Deml aus dem Landkreis Cham kämpfte 2015 gegen Brustkrebs. Der Krebs ist besiegt, doch er hat Spuren hinterlassen.
Von Christoph Klöckner

Stefanie Deml nach dem schmerzhaften Neuaufbau ihrer Brust mit Silikoneinlagen. Für sie war es ein Schritt, um sich auch vom Kopf her wieder vollständig fühlen zu können. Foto: Deml
Stefanie Deml nach dem schmerzhaften Neuaufbau ihrer Brust mit Silikoneinlagen. Für sie war es ein Schritt, um sich auch vom Kopf her wieder vollständig fühlen zu können. Foto: Deml

Cham.Eines ist klar – so richtig weg sein wird die Krankheit nicht. Weder am Körper, noch im Geist. Zu tief und zu schmerzhaft sind die Furchen, die sie im Leben der Familie Deml gezogen hat. Dazu bleibt auch die Angst vor einer Rückkehr. Doch mit dem jüngsten Krankenhausbesuch hat Stefanie Deml zumindest für sich einen gewissen Strich gezogen, der auch für die schweren Jahre 2014/2015 einen Abschluss darstellt.

Sie hat sich dabei ihre Brust wieder aufbauen lassen – eine äußerst schmerzhafte Prozedur. Und zuvor wieder Dinge erlebt, die sie ebenso schwer ertragen konnte. Dreimal wurden ihre von Ärzten formulierten Anträge beziehungsweise Widersprüche von der Kasse abgelehnt. Dabei hatten die Mediziner jeweils eine bestimmte Methodik beim Neuaufbau der durch die Krebsoperation lädierten Brustseite empfohlen.

Trotz der medizinischen Atteste, diesen Weg zu gehen, gab es von Krankenkassenseite keine Zustimmung. Für eine Klage, die ihr von den Ärzten empfohlen wurde, fehlte ihr letztlich die Kraft. So entschied sich Stefanie Deml dann für den Wiederaufbau mit Silikon und eine vierstündige Operation Ende November mit fünf Tagen Krankenhausaufenthalt und einem Selbstkostenanteil, um das zu bekommen, was sie sich wünschte: Morgens in den Spiegel sehen zu können, ohne gleich wieder erinnert zu werden und wegschauen zu müssen.

Nicht „leitliniengerecht“

Zunächst hatte sie sich für eine Methode namens Lipofilling entschieden, das ihr in ihrem Fall von den behandelnden Ärzten als besserer, plastisch-chirurgischer Eingriff empfohlen wurde als die sonst übliche Methode, die Eigengewebsbrustrekonstruktion mit einer LADO-Lappenplastik. In seinen Stellungnahmen sowohl zum Antrag selbst wie zum Widerspruch hatte der Medizinische Dienst der Krankenkassen in Bayern (MDK) die Lipofilling-Behandlung abgelehnt.

Es handele sich um eine neue Methode, für die es von den Kassen keine Kostenübernahme gebe. Zudem brauche man weitere Studien, ob es nicht doch durch solch eine Therapie keine neuen Krebsgefahren gebe. Die LADO-Lappenmethode sei der „leitliniengerechte“ Brustaufbau – den zahle man auch. Wobei die Sozialmedizinische Stellungnahme des MDK auch immer einen Hinweis und eine Kopie auf die Echo-Kolumne enthält.

Hier lesen Sie die Kolumnen von Stefanie Deml

Nach jeder Ablehnung kommt das Tal der Tränen. Der Wunsch nach einem körperlichen „Normalzustand“ treibt Stefanie Deml aber vorwärts. Schließlich geht sie zu den Barmherzigen Brüdern in Regensburg, um eine neue Meinung und einen erneuten Therapievorschlag für die Erneuerung ihrer Brust zu erhalten. Dort hat sie im Juni einen Termin. Die Chirurgin sieht in der Lappentechnik ein zu großes Risiko, da es dabei immer wieder Komplikationen gebe. Auch sie empfiehlt das Lipofilling. Mit dem gleichen Ergebnis bei Kasse und MDK: Ablehnung!

Bleibt am Ende die Silikonlösung. Doch gibt es dafür eine Zustimmung? Zunächst kommt auch hier ein niederschmetternder Anruf ihrer Krankenkasse. Während sie die negative Nachricht vom Kassenmitarbeiter entgegennommen habe, habe sie nur noch geweint, erzählt sie. Doch folgt im Gespräch mündlich doch noch die Zusage, zumindest bei der betroffenen Brust die Silikoneinlage und den Eingriff zu bezahlen. Auch schriftlich bekommt sie die Zusage für die eine Seite. Doch hatte der behandelnde Arzt zu einer beidseitigen Anpassung geraten, um zwei verschiedene Größen und unterschiedliches Aussehen zu vermeiden. Das ist auch für die Kolmbergerin undenkbar.

Zurück zur Vollständigkeit

Für Stefanie Deml ist die Operation mit dem entsprechenden Ergebnis extrem wichtig. Schon nach der Operation war ihr klar, dass am Ende alles wieder normal ausschauen muss. „Jeden Tag in den Spiegel schauen und erinnert zu werden, ist furchtbar!“, sagt Stefanie Deml.

Diagnose Brustkrebs

  • Böse Entdeckung

    Im Februar 2014 war bei Stefanie Deml (38) aus Kolmberg Brustkrebs diagnostiziert worden. Sie wohnt mit ihrem Lebensgefährten Oliver Sulewski in Kolmberg, gebürtig ist sie aus Schlammering und Mutter von zwei Kindern. Sie selbst entdeckte in ihrer linken Brust einen Knoten, ein bösartiger Krebs wurde diagnostiziert.

  • Kolumnen

    Von Beginn an schrieb Stefanie Deml auf, was sie dabei erlebte. Damit füllte sie ihre Kolumnen, die 2015 im Bayerwald-Echo erschienen . Sie will Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen, dazu auch informieren über Möglichkeiten der Hilfe.

  • Chemo

    Sie machte das ganze Programm der Behandlungen bei Krebs durch, mit Chemo und Bestrahlungen und einigen Operationen, bei denen ihr das betroffenen Gewebe entfernt wurde.

  • Krankenkasse

    Seit März 2015 geht es bei ihr nun um den Wiederaufbau der betroffenen Brust. Sie war dafür sowohl bei den Spezialisten im Caritas-Krankenhaus wie bei den Barmherzigen Brüdern in Regensburg. Beide Male bekam sie dir Empfehlung zu einer Behandlung, die ihre gesetzliche Krankenkasse nicht zahlen wollte. Einen Teil hat sie nun selbst getragen. (ck)

Ohne die Erneuerung ihrer Brust plagt sie das Gefühl, nicht vollständig zu sein. Auch deshalb ist es für sie keine Frage, dass beide Brüste angepasst werden müssen. Also Implantate in beide Seiten kommen müssen, um eine Einheitlichkeit zu schaffen. „Ich muss vom Kopf her frei werden!“, sagt sei dazu. Irgendwo einen Schlussstrich ziehen, um einen Neuanfang im Leben zu schaffen. Dafür scheinen ihr auch die Zusatzkosten tragbar. Sie hat sich die rund 1900 Euro für die Operation der zweiten Seite und die 516 Euro für die dazugehörige Folgekostenversicherung, falls es innerhalb von drei Jahren Komplikationen gibt, bei ihrer Mutter und ihren Schwestern geliehen. Und wird sie nun nach und nach wieder zurückzahlen.

Die vorgeschriebene Rückkehr in die Normalität hat sie mittlerweile auch schriftlich zugestellt bekommen. War sie durch ihre Krankheit zuletzt berentet gewesen, wird sie bald wieder auf dem Papier arbeitsfähig sein. Die Zeit zum Luftholen und Kräftesammeln nach alle den Tortouren ist knapp bemessen.

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