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Sport

Nazis im Club? „Seid aufmerksam, Löwen“

Der Geschäftsführer von 1860 München nimmt Stellung zur Unterwanderung von Chamer Fanclubs durch Rechtsextreme und warnt.
Von Christoph Klöckner

„Seid aufmerksam, Löwen“, rät Geschäftsführer Thomas Eichin. Der TSV will Rechtsextreme aus dem Stadion verbannen.
„Seid aufmerksam, Löwen“, rät Geschäftsführer Thomas Eichin. Der TSV will Rechtsextreme aus dem Stadion verbannen. Foto: dpa

Cham.Es hat etwas gedauert, bis die offizielle Stellungnahme des Fußballvereins 1860 München eingetroffen ist. Bedingt durch den Wechsel in der Vereinsführung. Doch schon vorher war klar, was Geschäftsführer Thomas Eichin unterstreicht: Im Stadion ist kein Platz für Rechtsradikalismus! Sein Rat an alle Fans von 1860: „Seid aufmerksam, Löwen!“

Hintergrund der Stellungnahme war ein Vortrag des Rechtsextremismus-Experten Jan Nowak in Cham. Dabei ging es vor allem um aktuelle Entwicklungen rund um die rechtsextreme Partei „Der III. Weg“. Nowak nannte Ross und Reiter der Rechten im Landkreis Cham.

Einen Fanclub im Visier

Rechtsextremismus-Experte Jan Nowak informierte vor kurzem in Cham über den III. Weg.
Rechtsextremismus-Experte Jan Nowak informierte vor kurzem in Cham über den III. Weg. Foto: ck

Der III. Weg sei eine aus dem in Deutschland verbotenen Freien Netz Süd entstandene Organisation, die sich auf NS-Traditionen berufe und vor allem in Bayern, speziell in Ostbayern, aktiv sei. Dabei seien sie durchaus bereit, auch aggressiv vorzugehen, um aufzufallen. Zudem würden sie sich die Flüchtlingskrise zunutze machen, um Zuspruch aus der Bevölkerung zu bekommen.

Das hatte auch der Sprecher des Bayerischen Verfassungsschutzes unterstrichen und betont, dass die Rechtsextremen im Landkreis Cham und den Nachbarlandkreisen besonders aktiv seien. Auch dass sie immer wieder die Nähe zu Fußballfans suchen, um dort für ihre Ideen zu werben, sei bekannt, so der Verfassungsschützer.

Als Plattform missbraucht

Der Verein 1860 München und Thomas Eichin gehen in ihrer Stellungnahme auf die Dinge ein, die bereits Jan Nowak erwähnte: Dass in einem Gespräch bei der Regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus speziell ein bestimmter Fanclub aus dem Landkreis Cham aufgetaucht sei. Dort sei das Miteinander von Fans und Rechten besonders intensiv, zum Teil seien die Rechtsextremen sogar in der Führungsriege des Fanclubs vertreten, so Nowak.

Aus anderen Chamer Fanclub-Kreisen von 1860 war zu hören, dass speziell die Mitglieder dieses Fanclubs bei Auswärtsfahrten nicht mehr mitgenommen worden seien, eben weil sie dort mit rechtsextremen Parolen aufgetreten seien. Auch dem Fanbeauftragten des TSV 1860 in München sei der Fall inklusive der konkreten Akteure vor Ort bereits bekannt und aktuell Gegenstand der Auseinandersetzung, hatte Nowak betont.

Verbotenes am Spielfeldrand

  • Flyer

    „Das hat mit Fußball nichts zu tun“, heißt eine Überschrift eines Flyer der Löwen, der sich an die Fans wendet und ihnen klar sagt, dass keine Neonazis erwünscht sind. Aufgeführt werden darin die zahlreichen Symbole, die auf die rassistische Gesinnung hinweisen.

  • Symbolik

    Dabei werden unter anderem auch Zeichen und Merkmale rechter Gesinnung dargestellt, damit sie für andere erkennbar und identifizierbar werden. Nicht jeder weiß, was sich hinter welchem Zeichen versteckt, zu vielfältig ist die Symbolik der Rechtsextremen.

  • Zahlenspiele

    So weise etwa bereits eine Zahl wie 18 auf Adolf Hitler, die 28 auf dem T-Shirt stehe für „Blood&Honour“, die 38 auf das Neonazisymbol „Crossed Hammers“. Die Abkürzung RAHOWA, die für Racial Holy War auf den angeblichen „Heiligen Rassenkrieg“ verweist.

  • Ziel

    „Unser Ziel ist es, dass nicht nur die Kleidung und Symbolik selbst aus unserem Stadion verschwindet, sondern dass die Träger nicht mehr die Möglichkeit bekommen sollen, ihre menschenverachtende Einstellung bei unseren Veranstaltungen offen zur Schau zu stellen“, heißt es im Flyer.

  • Hausordnung

    Entsprechend ist die Hausordnung der Löwen formuliert. Jedwede Diskriminierung ist verboten. Wer rechtsextreme Symbole oder Gesten zeigt, fliegt raus. Die Löwensind nicht die einzigen Opfer rechtsextremer Unterwanderung im Fußball. Wie zuletzt die Sky-Dokumentation zeigte, haben auch Vereine wie der BVB oder Bremen Probleme. (ck)

Darauf geht nun Eichin ein. „Der TSV 1860 München wurde über eine professionelle Beratungsstelle darauf aufmerksam gemacht, dass einige Personen den Verein als Plattform missbrauchen, um ihre rechts-orientierte politische Haltung zu verbreiten. Davon distanzieren sich die Löwen ausdrücklich – beim TSV 1860 München gibt es keinen Platz für jegliche Form von rechtem Gedankengut“, so Eichin.

„Wir akzeptieren diese Leute weder als Mitglieder der Löwen noch in unseren Fanclubs – und wollen sie auch nicht bei unseren Spielen im Stadion“, betont der Geschäftsführer gegenüber dem Bayerwald-Echo. Aus diesem Grund setze sich der Verein ausführlich mit dieser Thematik auseinander und prüfe diese Angelegenheit gründlich.

„Weiß-blau ist bunt!“

„Wir haben das zudem zum Anlass genommen, noch einmal mit Nachdruck in Erinnerung zu rufen, wofür wir stehen: Weiß-Blau ist bunt! Wir stehen für Toleranz und übernehmen gemeinsam gesellschaftliche Verantwortung“, erklärte Geschäftsführer Thomas Eichin.

Dies hätten die Löwen immer wieder durch verschiedene Aktionen, wie etwa den Flyer „Kein Spielraum für Rechtsradikalismus“, oder spezielle Ordnerschulungen untermauert. Im Rahmen des Hausrechts werde der TSV 1860 darüber hinaus alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um Personen mit solchen Haltungen aus dem Stadion zu verbannen.

Sensibilisierung aller Fans

„Mindestens genauso wichtig ist die grundsätzliche Sensibilisierung und Aufklärung aller Fans sowie der am Spieltag eingesetzten Personen“, weiß Eichin. „Dabei legen wir besonders großen Wert darauf, unsere Kommunikationsmaßnahmen weiterhin intensiv zu fördern. Ziel muss es sein, sich gemeinsam gegen jegliche Form von rechtem Gedankengut zur Wehr zu setzen.“

Unterstützt werde Sechzig dabei von den Löwenfans gegen Rechts und dem Fanprojekt München, die zusammen mit dem Verein an verschiedenen Projekten arbeiten und an den Spieltagen gemeinsam mit den Fanbeauftragten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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