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Öko-Strom aus der Steckdose am Ende?

Die Chamer Natur-Kämpfer sehen immer mehr Hürden. Ihr Vorwurf an die Politik: „Die Konzerne verdienen, die Kleinen zahlen.“
Von Ernst Fischer

Öko-Energie-Runde (v.li.): Riederer, Baumann, Kroner, Kurzmann
Öko-Energie-Runde (v.li.): Riederer, Baumann, Kroner, Kurzmann Foto: Fischer

Cham.Dummer Spruch, und jeder kennt ihn: „Was brauch’ ich Atomkraftwerke, mein Strom kommt aus der Steckdose.“ Nein, er ist nicht gefallen in der Klostermühle von Altenmarkt. Die Sprecher von Bund Naturschutz, der Bürgerinitiative gegen Atomanlagen und der Energiegenossenschaft Landkreis Cham hatten zum alljährlichen Pressegespräch geladen.

Aber: In dem Spruch steckt Wahrheit. Wenn die Menschen mehr darüber nachdenken würden, woher der Strom kommt, dann ließe sich viel Energie sparen – für den eigenen Geldbeutel und für den Erhalt der Welt.

So viel frisst der Standby-Strom

Nur ein Beispiel: Wenn jeder Durchschnittshaushalt alle Standby-Stromfresser vom Fernseher bis zum Garagentor (!) einfach eliminieren würde, dann stünden 240 Kilowattstunden im Jahr weniger auf der Stromrechnung. Bei 28 Cent pro KW/h wären dadurch allein 67,20 Euro gespart. Bei ganz bewusstem Umgang mit Strom lasse sich der jährliche Haushaltsverbrauch von durchschnittlich 3500 KW/H sogar auf 1000 KW/h senken, sagt der BN-Kreisvorsitzende Robert Kurzmann. Erstes Ziel also: „Informieren, wo der Strom überhaupt herkommt und wo er überall verbraucht wird!“ Und was noch jeder tun kann: „Umsteigen auf Öko-Strom!“

Und da geht‘s nicht nur um die Energiepolitik im Landkreis Cham. Es geht um die Welt. Kurzmann sagt es an einem anderen Beispiel: „Von 60 Millionen Flüchtlingen auf der Welt sind 20 Millionen Klimaflüchtlinge.“ Jedes Jahr geht eine Fläche in der Größe von halb Tunesien auf dieser Welt verloren, weil sie zur Wüste verdorrt.

Jeder Dritte ein Klima-Flüchtling

Deshalb müssen die Menschen dort fliehen. Prognose: Langfristig wird eine Milliarde Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren, ein Siebtel also. Und schuld sind wir – die Industrienationen. Kurzmann: 4,7 Billionen Euro werden jedes Jahr in klimaschädliche Investitionen gesteckt, allein 42 Milliarden in Deutschland, sechs Milliarden für die Braunkohle, 10,5 Milliarden bekommt der Flugverkehr, zum Beispiel für billigeres Kerosin.

Dabei gäbe es auch eine andere Rechnung. Kurzmann: „Effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2030 würde 30 Milliarden kosten. Wenn wir nichts tun, dann kostet es 800 Milliarden Euro.“ Das Problem sehen alle Beteiligten in der Runde gleich: Es liegt im System. Sepp Baumann formuliert es so: „Die Großkonzerne verdienen, und die Kleinen zahlen dafür.“ Schuld ist die Politik: Weil sie klimaschädliche Energie subventioniert und erneuerbarer Energie dagegen immer höhere Hürden in den Weg legt. Georg Kroner spricht aus eigener Erfahrung. Er hat eine Elektro-Betrieb und mit dem Bau von Photovoltaik-Anlagen zu Hochzeiten einmal 13 Leute beschäftigt. Heute sind es noch drei.

Die Runde zur Öko-Energie

  • Energiepolitik

    Über die aktuelle Energiepolitik aus ökologischer Sicht informierten Bund Naturschutz, Bürgerinitiative gegen Atomanlagen und Landkreis-Energiegenossenschaft bei einem Pressetermin.

  • Teilnehmer

    Robert Kurzmann, BN-Kreisvorsitzender, Sepp Baumann und Georg Kroner von der Bürgerinitiative, Josef Riederer, Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft

Für Sonnenstrom hat es einmal 64 Cent pro KW/h gegeben. Heute sind es noch 12,3 Cent. Fazit der Runde: Am besten alle Subventionen weg, dann könnte Öko-Strom auf dem freien Markt mit Klimafressern konkurrieren. Sepp Riederer: „Auf lange Sicht ist die Sonne immer am billigsten.“

Und der Wind? Windkraftanlagen seien im Landkreis Cham so gut wie gestorben, sagt Riederer. Seine Energie-Genossenschaft jedenfalls plane keine solchen Projekte mehr. Und zwar nicht nur wegen Seehofers 10-H-Regelung:

Das Ende der Windkraft?

Windkraft sei heute „unwirtschaftlich“, auch wegen der Auflagen. Die sind vielfältig: Einen Windrad-Standort bei Falkenstein habe die Genossenschaft ja schon geplant gehabt, erzählt Riederer: „Aber dann war dort doch der Goldsteig-Wanderweg wichtiger.“

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