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Gericht

Ominöser Reifenverkäufer existiert nicht

Ein Rodinger bestellte stattdessen auf Kosten seiner Ex im Internet. Er wurde zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Bewährungsauflage in Höhe von 1000 Euro erhält die Lebenshilfe in Cham. Foto: dpa
Die Bewährungsauflage in Höhe von 1000 Euro erhält die Lebenshilfe in Cham. Foto: dpa

Cham.Im Frühjahr bekam eine 30-jährige Frau in Tirschenreuth von einer Firma aus Berlin eine Rechnung für vier Auto-Winterreifen über 230 Euro zugesandt. Die Frau wunderte sich sehr, denn sie hatte keine Reifen bestellt, sie benötigte auch keine, denn ihr Pkw war mit noch guten Winterreifen ausgestattet.

Die Frau nahm telefonischen Kontakt mit der Berliner Firma auf, und es wurde ihr mitgeteilt, dass sehr wohl am 10. November unter ihrem Namen die Reifen bestellt worden seien, am 17. November an ihre Anschrift in Roding auch geliefert wurden und der elektronische Zustellbeleg durch ihren Namenszug auch bestätigt worden sei. Nun wurde der Frau klar, dass womöglich ihr ehemaliger Lebensgefährte in Roding, von dem sie sich vor etwa einem halben Jahr getrennt hatte, die Bestellung getätigt hatte. Sie erstattete Betrugsanzeige bei der Polizei. Der Sachbearbeiter bei der Rodinger Polizei stellte fest, dass exakt die Reifen, die in der Rechnung der Berliner Firma aufgeführt waren, am Auto des Mannes aufgezogen waren. Es handelte sich um neuwertige Reifen.

Als sich der Rodinger mit dem Betrugsvorwurf konfrontiert sah, legte er seiner früheren Freundin, die auch Kontakt zu seiner Ex in Tirschenreuth hatte, einen Kaufvertrag über vier Reifen vor. Nach diesem Vertrag habe er die (gebrauchten) Reifen am 5. Oktober von einem Jochen Plank, Jahnstraße 1 in Deggendorf (Name geändert) für 160 Euro erworben. Die polizeilichen Nachforschungen ergaben jedoch, dass es weder in Deggendorf noch in Bayern einen Jochen Plank gibt und auch die angegebene Adresse in Deggendorf nicht existent ist.

Wegen Betrugs und Urkundenfälschung musste sich nun der Mann vor Gericht verantworten. Der Angeklagte bestritt die Tatvorwürfe. Über eine Kleinanzeige habe er die Reifen von dem Jochen Plank gekauft, der sie ihm persönlich nach Roding gebracht habe. Er habe keine Veranlassung gesehen, sich die Anschrift des Verkäufers zu notieren. Auch sei er zur Lieferzeit der Reifen aus Berlin an seiner Arbeitsstelle gewesen, könne den elektronischen Zustellbeleg gar nicht unterschrieben haben. Der Arbeitsstundennachweis seiner Arbeitgeber sei allerdings bei einem Wohnungsbrand vernichtet worden. Der Staatsanwalt bewertete die Einlassungen des Angeklagten als unglaubwürdige Schutzbehauptung, zumal diesem Betrug und Urkundenfälschung nicht fremd seien.

Damit spielte der Anklagevertreter auf die sechs Voreintragungen im Bundeszentralregister an. Neben Verkehrsdelikten sei er auch wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Betrugs bereits verurteilt worden. Unter diesem Aspekt beantragte der Staatsanwalt eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, ferner eine Bewährungsauflage von 1200 Euro.

Auch Richter Wolfgang Voit schenkte dem Angeklagten keinen Glauben und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Die Bewährungsauflage in Höhe von 1000 Euro erhält die Lebenshilfe in Cham. (cog)

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