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Raubmord 1945: Anruf des Verdächtigten

Ein 87-Jähriger aus Cham meldet sich zum Mord an Janek Weksberg. Er saß drei Tage in Haft, weil er sich mit ihm gestritten hatte.
Von Christoph Klöckner

Idyllisch ist heute der Steinbruch oberhalb von Cham-West anzuschauen. 1945 geschah hier der Raubmord an Janek Weksberg.
Idyllisch ist heute der Steinbruch oberhalb von Cham-West anzuschauen. 1945 geschah hier der Raubmord an Janek Weksberg. Foto: ck

Cham.Er war damals der einzige Verdächtige im Mordfall Janek Weksberg, der vor 70 Jahren in Cham passierte. Auch sechs Mord-Ermittlungen bis 1964 änderten daran wenig. Drei Tage saß er im Kellergefängnis der Chamer Stadtpolizei, wurde verhört und schließlich wieder freigelassen. Am Dienstagmorgen, nach der Berichterstattung über den noch immer ungeklärten Raubmord an dem 23-Jährigen meldete er sich telefonisch und erzählte die Geschichte.

Janek Weksberg, so wie ihn das Bayerwald-Echo 1964 im Bild veröffentlichte
Janek Weksberg, so wie ihn das Bayerwald-Echo 1964 im Bild veröffentlichte Foto: Archiv

„Ich hatte mich einen Tag vor dem Verschwinden von Janek mit ihm gestritten“, so der heute 87-jährige Chamer. Also am 20. Dezember. Damals habe der 23-jährige Weksberg versucht, dem damals 17-Jährigen das Fahrrad zu stehlen.

Damals hätten viele Juden in Cham gewohnt, erinnert sich der 87-Jährige. Auch bedingt durch die Flossenbürger Todesmärsche, deren Teilnehmer zum Teil in der Umgebung von Cham von den Amerikanern befreit wurden und dadurch in die Stadt kamen. Als dann die Leiche des jungen Mannes im Steinbruch unter einen Granithaufen entdeckt wird, weil die Stiefel rausschauen, hätten gleich alle in Cham auf ihn gewiesen, so der 87-Jährige.

Zur Person: Janek Weksberg

  • Todesmärsche überlebt

    Janek Weksberg (23) war als Überlebender der Todesmärsche aus Flossenbürg Anfang des Jahres 1945 nach Cham gekommen. Befreit hatten ihn die Amerikaner. Statt weiterzuziehen, blieb er in der Stadt und wohnte bei seinem Verschwinden an der Further Straße.

  • Konzentrationslager

    Er war im schlesischen Sasnowitz in Polen geboren worden und wohnte dort wohl auch, bevor er wegen seines jüdischen Glaubens von den Deutschen vor Ort gefangen genommen wurde und ins Konzentrationslager musste.

  • Existenz

    Nach Kriegsende holte er seine Familie aus Polen nach Cham und baute sich hier eine Existenz auf. Er war Mitglied der Israelischen Kultusgemeinde vor Ort.

  • UNRRA

    Versorgt wurde er mit allem möglichen fürs tägliche Leben als „Displaced Person“ (DP) von der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen, kurz UNRRA. Hauptaufgabe der UNRRA war in der Nachkriegszeit die Repatriierung der Displaced Persons.

  • Raubmord

    Der Raubmord an ihm blieb ungesühnt. Er war aber nicht der einzige unaufgeklärte Mord der Chamer Nachkriegswirren, bei dem ein Menschenleben offensichtlich wenig wert war.

  • Weiterer Mord

    Kein Täter wurde auch bei einem Sexualmord an einer ungarischen Ärztin ermittelt, deren unbekleidete Leiche 1945 im Pfahlgehölz bei Ried gefunden wurde. (ck)

Eben weil er sich mit dem Opfer des Raubmords kurz vorher gestritten habe. Daraufhin sei er von der Polizei zur Leiche geführt worden – auch, um Weksberg etwa anhand der Stiefel zu identifizieren. Und sei dann drei Tage als Verdächtiger ins Gefängnis gekommen. Da sich bei ihm jedoch keine Beweise fanden, etwa Geld oder Schmuck, sei er wieder frei gekommen, berichtet der 87-Jährige. Und der 23-Jährige habe wohl einiges an Geld dabei gehabt, denn er habe zuvor einiges bei anderen Chamer Juden eingesammelt.

Der 87-Jährige erzählte aus seinem Erleben der damaligen Zeit. Er sei zunächst beim Reichsarbeitsdienst beschäftigt gewesen, dann habe er sich freiwillig für den Einsatz an der Front gemeldet – damals 15-jährig. Während die Freunde alle als Luftwaffenhelfer eingesetzt wurden, musste er zur Artillerie. Seine Stellung sei von den Amerikanern überrollt worden. Zehn Tage sei er nach einer Flucht aus der Kriegsgefangenschaft nach Cham gelaufen, um dann im Kriegsgefangenenlager in Janahof zu landen. Das habe er bald verlassen dürfen – noch heute habe er den Entlassungsschein.

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