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Arbeitsgericht

Schlammschlacht um den Volksbank-Chef

Der Streit um den Ex-Leiter der Chamer Bank geht weiter. Das Kreditinstitut spricht die zweite Kündigung gegen ihn aus.
Von Christoph Klöckner

Sechs von neun Mitarbeitern der Chamer Volksbank hatten einen Brief an den Bankvorstand nach Straubing geschrieben und drohen mit Kündigung, sollte ihr Ex-Chef zurückkommen.
Sechs von neun Mitarbeitern der Chamer Volksbank hatten einen Brief an den Bankvorstand nach Straubing geschrieben und drohen mit Kündigung, sollte ihr Ex-Chef zurückkommen. Foto: dpa

Cham.Die erste Kündigung vom 30. November 2015 für den Volksbankchef H. in der Filiale Cham ist noch nicht wirksam, da hat er schon die zweite in der Hand. Die kam am 3. Juni 2016 als „außerordentlich“, nachdem die erste „fristlos“ tituliert war. Und auch die Zweite wird, wie die Erste, von ihm beklagt. Am Donnerstag gab es in Cham die Güteverhandlung zu dieser Kündigung.

Richter Veit Zitzmann schlug gleich zu Beginn vor, die Entscheidung über die erste Kündigung abzuwarten, um über die Zweite verhandeln zu können. Denn die Entscheidungen über die beiden Kündigungen könnten im Urteil kollidieren, erklärte Zitzmann. Dem schlossen sich beide Parteien an – nun wird abgewartet, wie das Nürnberger Arbeitsgericht als Berufsinstanz über die Kündigung entscheidet.

Ein Brief der Mitarbeiter

Berufung hatte die Volksbank eingelegt, nachdem das Arbeitsgericht Weiden entschieden hatte, dass die Kündigung unwirksam sei und der Filialleiter zumindest für die Prozessdauer zu den geltenden Bedingungen weiterbeschäftigt werden müsse. Daraufhin hatten sechs von neun Mitarbeitern der Chamer Volksbank einen Brief an den Bankvorstand nach Straubing geschrieben.

Sie drohten mit Kündigung und wünschten sich eine Versetzung, falls ihr bisheriger Filialleiter wieder zurückkomme nach Cham. So schilderte es der Rechtsanwalt der Volksbank, die vor Gericht durch Vorstand Norbert Herten vertreten wurde. Man habe mit den Beschäftigten gesprochen, die aber auch eine vorläufige, weitere Zusammenarbeit mit dem Filialleiter abgelehnt hätten.

Das sei Anlass für die zweite, außerordentliche Kündigung gewesen. Wenn durch den Kläger Kosten für einen Headhunter nötig seien, weil Mitarbeiter kündigen würden und ersetzt werden müssten, dann „werden wir eine schöne Schadensersatzklage vorbereiten“, so der Volksbank-Rechtsanwalt. Zudem beschädige der Kläger das Ansehen durch Behauptungen über eine Druckkulisse in der Bank, was ein weiterer Kündigungsgrund sei. Er habe seine Führungsverantwortung in Cham, wo er seit 2013 Chef sei, missbraucht, habe die Mitarbeiter über ein Jahr beleidigt und vor Kunden als „Deppen“ und „Idioten“ beschimpft. 18 solcher Fälle waren im ersten Verfahren genannt worden und auch, dass H. ein „Klima der Angst“ verbreitet habe. Eine weitere Zusammenarbeit sei in jedem Fall unmöglich, so der Rechtsanwalt.

Er pocht auf Weiterbeschäftigung

Der Rechtsvertreter des Filialleiters hingegen betonte, dass sein Mandant auf eine Weiterbeschäftigung poche. Er sei jetzt 57 Jahre alt und habe deshalb keinerlei Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt. Einzige Möglichkeit, die er sehe, sei eine Freistellung bis zum Altersruhestand 2024, was es aber wohl nicht geben werde. Die Existenz der Familie sei durch die Kündigungen bedroht, schilderte der Anwalt. Es gebe andere Möglichkeiten, Mitarbeiter auf Fehltritte hinzuweisen – etwa Abmahnungen.

Er sei nun weit weg nach Neufarn versetzt worden und arbeite dort seit vergangenem Montag, jedoch nicht auf einem ebenbürtigen Posten wie in Cham. „Für die Chamer Mitarbeiter ist Neufahrn das Archipel Gulag. Für die Straubinger ist das Neunburg vorm Wald“, beschrieb der Rechtsanwalt die Situation. Die zweite Kündigung fuße nicht auf neuen Gründen, sondern es seien die gleichen wie bei der ersten Kündigung. Es seien keine Zeugen gehört worden und für die zweite Kündigung auch keine benannt. Es sei etwas anderes, wenn man vor dem Richter „Auge in Auge“ berichten müsse.

Alle Mitarbeiter als Zeugen

„Da stimmt nichts, was Sie hier vorbringen!“, entgegnete der Volksbank-Anwalt. Alle Mitarbeiter seien als Zeugen angeführt und nicht nur die Personalleiterin. Beim zweiten Verfahren habe man per Eilantrag gegen die Zwangsvollstreckung reagieren müssen, deshalb sei hier nicht mehr aufgeführt worden. Per Zwangsgeld-Verfahren hatte sich H. eine Weiterbeschäftigung bei der Volksbank erzwungen, wie im Arbeitsgerichtsprozess deutlich wurde.

Zerstritten wie zuvor gingen die beiden Seiten am Ende aus dem Gerichtssaal und müssen nun die Entscheidung aus Nürnberg abwarten.

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