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Kreativität

Schweißen ist nicht immer Männersache

Geflext, gebohrt, geschweißt und gehämmert: Frauen gestalteten an der Vhs Cham rustikale Skulpturen aus Eisenschrott.
Von Rosi Rackl

Die Funken sind beim Schweißkurs an der Volkshochschule auf die Frauen übergesprungen.
Die Funken sind beim Schweißkurs an der Volkshochschule auf die Frauen übergesprungen. Foto: Rackl

Cham.Mit immer weniger Hemmungen, aber umso mehr Sicherheit – so gingen am Wochenende sechs Frauen ans Werk. „Schrottkunst“ stand auf dem Plan, „kreatives Schweißen für Frauen“, angeboten von der Vhs in Cham unter der Leitung von Maschinenbauerin Jutta Rothfischer aus Regensburg.

Mit vollem Körpereinsatz bringt Babette Isabelle Frey den gewünschten Eisenbügel in Form.
Mit vollem Körpereinsatz bringt Babette Isabelle Frey den gewünschten Eisenbügel in Form. Foto: Rackl

Bereits im Vorfeld hatten die Teilnehmerinnen Ausschau nach passendem Material gehalten und fleißig Eisenschrott ausgesucht. Rostige Ketten, alte Türschlösser, verbogene Eisenbügel, ausgediente Scharniere, in die Jahre gekommene Eisengitter, ausrangierte Werkzeuge und altes Blech in allen Variationen.

Was aus Eisenschrott werden kann

„Mit dem Auffinden des passenden Materials, etwa einem alten Schlüssel oder einem ausrangierten Werkzeug, beginnt der Prozess des künstlerischen Schaffens“, sagt Jutta Rothfischer. Stück für Stück wird auf seine Einsatzfähigkeit hin geprüft.

Kursleiterin Jutta Rothfischer (rechts) stand ihren „Schülerinnen“ beratend zur Seite.
Kursleiterin Jutta Rothfischer (rechts) stand ihren „Schülerinnen“ beratend zur Seite. Foto: Rackl

„Man setzt sich bereits vorab mit der Thematik und dem künstlerischen Aspekt auseinander.“ Es gelte zu erkennen, was sich für welches Objekt eignen könnte und „das erfordert viel Fantasie und Kreativität“. Zu Beginn des Kurses hatten die Teilnehmerinnen also bereits die Materialien zur Hand, aus denen ihre Kunstwerke entstehen könnten. Kursleiterin Jutta Rothfischer, neben Maschinenbauerin auch Kunsttherapeutin, stand ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite und gab auch mal ein paar Tipps, wie das sperrige Material am besten zum Einsatz gebracht werden könnte.

Da sich die Mehrheit der Frauen zum ersten Mal an das Schutzgasschweißen traute, hatte sie die Kursleiterin vorab mit Gerätschaften und Material vertraut gemacht. Aber dann gab es kein Halten mehr: über zwei Tage hinweg wurde geschweißt, gebohrt, geflext und gebogen, was das Zeug hielt. Und das Material, das sie bearbeiteten, das hatte es in sich.

Fantasie und Kraft ließen aus eine alten Sichel eine filigrane Tänzerin werden.
Fantasie und Kraft ließen aus eine alten Sichel eine filigrane Tänzerin werden. Foto: Rackl

Hart und kalt, mit Ecken und Kanten, wo die eben nicht sein sollten – so bot es den Frauen Widerstand. Vergebens. Mit dem nötigen Respekt, aber ohne Angst vor großen und lauten Maschinen machten sich die Handwerkerinnen an die Arbeit. Sie bearbeiteten das Eisen nicht nur mit Freude und Fantasie, sondern auch mit Geschick und zuweilen vollem Körpereinsatz, etwa wenn ein sperriges Eisenteil mit dem Steinschlögl in Form gebracht werden musste.

Müde, aber ein Stück gewachsen

Darf ich vorstellen: Rostinante.“ Babette Isabelle Frey ist stolz auf ihre Skulptur.
Darf ich vorstellen: Rostinante.“ Babette Isabelle Frey ist stolz auf ihre Skulptur. Foto: Rackl

Die Erkenntnis dabei: In der Theorie schaut so manches anders aus, als in der Realität. Wenn etwa aus der geplanten Ameise einfach keine Ameise werden will. Dann gilt es zu improvisieren und sich flexibel auf eine neue Situation einzulassen.

Was die Handwerkerinnen nach zwei Tagen hingebungsvoller Arbeit dann vorstellen konnten, waren wahre Kunstobjekte: ein filigraner Engel, eine rustikale Skulptur, ein geschwungener Elch, ein gewundener Kerzenbaum, eine verspielte Tänzerin und dekorative Gartenzäune. Und die Kursteilnehmerinnen waren zufrieden mit ihren Leistungen, müde, aber stolz auf ihre Projekte.

Mit dem nötigen Respekt, aber ohne Angst vor großen und lauten Maschinen machten sich die Handwerkerinnen an die Arbeit.
Mit dem nötigen Respekt, aber ohne Angst vor großen und lauten Maschinen machten sich die Handwerkerinnen an die Arbeit. Foto: Rackl

„Gefühlt bin ich diese beiden Tage ein Stück gewachsen“, so Kursteilnehmerin Simone Lautenschlager. „Ich bin stolz auf das, was ich gemacht habe.“ Und von wegen „Schweißen ist Männersache“. Simone Lautenschlager bringt es auf den Punkt: „Ich will keine filigranen Spitzendeckchen sticken, ich mag es kraftvoll, auch wenn ich dabei ein wenig dreckig werde.“

Weitere Kurse zum Thema „Schrottkunst – kreatives Schweißen für Frauen“ werden von der Volkshochschule in Cham am 23. und 24. April 2016 sowie am 7. und 8. Mai 2016 angeboten. Kontakt: (09971) 85010 oder E-Mail:

info@vhs-cham.de

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