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Forstwirtschaft

So wächst der Wald auch in steiler Höh’

Die Waldbesitzer aus dem Landkreis Cham waren auf Exkursion in Vorarlberg – und konnten dort einiges lernen.
Von Ute Schödel-Geiger

Bäume in Steillage: Waldbesitzer aus dem Landkreis Cham informierten sich bei Kollegen in Vorarlberg.
Bäume in Steillage: Waldbesitzer aus dem Landkreis Cham informierten sich bei Kollegen in Vorarlberg. Foto: Waldbesitzervereinigung

Cham.Vorarlberg, das westlichste der österreichischen Bundesländer, ist geprägt von Wald und Holz. Plenterwirtschaft wird dort oft schon seit Generationen betrieben. Auch im Bausektor spielt Holz eine herausragende Rolle. Genügend Gründe für die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Waldbesitzervereinigungen (WBV) im Landkreis Cham, sich die Gegend um Hittisau bei einer Dreitagesexkursion näher anzuschauen.

Florian Weigl, der Geschäftsführer der ARGE, hatte die Fahrt in Zusammenarbeit mit Andreas Amann von der Landesbehörde Vorarlberg, Abteilung Forsten organisiert. Die 32 Teilnehmer setzten sich aus dem ARGE-Vorsitzenden Hans Kastl, Waldbesitzern, WBV-Vorsitzenden und Geschäftsführern der WBV Bad Kötzting, Cham-Roding, Hohenbogen-Winkel, Lam und Waldmünchen zusammen. Mit dabei waren auch Forstdirektor Ully Schweizer mit seinem Stellvertreter Forstoberrat Dr. Arthur Bauer und weiteren Försterkollegen.

Das Problem der Steillagen

Zu Beginn wurde die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Jagdberg mit Sitz in Schnifis besucht, die erste ihrer Art in Vorarlberg. Sie umfasst fünf Gemeinden und sechs Agrargemeinschaften, die vergleichbar mit unseren Rechtlerwäldern sind. Die FBG erstreckt sich über 1235 Hektar Waldfläche, die durch Erbteilung und andere Faktoren sehr kleinteilig geworden sind, so dass im Durchschnitt 1,3 Hektar auf einen Waldbesitzer fallen.

Problematisch sind außerdem die extremen Steillagen, bei denen nur mit Seilkran Holz entnommen werden kann – ein Aufwand, der für einen einzelnen Waldbesitzer nicht zu schultern ist. Auf einer Höhe von etwa 1200 Meter mit Niederschlägen von circa 1800 Millimeter pro Jahr und instabilem Untergrund ist es andererseits dringend erforderlich, den Wald vital zu erhalten, um Bodenerosion oder gar ein Abrutschen größerer Hangteile zu vermeiden; ein Ziel, das nur mit einer schonenden Holzbewirtschaftung zu erreichen ist.

Also viel zu tun für Walter Amann, der vor 14 Jahren von der FBG als Geschäftsführer eingestellt wurde. Nachdem jahrzehntelang keine Nutzung erfolgt war, fand der Forstmann einen altersgleichen Bestand ohne Verjüngung vor. Also wurde erst einmal Holz eingeschlagen, vornehmlich Tanne, die mit 50 Prozent und mehr im Altbestand vertreten war. Durch diese Maßnahme kommt Licht auf den Boden, und es können neue Bäumchen wachsen. Neben der Verjüngung werden außerdem schöne Bäume freigestellt und gefördert.

Der Holzeinschlag darf nur kleinflächig erfolgen, also genau auf der Seiltrasse, um eine Altersstufung zu erreichen. Nach dem Eingriff könne man ruhig die Sukzession walten lassen. Zuerst kämen zwar Birken und Weiden, aber darunter wachsen Tannen und Fichten auf. Außerdem ist eine Tannenverjüngung „unter Schirm“ viel leichter zu erzielen.

Neue Regeln für die Jagd

Nach einigen Jahren war der Erfolg deutlich sichtbar: War der Waldboden vorher braun, sprießt jetzt Naturverjüngung, und alles ist grün. Nur in der Mittelschicht wird man nicht fündig. Ein zu hoher Wildbestand und waldbauliche Fehler hatten zu einem Totalausfall bei den 20- bis 40 jährigen Tannen geführt.

Um das bei den gekeimten Tannen zu vermeiden, musste auch die Bejagung von Reh-, vereinzelt auch Gams- und Rotwild verändert werden. Da im Steilgelände die Jagd nicht einfach ist, wurden Schuss-Schneisen neben Hochsitzen und sogenannte „Begehungssteige“ angelegt, die im Zickzack den Hang entlangführen und sowohl von den Forstarbeitern für waldpflegerische Maßnahmen als auch von den Jägern für die Pirsch genutzt werden können.

Kontrollen für die Jäger

Außerdem ist die FBG Jagdberg eine Schonzeitaufhebungszone, also darf das Wild ganzjährig gejagt werden. Um zu gewährleisten, dass tatsächlich etwas geschossen wird, ist die Grünvorlage (bei uns: Körperlicher Nachweis) im Jagdgesetz Vorarlberg verankert. Das heißt, dass die Jäger jedes Stück erlegtes Wild bei einem dafür bestimmten Waldbesitzer vorzeigen müssen. Zudem besteht ein Fütterungsverbot; Kirrung ist zwar erlaubt, aber verpönt und wird deshalb in der Praxis nicht angewandt. Um zu sehen, welche Baumarten aufwachsen würden, ist je 50 Hektar Wald zudem ein Kontrollzaun vorgeschrieben.

Diese neuen Maßnahmen führten anfänglich teilweise zu Konfrontationen mit den Jägern, wie Walter Amann erzählte. Nach einigen Waldbegängen, bei denen der Waldumbau deutlich zu sehen war, verstehen mittlerweile aber immer mehr Jäger und auch Waldbesitzer, dass eine Waldbewirtschaftung mit Naturverjüngung nur über einen höheren Rehwildabschuss funktionieren kann.

Das Ergebnis der Arbeit von Walter Amann und seinen Mitarbeitern kann sich sehen lassen: In nur 14 Jahren hat sich ein altersgleicher, ungenutzter und überalterter Bestand durch waldbauliche und jagdliche Maßnahmen in einen gestuften, verjüngten Wald verwandelt. Obwohl die Eigentümer für den Förster selbst bezahlen müssen, ist der Ertrag für die einzelnen Waldbesitzer gestiegen. Am zweiten Tag führte Peter Feuersinger, der Leiter der Forstabteilung Bregenz, den Teilnehmern einen Plenterwald am Rotenberg in Hittisau vor. Dort im Vorderen Bregenzer Wald hat die Plenterwirtschaft Tradition. Die Größe der Waldstücke ist extrem klein und reicht von fünf Quadratmeter bis zu einem Hektar. Da stellte sich den Bayerwaldlern schon die Frage nach einer Flurbereinigung. Das sei nicht möglich, erläuterte Feuersinger, da der Wald seit Generationen weitervererbt werde und kein Alemanne freiwillig sein angestammtes Waldstück hergebe. Aufgrund der Kleinteiligkeit lag auch hier die Holznutzung lange brach. Seit etwa 20 Jahren erfahre der Wald jedoch eine steigende Wertschätzung, und so wurde mit der Erschließung durch Wegebau begonnen.

Wertschöpfung aus der Region

Vermarktet wird das Holz – vergleichbar mit den Verhältnissen im Bayerischen Wald – über den Waldbesitzerverband an verschiedene Sägewerke. Sehr starke Tannen finden bei einem örtlichen Säger für Starkholz ihren Abnehmer. Der verkauft sein Bauholz weiter an örtliche Handwerksbetriebe, so dass die Wertschöpfung aus der Region in der Region bleibt. Die Häuser werden traditionell mit viel Holz und mit Schindeln gebaut; zudem haben einige Gemeinden bei allen neuen Gebäuden, sogar bei Werkshallen, Holzverkleidung zur Vorschrift erhoben.

Auch bei der Käseherstellung erfolgt die Wertschöpfung aus der Region. Heimische Milch wird an Ort und Stelle zu Käse und anderen Milchprodukten verarbeitet. Qualität kostet ihren Preis – dafür erhalten die Almbauern zwischen 45 und 50 Cent pro Liter Milch. Ein Preis, von dem unsere Milcherzeuger nur träumen können.

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