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Leidenschaft

Tanzen im Wohnzimmer von Cham

Bereits zum 28. Mal sind in dieser Woche mehr als 300 Square- und Round-Dancer aus vielen Ländern der Welt zu Gast in Cham.
Von Claudia Peinelt

  • „Your turn“, hieß es diese Woche immer wieder im Langhaussaal, Kolpinghaus und der Gerhardinger Realschule. Foto: cci
  • Geschenke gab es für die Gäste. Foto: cci

Cham.„Your turn“ hallt es am Mittwochmorgen durch den Saal des Hotels am Regenbogen. Es ist mucksmäuschenstill, als der Cuer beginnt zur Hintergrundmusik die Tanzschrittfolge auf Englisch anzusagen. „Der Cuer sagt beim Round Dance die Tanzschritte, die er von dem Blatt mit der vorgegebenen Choreografie abliest, kurz vor der Ausführung in die Musik hinein an“, erklärt Gert-Jan Rotscheid. Er und seine Frau Susie führen diese Aufgabe im Saal des Hotel am Regenbogen aus. Eine weitere Gruppe befindet sich zur gleichen Zeit im Turnsaal der Gerhardinger Realschule und die letzte Gruppe im Langhaussaal.

Man muss nur ganz kurz bei der Tanzgruppe sein, um feststellen zu können, dass dies eine große Tanzfamilie ist. Aus vielen Ländern kommen die Tanzbegeisterten. Schweden, Norweger, Dänen, Schweizer und Kanadier sind nur einige, die sich Jahr für Jahr die Woche nach Ostern freinehmen, um nach Cham zu kommen. Zwei davon sind Silke und Thomas. Sie kommen aus Ostfildern in der Nähe von Stuttgart.

Silke und Thomas haben sich in die Kreisstadt Cham verliebt.
Silke und Thomas haben sich in die Kreisstadt Cham verliebt. Foto: cci

Silke erzählt mit so einer Begeisterung von ihrer Vorliebe zum Square und Round Dance, dass man fast selber etwas Lust darauf bekommt. Bereits ihre Eltern waren und sind immer noch begeisterte Tänzer. Sie selber hat im Jahr 1978 mit Square Dance begonnen. Ihr Ehemann einige Jahre später. Jedoch kennen und schließlich lieben gelernt haben sich die beiden 1990 beim Round Dance.

Die ganze Familie tanzt mit

„Es ist einfach ein so schönes Gefühl, jedes Jahr nach Ostern wieder so viele bekannte Gesichter zu treffen“, erzählt Silke. Thomas sagt, dass dieses Treffen wie ein „Nachhausekommen“ ist. Cham gehört einfach dazu. Hier haben sie zusammen mit ihrer Familie viele Freundschaften geschlossen. Besuche in Holland sind daher auch keine Sonderheit mehr. Auch die beiden Töchter tanzen bereits begeistert mit. Leider hat sich eine Tochter an beiden Beinen eine Verletzung zugezogen und so sitzt sie für die Tage im Rollstuhl.

„Your turn“, hieß es diese Woche immer wieder im Langhaussaal, Kolpinghaus und der Gerhardinger Realschule.
„Your turn“, hieß es diese Woche immer wieder im Langhaussaal, Kolpinghaus und der Gerhardinger Realschule. Foto: cci

Square und Round Dance sind typische Gesellschaftstänze aus Amerika. Square Dance wird in Gruppen zu je vier Paaren getanzt, die zu Beginn auf den vier Seiten eines Quadrats (Englisch Square) stehen. Die Figurenfolgen werden beim Square Dance durch Ansagen eines Callers in gesprochener oder gesungener Form angegeben.

Diese Calls sind weltweit normiert – so kann ein Tänzer aus Deutschland jederzeit ohne Schwierigkeiten zusammen mit Tänzern aus anderen Ländern tanzen, erklärt Rotscheid. Dass man sich gerade beim Round Dance sehr auf seinen Tanzpartner einlassen muss, und es sehr viel Spaß macht, kann man beobachten. Egal ob ein älteres Ehepaar oder auch junge Paare, sie schweben nur so im Kreise entlang des Saales. „Es ist auch üblich, dass man die Tanzpartner durchtauscht. So kommt man mit vielen Tänzern ins Gespräch“, erklärt Silke.

Tänzer aus aller Welt

  • 28 Mal

    Gert-Jan und Susie Rotscheid kommen mit ihren Tänzern bereits zum 28. Mal nach Cham.

  • Länder

    Aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Tschechien, Schweiz, Österreich, England, Kanada, Frankreich und Deutschland kommen die Tänzer.

  • Ostern

    Mehr als 300 Tänzer besuchen in der Zeit um Ostern für eine Woche die Kreisstadt.

  • USA

    Square Dance ist ein Volkstanz, der in den USA entstanden ist.

  • Deutschland

    Nach Deutschland kam er durch die amerikanische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg

  • Gesellschaftstanz

    Round Dance ist eine ursprünglich amerikanische Form des Gesellschaftstanzes. (cci)

Emilian schmeckt der Kampl.
Emilian schmeckt der Kampl. Foto: cci

Am Rande sitzt der kleine Emilian. Seine Mama und sein Papa sind auch begeisterte Tänzer. Und so wie es aussieht, gefällt dem kleinen Mann dieses Tanzen ebenfalls schon. Mit leuchtenden Augen beobachtet er, wie sein Papa seine Mama liebevoll im Kreise führt und dabei ein Lächeln von ihr bekommt. Bürgermeisterin Karin Bucher bedankte sich im Namen der Stadt Cham bei den Tänzern, dass sie jedes Jahr wieder in der Kreisstadt eine Woche verweilen. „Sie tanzen hier gerade im Wohnzimmer von Cham und ich finde es einfach herrlich. Sie tanzen mit so einer Disziplin, dass es mich einfach begeistert“, so Bucher.

Der Zufall führte sie nach Cham

Zusammen mit Markus Zänglein und Mitarbeitern überreichte sie allen Tänzern einen Chamer Kampl. „Den können sie auch noch in fünf Jahren essen“, meinte sie lachend. Der Fremdenverkehrsverein hatte sich auch um eine Ausweichmöglichkeit gekümmert, da die Chamer Stadthalle nicht mehr zur Verfügung steht. „So ungefähr 2017 werden Sie diese wieder benutzen können“, meinte die Bürgermeisterin.

Wie zu erfahren war, war es vor 28 Jahren reiner Zufall, dass die Tänzer Cham als ihren Übungsort auswählten. Ein Tänzer wohnte damals in Erfurt und hat auf die Stadthalle und den Randsbergerhof aufmerksam gemacht. „Und so haben wir diese wunderschöne Stadt kennen und lieben gelernt“, so Rotscheid.

Bis Freitag werden die mehr als 300 Männer und Frauen in drei verschiedenen Gruppen ihrer Leidenschaft, dem Tanzen, nachgehen.

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