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Wirtschaft

Treueprämie für Bauern wurde teuer

Für eine Sondervergütung, die vom Finanzamt nicht akzeptiert wurde, musste Goldsteig aus Cham Millionensummen nachzahlen.
Von Christoph Klöckner

Goldsteig-Geschäftsführer Andreas Kraus erläuterte den Geschäftsbericht für 2015 bei der Vertreterversammlung am Freitag.
Goldsteig-Geschäftsführer Andreas Kraus erläuterte den Geschäftsbericht für 2015 bei der Vertreterversammlung am Freitag. Foto: ck

Cham.Als wären die Zeiten für Milchbauern und ihre Chamer Käsereien nicht schon schwierig genug: Mit einer Millionennachforderung stand jetzt auch noch das Finanzamt vor der Türe der Goldsteig. „Das hat uns wehgetan!“ – so kommentierte Diplomingenieur Alexander Stern, der neue Prokurist bei dem Unternehmen, bei der Vertreterversammlung am Freitag die Rechnung.

Zum Verhängnis wurde dem Unternehmen die Treueprämie, die es die vergangenen Jahren an die Milchlieferanten gezahlt hat. Insgesamt bekam die Goldsteig eine Rechnung vom Finanzamt über fünf Millionen Euro nach der jüngsten Betriebsprüfung präsentiert – davon seien zwei Millionen Euro wegen der Treueprämie aufgelaufen, erläuterte Geschäftsführer Andreas Kraus auf Nachfrage des Bayerwald-Echos.

Gewinn schrumpfte

Außerdem fiel noch die Steuer für 2015 in Höhe von über einer Millionen Euro an, so dass die Käsereien von den acht Millionen Euro Gewinn vor Steuern 6,1 Millionen ans Finanzamt weitergeben mussten. Zwei Betriebsprüfungen durch das Finanzamt habe die Treueprämie, die vor etwa acht Jahren eingeführt worden sei und die Landwirte für die Treue zum Unternehmen belohnen sollte, durchlaufen, ohne steuerlich infrage gestellt worden zu sein, sagte Kraus.

Die jüngste Betriebsprüfung für die Jahre 2009 bis 2013, bei der eine neue Betriebsprüferin die Bücher kontrollierte, änderte dies. Die Prüferin akzeptierte die Ausgaben nicht als Aufwendungen des Unternehmens. Mit dem bekannten Ergebnis. Die Prämie sei eine Zahlung von 0,15 Cent je Kilogramm gelieferter Milch gewesen, die man den Bauern überweisen habe, erklärte Kraus. Bekommen habe es der Landwirt, der an Goldsteig liefere und bis zu dem Zeitpunkt nicht gekündigt hatte.

Neuerungen bei Goldsteig

  • Füttern

    Die Milchkühe, die für die Goldsteig Käsereien Milch liefern, bekommen ab 1. Juli 2016 nur mehr Futter aus Europa. Die Gesellschafterversammlung der Goldsteig hat dies verbraucherfreundlich so beschlossen. Damit wird nun vollkommen auf Futter aus Übersee verzichtet.

  • Milch

    Ebenso geht es mit der „Milch ohne Gentechnik“ weiter, auf die Goldsteig schon länger umgestellt hat. Nun folgt auch die Zukaufsmilch aus Tschechien. Auch diese Lieferanten liefern seit 1. Juni 2016 ohne Gentechnik. Ganz konventionelle Milch wird somit gar nicht mehr angeliefert. (ck)

Die insgesamt fünf Millionen Euro Nachzahlung seien nichts Ungewöhnliches nach Betriebsprüfungen von Unternehmen in der Größe von Goldsteig, sagte Andreas Kraus. Schließlich werde ein Zeitraum von mehreren Jahren überprüft. Eine Millionen Nachzahlung pro Jahr könne man schon einmal rechnen. Auch frühere Nachzahlungen seien in dieser Höhe gewesen, so Kraus.

Doch derzeit sei die Lage insgesamt schlecht, so dass eine solche Rechnung besonders schmerze – zumal man nicht mit den Steuer-Kosten für die Treueprämie gerechnet hatte, eben weil zwei vorherige Steuerprüfungen die Treueprämie als Betriebsaufwendungen anerkannt hatten.

„Keine Chance gesehen“

Sicher könne man sich gegen solche Steuerbescheide nach Betriebsprüfungen wehren, sagte der Geschäftsführer. Möglich sei etwa eine Klage bis zum Bundesfinanzhof. „Das kostet aber ein Wahnsinnsgeld“, so Kraus. Das könne eine solche Nachzahlungssumme deutlich übersteigen. „Wir haben da aber keine Chancen gesehen“, sagte Kraus.

Die Treueprämie – ein Konstrukt, das er damals entworfen habe – habe sich sicher angefühlt nach den bestandenen Betriebsprüfungen. Auch wenn man sich zunächst gefragt habe, ob dies ohne steuerliche Nachteile haltbar sei. Die Folge aus der Nachzahlung sei auch klar, so der Geschäftsführer: „Es wird keine Prämie in dieser Form mehr geben.“ Gesucht werde jedoch ein anderes Konstrukt mit anderem Namen, das steuerlich unangreifbar sei, um den Landwirten das Geld weiterhin zukommen zu lassen. Brauchen können die es zur Zeit ganz sicher.

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