MyMz
Anzeige

„Und sie sind so perfekt...“

Im neuen Teil ihrer Kolumne schreibt die an Krebs erkrankte Stefanie Deml aus Kolmberg über ihren Termin beim Schönheitschirurgen.
Von Stefanie Deml

Stefanie Deml
Stefanie Deml Foto: ck

Cham.Zwischen den ganzen Krankheitstagen meiner Kinder habe ich einen Termin zu einem Informationsgespräch bei einem Schönheitschirurgen. Nachdem ich den Termin schon zwei Mal verschoben habe, fahre ich eineinhalb Stunden zu dem Chirurgen. Ich bin total aufgeregt. Am Abend vorher hab ich mir eine Liste gemacht, was ich ihn alles fragen möchte. Welche Möglichkeiten gibt es für den Brustaufbau? Silikonimplantat oder Eigenfettgewebe? Wie lange dauert die Operation? Nebenwirkungen? Und wer bezahlt das alles? Und wann findet die Operation statt?

Als ich dann endlich angekommen bin, sitze ich im Wartezimmer. Immer wieder kommen Damen, bei denen man auf den ersten Blick gleich erkennt, welcher Eingriff bei ihnen gemacht wurde. Sie sehen mich an – und ich fühle mich schrecklich. Sie sind so perfekt und bei mir fehlt etwas Wichtiges.

Nach einer Stunde Warten bin ich endlich im Behandlungszimmer. Oberkörper frei, der Chirurg stellt mich vor den Spiegel. In diesem Augenblick erschrecke ich mich wieder selber. Er erklärt mir, dass man bei mir die Brust durch Eigenfett und Eigenhautgewebe wieder aufbauen kann. Das heißt: Es würde vom Schulterblatt Haut rausgeschnitten, in meine Brust reinverpflanzt und dann Eigenfett unter der Haut in die Brust geschoben. Der Krankenhausaufenthalt würde sieben Tage dauern für die linke Brustseite. Es sei eine sehr schmerzhafte Prozedur. Nach zwei Monaten komme dann die rechte Seite dran. Es solle ja wieder gleich aussehen.

Nachdem ich am ganzen Oberkörper und Rücken mit schwarzen Strichen vollgeschmiert bin, fragt er mich auch mal, was ich mir denn so vorstelle. Meine Antwort ist klar: Ich möchte, dass meine Brüste wieder gleich aussehen! Er redet und redet – ich komme irgendwie gar nicht zu Wort. Bevor er geht, stelle ich ihm noch meine Fragen – unter anderem, wer das bezahlt? Seine Antwort: Die Kasse natürlich! Dann drückt er mir eine Patientenaufklärung in die Hand und sagt mir, dass ich schon einmal einen Termin zur Operation reservieren lassen kann.

Als ich nach Hause fahre, lasse ich mir das ganze Gespräch noch mal durch den Kopf gehen. Im ersten Moment bin ich glücklich, weil ich froh bin, dass ich es machen lassen kann. Doch zwei Tage später habe ich kein gutes Gefühl mehr dabei. Irgendwie war das alles nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Das geht mir alles viel zu schnell.

Oliver meint, ich sollte mir auf jeden Fall eine zweite Meinung einholen. Ich spreche mit meinem Doktor darüber und lasse mir einen Termin bei einem anderen Schönheitschirurgen geben. Irgendwie fühle ich mich nicht wirklich wohl bei dem ersten Chirurgen. Und auf mein Gefühl habe ich mich bis jetzt immer verlassen können. Am 19. März 2015 habe ich den nächsten Termin.

Die Kolumne und der Dank

  • Gefühle und Erfahrungen

    In ihrer ganz persönlichen Kolumne schildert Stefanie Deml (37) ihr Jahr mit der Diagnose Brustkrebs. Immer wieder hat sie ihre Gefühle und Erfahrungen rund um die Krankheit aufgeschrieben.

  • Mut machen

    Mit der Veröffentlichung will sie Frauen Mut machen, die ähnliches haben und erleben müssen, ebenso für Menschen, die unter Krankheiten leiden.

  • Unterstützung

    Es komme auch auf Unterstützung an, sagt sie. Deshalb dankt die Mutter von zwei Kindern besonders ihrem Lebensgefährten und ihrer Familie für die Hilfe. Geholfen hat ihr auch Roland Saurer, der jetzige Bürgermeister Waffenbrunns, dazu der Kindergarten St. Martin und Pfarrer Reißer.

  • Dank an Evi

    Schließlich gibt es einen weiteren „Engel“, dem sie danken will: der Haushaltshilfe Evi vom Maschinenring, ohne die es nicht gehe. (ck)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht