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Verkehr

Unfälle: Stören Strahlen die Autofahrer?

Nach schweren Unfällen auf der B 20 könnte eine Lösung wie in Willmering helfen. Dort wurde die B 22 von Erdstrahlen befreit.
Von Christoph Klöckner

Bei diesem B-20-Unfall am 16. Juni leisteten die Einsatzkräfte schier Übermenschliches. Ein Mann war in einen Lkw gerast und verbrannt.
Bei diesem B-20-Unfall am 16. Juni leisteten die Einsatzkräfte schier Übermenschliches. Ein Mann war in einen Lkw gerast und verbrannt. Foto: Schiedermeier

Cham.Schwere Unfälle mit Toten und Schwerstverletzten auf der Bundesstraße 20 haben in den letzten Wochen für Aufsehen gesorgt. Vor allem die Häufung und die Orte der Unglücke waren dabei ein besonderes Thema. Die Frage kam auf, wie man an solchen gut ausgebauten und übersichtlichen Stellen überhaupt verunglücken kann. Warum haben die Menschen nicht aufgepasst?

Sind es vielleicht Kräfte von außerhalb, die hier wirken? Erdstrahlen, Magnetfelder oder Wasseradern, die hier ihr Unwesen treiben? Alles Unsinn, sagen Sie? Eine Leserin hat sich erinnert, dass es einen ähnlichen Fall wie die B 20 schon einmal im Landkreis gab. Betroffen war die bei Cham kreuzende B 22. Damals gab es eine Häufung von Unfällen zwischen der Abfahrt Cham-Kaserne und Elsing. Mehrere Tote waren zu beklagen. „Daraufhin hat die Gemeinde Willmering den Streckenabschnitt entstören lassen, mit der Folge, dass seitdem kein schwerer Unfall mehr auf dieser Strecke war“, schreibt die Leserin in ihrem Brief an die Redaktion.

Gemeinderat war skeptisch

Sieht aus wie ein Kasten für Vögel, ist aber eine Art Schutzschirm gegen Strahlungen. Damit soll die B 22 entstört werden, um Unfälle zu vermeiden, wie Willmerings Bauhof-Arbeiter Anton Rappl zeigt.
Sieht aus wie ein Kasten für Vögel, ist aber eine Art Schutzschirm gegen Strahlungen. Damit soll die B 22 entstört werden, um Unfälle zu vermeiden, wie Willmerings Bauhof-Arbeiter Anton Rappl zeigt. Foto: ck

Der ehemalige Geschäftsleiter der Gemeinde Willmering, Alois Weiß, erinnert sich an die Debatte. Damals bot Helmut Gebert, der zu der Zeit in Willmering wohnte, der Gemeinde seine Hilfe an. Er wollte die Strecke von Erd- und Funkstrahlen befreien. Vorher musste er die Strecke analysieren, um heraus zu bekommen, wo die Geräte – kleine Kästchen – anzubringen seien. Gebert habe die Methode im Gemeinderat vorgestellt, so Weiß. Er habe irgendwann das Wort ergriffen und gesagt, er sei davon überzeugt, dass man so etwas machen könne. „Der Gemeinderat war nicht begeistert“, so Weiß – vor allem wegen der Kosten für die Methode. „Man muss dran glauben“, sagt Alois Weiß heute noch. Er habe nicht gewusst, wie die Mehrheiten für das Projekt verteilt gewesen seien. Die Skepsis sei groß gewesen.

Eine Wortmeldung entschied

Schließlich habe eine einzige Wortmeldung eines Gemeinderats das Blatt zugunsten der Methode gedreht. Dieser Gemeinderat habe gesagt: „Ich bin dagegen, aber wenn morgen wieder ein tödlicher Unfall passiert, mache ich mir Vorwürfe.“ Das habe das Abstimmungsergebnis beeinflusst – Weiß meint, es sei fast einstimmig gewesen.

Die drei Entstörungskästchen wurden in Holzboxen an den Stellen, die Helmut Gebert bestimmte, angebracht. „Danach ist wirklich nichts mehr passiert“, so der ehemalige Verwaltungschef. Beim Gänsschnabel bei Rötz sei es genauso gewesen. „Dort kamen die Autos ohne Grund immer auf die linke Spur“, so Weiß. Auch dort gingen, wie bei der B 22, die schweren Unfälle zurück oder verschwanden ganz. Bei seiner Verabschiedung habe der damalige Willmeringer Bürgermeister Michael Dankerl betont, dass der Gemeinderat immer einstimmig beschlossen habe, nur einmal sei man nicht einer Meinung gewesen – und zwar bei der Entstörungsaktion der B 22.

Erdstrahlen

  • Netz von Feldern

    Erdstrahlen sind laut Vereinigung deutscher Rutengänger ein Netz von Energiefeldern. Unterschiedliche Wellenlängen verursachen Störzonen im Erdmagnetismus, der das biomagnetische Feld von Mensch, Tier und Pflanzen speist.

  • Signale

    Unser Gehirn, das Nervensystem und unsere Körperfunktionen werden mit eigenen feinen elektrischen und magnetischen Signalen und Strömen gesteuert. Durch starke elektromagnetische Belastungen von außen werden diese Signale gestört.

  • Anzeichen

    Typische Anzeichen solcher Störungen sind nach Information der Vereinigung Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Allergien und Abgeschlagenheit. Deshalb rät der Verein, zu Entstören oder störungsfreie Plätzen zu suchen.

„Wir waren sehr kritisch“, erinnert sich auch der damalige Gemeinderat und heutige Bürgermeister Hans Eichstetter. Es sei ein „bissl Humbug“ dabei, outet er sich als einer der Skeptiker des damaligen Gemeinderates – betont aber auch, dass seitdem eben nichts mehr passiert sei. Jeder habe seine eigene Meinung zu solchen Dingen. Man gebe oft viel Geld für Unwichtiges aus, da sei es darauf auch nicht angekommen. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Ergebnis positiv ist“, so Eichstetter. Von daher könne er das Verfahren auch bei der B 20 empfehlen.

„Strahlung ist nachweisbar“

Für Helmut Gebert, der heute in Rimbach eine Praxis für „Geistiges Heilen und Mediale Lebensberatung“ hat, war die positive Wirkung dabei keine Überraschung. Er ist davon überzeugt, dass die Methode im Normalfall wirkt. Die Wasseradern, die in der Erde seien, würden etwa Funkstrahlung verstärken. Es gebe generell immer bestimmte Schwerpunkte im Landkreis, wo große Störgebiete seien. An der B 22 in dem Unfallbereich habe er damals welche gefunden.

An der B 22 habe sich der Sender auf der Luitpoldhöhe über die Erdstrahlung verstärkt. Durch die Entstörungsgeräte werde die Strahlung abgelenkt oder absorbiert. „Um das zu verstehen, muss man sich ins Reich der Energien begeben“, sagt Helmut Gebert. An der B 20 sehe er vor allem zwischen Weiding und Arnschwang große Störfelder durch Wasseradern.

Gebert weiß, dass es viele Skeptiker gibt. Das sei so wie bei der Homöopathie: „Die einen sagen, das ist Hokuspokus, die anderen, denen es geholfen hat, schwören drauf!“ Für Laien sei es eine Glaubensfrage, für Profis sei es längst wissenschaftlich belegt. Über die Physik seien die Strahlungen gut nachweisbar – das werde auch nicht bestritten.

„In Österreich arbeitet man viel damit – in Deutschland ist man noch nicht so weit“, sagt er. Doch auch die Katholische Kirche habe heute Radiästhesisten, da das Allerheiligste nie auf einem Kreuzungspunkt solcher Strahlen stehen solle. Die Strahlung wirke auf Menschen – man merke solange nichts, wie man gesund sei. Vorher seien viele dafür nicht offen.

Es gäbe viel zu tun

Dass es seit der Entstörung keine schweren Unfälle mehr gab, weiß auch die Polizei in Cham. Doch das dies in dem Streckenabschnitt an den Entstörungskästchen lag, die entlang der B 20 bei Willmering angebracht wurden – da sind die Beamten eher skeptisch. „Wenn das feststeht, dass es daran liegt, dann sollen die Leute damit kommen. Wir haben viele Straßen, wo das angebracht werden müsste“, sagt Georg Bayerl von der Chamer Polizeiinspektion. Den Rückgang der Unfallhäufigkeit bei der B 22 führt die Chamer Polizei auf die Linksabbiegerspur nach Katzbach zurück, die auf dem Streckenabschnitt gebaut wurde.

Dr. Richard Bosl, am Staatlichen Bauamt in Regensburg für den Landkreis Cham zuständig kennt die Entstörungsmethode bisher nicht. Sie sei noch nirgendwo durch das Staatliche Bauamt angewandt worden, sagt er, deshalb habe man keine Erfahrungen damit.

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