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Arbeitsgericht

Volksbank droht eine Schlammschlacht

Die fristlose Kündigung des ehemaligen Chamer Geschäftsstellenleiters könnte vor Gericht zum Debakel für beide Seiten werden.
Von Johannes Schiedermeier

Wenn es nicht zu einem schnellen Urteil kommt, droht der Volksbank eine Schlammschlacht vor dem Arbeitsgericht.
Wenn es nicht zu einem schnellen Urteil kommt, droht der Volksbank eine Schlammschlacht vor dem Arbeitsgericht. Symbolfoto: dpa

Cham.Selbst Dietmar Striegan hatte als langgedienter Arbeitsrichter nur eine Umschreibung für das, was er am Donnerstag in der Verhandlung erlebte: „Das ist schon erstaunlich!“ Zum einen stellte sich heraus, dass der Vorstand der Volksbank in Straubing seinem ehemaligen Chamer Geschäftsstellenleiter H. fristlos ohne jede Vorwarnung gekündigt hatte.

Und zum Zweiten haben alle Mitarbeiter der Chamer Volksbank vor Betriebsrat und Vorstand bescheinigt, dass H. seit einem Jahr ein Klima von Angst und Schrecken verbreitet haben soll, inklusive extremer Beleidigungen seiner Mitarbeiter vor Bankangestellten und Kunden, wie es hieß. H. bestreitet alle diese Aussagen und bezeichnet sie als „beweisbare Unwahrheiten“. Sein Anwalt beschrieb, dass die Volksbank ein extremes Druckszenario aufbaue, bei dem die Mitarbeiter teils bis zum psychischen Niedergang unter Erfolgsdruck gesetzt würden.

Kein Zweifel: Wenn es nicht zu einem schnellen Urteil kommt, droht der Volksbank eine Schlammschlacht vor dem Arbeitsgericht. Beide Seiten stehen mit dem Rücken zur Wand. Der Vorstand verteidigt seine fristlose Kündigung, und der gekündigte Geschäftsstellenleiter hat mit 57 Jahren kaum Perspektiven, seinen Ruhestand problemlos zu erreichen.

Richter: „Durchaus erstaunlich“

Arbeitsrichter Dietmar Striegan stellte am Donnerstag zunächst fest, dass es durchaus erstaunlich sei, dass ein Mitarbeiter einer Bank nach einem 39 Jahre andauernden Arbeitsverhältnis ohne Vorfälle plötzlich wortlos fristlos freigesetzt werde. Der Vertreter des Bankvorstandes stellte klar, dass es sich um keinen einzelnen Vorfall handele, bei dem einem Vorgesetzten einmal der Kragen geplatzt sei. Mitarbeiterbeschwerden habe es auch deswegen nicht gegeben, weil ein Klima der Angst geherrscht habe. Erst über drei Ecken habe der Vorstand von den Missständen erfahren, und dann habe es ein Gespräch mit Betriebsrat und Vorstand gegeben, bei dem alle ausgepackt hätten. „Wir mussten die Kündigung aussprechen, um die Mitarbeiter zu schützen.“ Striegan fragte nach, ob es nicht auch eine Versetzung getan hätte. „Das war nach diesen Vorfällen keine Option mehr“, so der Vorstand.

Deswegen wollte die Volksbank ihrem ehemaligen Chef nur in einem Teilvergleich ein qualifiziertes Zwischenzeugnis ausstellen, auch wenn der Vorstand drohte: „Den Kündigungsgrund will er dort sicher nicht lesen.“ Eine Weiterbeschäftigung wurde auch nach einer fünfminütigen Verhandlungspause kategorisch ausgeschlossen. Der Vorstand bot eine gesetzliche Kündigung nach sieben Monaten an – mit einer Zahlung von 50 000 Euro. Das wiederum lehnte der Kläger ab. Sein Anwalt: „Im Alter von 57 Jahren ist das keine Option.“ Er forderte eine Versetzung. Damit war die Gegenseite nicht einverstanden: „Das ist doch kein Kompromiss. Das können wir auch noch machen, wenn wir verlieren.“

In den Einlassungen des Volksbank-Vorstandes sind insgesamt 18 Vorfälle aufgelistet bis hin zu Äußerungen, die Richter Striegan – falls sie gefallen sind – als „Beleidigungen von schwerwiegendem Charakter“ bezeichnet. Die Mitarbeiter hätten auch beschrieben, dass sie unter Druck gesetzt worden seien. „Nicht alle diese Vorgänge sind kündigungsrelevant, aber einige dieser Vorwürfe sind es bereits im Einzelfall“, sagte Striegan.

„Ich bin nur von Idioten umgeben“

So werde dem Chef von seinen Mitarbeitern vorgeworfen, er habe geäußert: „Ich bin nur von Idioten umgeben!“ – „Können Sie nicht, oder sind Sie so dumm?“ – „Sie sind nicht hier, um zu denken, Sie haben zu tun, was ich sage!“ – „Sie sind unfähig und zu nichts zu gebrauchen!“. In einigen Fällen sollen die Aussagen vor Kunden und Mitarbeitern getroffen worden sein, was den beleidigenden Charakter besonders schwerwiegend machen würde.

Außerdem soll H. einem Mitarbeiter gedroht haben: „Ich werde Ihnen das Leben in der Chamer Filiale sehr schwer machen.“ Oder: „Ich haue Sie in die Pfanne und ich helfe Ihnen nicht!“ Diese Aussagen, so Richter und Vorstand der Bank, seien schriftlich von Mitarbeitern der Bank gedeckt. Auch von denen, mit denen H. nach eigener Aussage „einen sehr vertrauensvollen Umgang“ pflegte.

Kündigung als Mitarbeiter-Schutz

Aus diesem Grund, so der Vorstand, sei eine fristlose Kündigung die einzig mögliche Reaktion zum Schutz der Mitarbeiter gewesen. Die hätten alle von einem Klima aus „Angst und Schrecken“ gesprochen. Der Vorstand: „Die Leute sind zur Arbeit gegangen und haben sich gesagt: Hoffentlich komme ich heute nicht dran.“ Der Vorstand zitierte auch aus einer Kündigung, in der eine Mitarbeiterin angegeben habe, sie kehre gerne wieder zurück, wenn H. nicht mehr Filialleiter sei. So sei das Klima zu schlecht.

„Das ist alles beweisbar unwahr!“

Geschäftsstellenleiter H. wehrte sich: Es habe eine allgemeine Drucksituation geherrscht, und nicht alle Mitarbeiter seien leistungsfähig oder -willig gewesen. Sein Anwalt legte nach. Er berichtete von einem Ampelsystem, mit dem Mitarbeiter von Straubing aus auf Grün und Rot gestellt würden. Wer nicht genug verkaufe, sagte der Anwalt, werde auf Rot geschaltet und erhalte einen „Schwarzen Sherriff“ aus Straubing, der ihm das Verkaufen schon beibringe.

H. selbst bestreitet alle Vorwürfe entschieden. „Das mit den persönlichen Beleidigungen ist schlicht erfunden. Sowas habe ich nicht gemacht.“ Sein Anwalt verwies auf das unbeanstandete, langjährige Arbeitsverhältnis, worauf der Anwalt der Gegenseite andeutete, dass dies auch auf das Klima der Angst zurückzuführen sein könne. Eine fristlose Kündigung ohne jedes vorherige Gespräch, so H., sei unverhältnismäßig: „Ich habe nie jemanden beleidigt. Schon gar nicht im Beisein von Kunden.“ Die Gegenseite blieb unbeeindruckt: „Dann müssten alle Mitarbeiteraussagen ja falsch sein.“

Urteil am 10. Mai in Weiden

H. blieb dabei: „Das ist alles unverständlich. Nie hat mich jemand auf irgendetwas angeredet. Da sind beweisbare Unwahrheiten behauptet worden, die ich so nicht stehen lasse.“

Auch die Einlassung von Richter Striegan, dass nicht abzusehen sei, wer in diesem Streit Recht bekomme und dass eventuell ein aufwändiges Verfahren mit zahlreichen Zeugen anstehe, führte zu keiner Annäherung. Deswegen wird mangels Termin in Cham am 12. Mai um 10 Uhr vor dem Arbeitsgericht in Weiden ein Urteil verkündet. Eventuell eine Fortführung des Prozesses in allen Einzelheiten...

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