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Was die alte Schulbank hergibt

Florian Gruber hat geholfen, als der Speicher im Chamer Studienheim ausgeräumt wurde. So ist er zum Sammler-Hobby gekommen.
Von Steffi Bauer

Florian Gruber mit seinen Sammler-Schätzen aus der Geschichte des Chamer Schul-Lebens Foto: Simon Tschannerl
Florian Gruber mit seinen Sammler-Schätzen aus der Geschichte des Chamer Schul-Lebens Foto: Simon Tschannerl

Cham.Jeder weiß: Beim Aufräumen eines Dachbodens wurde schon so manches Schätzchen zutage gefördert. Und wenn es sich dabei um den Dachboden eines so altehrwürdigen Gebäudes wie des Chamer Maristenheims handelt, kann man sich leicht ausmalen, welche Raritäten dort schlummern mögen.

Als das Haus 2013 an die Katholische Schulstiftung verkauft worden ist, musste auf- und ausgeräumt werden – unter anderem der Speicher. Florian Gruber, der 2005 seinen Abschluss an der Maristenrealschule gemacht hat, packt mit an. Und ist dabei so fasziniert von all den – wie er sagt – „materialgewordenen Erinnerungen“, die er dort findet.

Und so kommt ihm der Gedanke auf, eine Sammlung zu erstellen. Den Mittelpunkt dieser Sammlung sollen die Gegenstände bilden, die ihm die Maristen, denen er durch seine Schulzeit sehr verbunden ist, zur Verfügung stellen.

Dinge, die „in Würde altern“

So unterschiedlich die Stücke sind, eines haben sie gemeinsam: Charakter. Besonders gut sieht man das an einem alten Eimerchen aus Kupfer, immer wieder gelötet und zusammengeflickt – „in Würde gealtert“, wie Gruber sagt. Oder an zwei Prägestempeln, einer mit einem großen „M“ für die Maristen, einer mit „SJ“ für den Heiligen Josef. Das „SJ“ fand Gruber auf einem Schlitten, der auf diese Weise als Eigentum der Maristen gekennzeichnet worden war.

Einige der Gegenstände zeigte der 28-Jährige vor kurzem auf der von ihm organisierten Ausstellung „Studienheim St. Josef, ein ostbayerisches Denkmal in Bildern und Objekten“ im Rathaus. Zum Beispiel einen Jahresbericht des Fraunhofer-Gymnasiums aus dem Jahr 1929 – die beiden Häuser gehörten damals zusammen. Oder Goldanleihen – zwei, fünf und zwanzig Goldmark – aus dem Jahr 1923, durch die das Maristenheim 1924 gebaut werden konnte.

Wie wichtig der Stadt dieses Vorhaben gewesen ist, zeigt die Aufschrift: Am 18. Dezember 1923 vom Stadtrat verabschiedet, haftete die Stadt Cham gemeinsam mit den Maristen für die Rückzahlung der Anleihe. „Die Goldmark waren nicht lange im Umlauf – umso mehr freue ich mich natürlich, dass ich sie hier zeigen kann“, sagt Gruber.

Ein Herzstück seiner Sammlung zu benennen, ist natürlich schwierig. Vielleicht ist es eine der zahlreichen historischen – und daneben auch aktuellen – Postkarten, die er großteils über das Internet erworben hat. Ein ganz besonderes Stück ist sicherlich die Karte, die das Maristenheim in seiner Anfangszeit zeigt, noch ganz allein auf weiter Flur, und nicht wie heute eingebettet in das Stadtbild.

Die Besonderheit: Man kann das Datum sehr genau eingrenzen, wann das Foto für die Karte gemacht worden ist. „Das Haus wurde im Dezember 1924 bezogen“, so Gruber. „Und die Statue des Heiligen Sankt Josef an der Außenseite des Gebäudes ist 1925 eingefügt worden.“ Da sie auf der Postkarte noch fehlt, muss das Foto also in genau diesem kurzen Zeitraum entstanden sein.

Jetzt stöbert er in allen Schulen

Jahrzehnte später, am 4. Mai 1955, schickt ein Schüler namens Michael – der Nachname ist leider nicht vermerkt – eine Postkarte nach Hause, in der er von einer anstrengenden Wanderung berichtet und liebe Grüße an die Omi ausrichten lässt.

Zum Hobby wurde das Sammeln historischer Alltagsgegenstände also durch das Studienheim. Die Anfänge findet man aber schon in viel früheren Zeiten. „Auch meine eigenen Schulsachen habe ich damals aufgehoben“, erinnert sich Gruber. „Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für alte Dinge.“ Geradezu perfekt passt dazu sein Studium der Kunstgeschichte und Kunsterziehung an der Universität Regensburg.

Aber nicht nur Gegenstände aus dem Maristenheim, sondern historische Dinge aus sämtlichen Chamer Schulen haben das Interesse des 28-Jährigen geweckt. „Heute kommen auch Leute auf mich zu und überlassen mir ihre alten Schulsachen für meine Sammlung. Das sind alles persönliche Gegenstände, deshalb freue ich mich sehr darüber“, sagt Gruber.

Das Internet als Fundgrube

Daneben ist er viel auf Flohmärkten unterwegs und findet so manche Rarität auch über das Internet. Auf diese Weise hat ein handgemachter Weihwasserkessel, auf dem der Gründer der Maristen, Marzellin Champagnat, abgebildet ist, den Weg aus Miami zu ihm gefunden. Wie er einst nach Amerika gelangt ist, bleibt wohl ein Rätsel.

Und auch Musikalisches hat Gruber in seiner Sammlung: eine Schallplatte, vermutlich aus den 60er Jahren, mit dem Titel „Singendes, klingendes Cham“ – darauf zu finden unter anderem das Bläserquartett der Maristenschule, der Knabenchor „Chamer Kampln“ und der Sing- und Musizierkreis der Realschule für Mädchen.

Weitere Teile unserer Sammler-Serie finden Sie hier.

Zu Person und Sammelstücken

  • Der Sammler:

    Florian Gruber (28) aus Katzbach bei Geigant hat 2005 seinen Abschluss an der Maristenrealschule gemacht. Er studiert Kunstgeschichte und Kunsterziehung an der Universität Regensburg.

  • Die Sammlung:

    Für seine Sammlung und für künftige Ausstellungen ist Gruber immer auf der Suche nach historischen Lehrmitteln und dergleichen aus den Chamer Schulen – Schultaschen und -bücher, Bilder, Fotos und natürlich die dazugehörigen Geschichten.

  • Gesucht:

    Zum Dekorieren der Ausstellungen sucht er derzeit im Speziellen nach historischer Bekleidung, alten Herrenanzügen, am besten die eines Lehrers, und Kleidung von Schülern, vielleicht aus den 50er oder 60er Jahren, gerne aber noch älter.

  • Kontakt:

    Unter Tel.: 01 74/8 51 27 17 kann man ihn kontaktieren.

Erinnerungen aus der Schulzeit
Florian Gruber hat geholfen, als der Speicher im Chamer Studienheim ausgeräumt wurde. So ist er zum Sammler-Hobby gekommen. Video: Simon Tschannerl

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