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Cham
Mittwoch, 22. August 2018 30° 2

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Wenn sich das Kind besser auskennt

Viele Eltern finden, ihre Kinder hätten mehr Ahnung von neuen Medien als sie selbst. Doch das muss nicht so bleiben.
Von Birgit Zwicknagel

Für Kinder ist der Umgang mit Smartphones und Tablets selbstverständlich, viele Eltern haben vor den Geräten skrupel. Foto: Silvia Marks
Für Kinder ist der Umgang mit Smartphones und Tablets selbstverständlich, viele Eltern haben vor den Geräten skrupel. Foto: Silvia Marks

Cham.„Mein Kind kennt sich viel besser aus als ich“ ist einer der Sätze, der mir in den Elternabenden immer wieder entschuldigend entgegengehalten wird, wenn ich den Hinweis gebe: Reden Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren ganz offen.

Doch ist das wirklich so? Sind die Kinder den Erwachsenen wirklich überlegen? Übers Handy „wischen“ hat doch nichts mit technischem Verständnis oder sich auskennen zu tun! Bereits in der Grundschule können die Kinder alle über ihr eigenes Smartphone wischen, doch ihnen fehlt etwas ganz Wichtiges, was Sie als Eltern alle besitzen: Lebenserfahrung!

Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam.
Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Den meisten Erwachsenen ist ohne großes technisches Verständnis völlig klar: ich darf keinem Fremden meine persönlichen Daten geben, ich darf niemandem Nacktfotos senden, ich darf niemandem sagen, wann ich in den Urlaub fahre, ich darf mich nicht mit Fremden aus dem Netz allein an einsamen Orten treffen, ich darf bei Angeboten übers Handy nicht sofort überall meine Häkchen setzen oder ein Abo abschließen, ich darf keine rechtsradikalen Inhalte im Netz verbreiten usw. Das sind Dinge, die Sie Ihren Kindern ohne Probleme vermitteln können, ohne technisch begabt zu sein.

Und gerade wenn es um WhatsApp-Einstellungen geht, sehe ich deutlich, dass die Kinder genauso wie die Eltern/Erwachsenen eher unbedarft sind und alles für jedermann sichtbar haben. Hier ist keiner dem anderen über- oder unterlegen.

Die Computermäuse

  • Serie

    Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Internet aufmerksam. Sie schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Birgit Zwicknagel (46) hat selbst drei Kinder, die mittlerweile 19, 22 und 23 Jahre alt sind.

  • Technik

    Die Stamsriederin beschreibt sich selbst als stark technikaffin. „Ich hab mich schon immer für Technik begeistert und kenne alle gängigen Betriebssysteme seit dem C64.“ Wenn es um Handys oder die Anwendung von mp3 oder DAB ginge, sei sie immer bei den ersten Nutzern in der Region gewesen. Sie sei auch diejenige, die in der Familie die neuen Geräte in Betrieb nehme.

  • Erfahrung

    Ihre erste Anregung für die Gefahren mit neuen Medien erhielt Birgit Zwicknagel durch ihre Tochter, die damals die 5. Klasse besuchte. Ein Lehrer hatte damals Internetadressen für alle Schülerinnen angelegt. Das Muster lautete „Vorname.Name-Klasse @ gmx.de“.

  • Gefahr

    Dem Lehrer sei damals nicht bewusst gewesen, dass er so Geschlecht und Alter seiner Schülerinnen schon mit der Adresse preisgab und die Kinder selbstverständlich ihre neue Adresse nutzten, um sich auf allen möglichen Plattformen anzumelden.

  • Verein

    Aus dieser Anregung entstand später der Verein „Computermäuse“ und die Homepage „www.clever-ins-netz.de “.Hier werden Beratung und Vorträge angeboten, aber auch schon viele erste Vorschläge und Tipps gegeben.

  • Motivation

    „Meine Motivation ist es, Menschen mit meinem Wissen helfen zu können, die selber wenig oder keine Ahnung haben!“ (ik)

Auch der sog. Screenshot (Bildschirmfoto, wichtig zur Beweissicherung) ist vielen Grundschulkindern völlig fremd – ebenso wie vielen Eltern. Auch hier sehe ich keine Überlegenheit der Kinder gegenüber den Eltern.

Hören Sie auf, Angst davor zu haben, mit Ihren Kindern das Gespräch zu diesen Themen zu suchen! Wenn Sie wirklich ein Thema anschneiden wollen, dass Ihnen völlig fremd ist, dann machen Sie sich doch selbst vorher im Internet schlau. Eignen Sie sich einen Grundstock an Wissen an und wenn Ihr Kind dann wirklich mehr weiß als Sie, dann umso besser: dann lassen Sie sich doch von Ihrem Kind diese Dinge erklären!

Und wenn weder Sie noch Ihr Kind Bescheid wissen, dann können Sie auch bei den Computermäusen anfragen und um Hilfestellung bitten. Nur wer nicht fragt, nur wer schweigt und hofft, „es wird schon alles gut gehen“, hat am Ende verloren! Haben Sie keine Angst zu fragen!

Und viel wichtiger als das 100-prozentige technische Verständnis dieser Medien ist das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Kind, das Schaffen einer Vertrauensbasis und das Vermitteln von „ich bin für Dich da, wenn Du Hilfe brauchst“.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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