MyMz
Anzeige

Medizin

„Wir entbinden weiter jede Frau“

Sana-Geschäftsführung und Politik reagieren auf die Kündigung der Belegärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe in Cham.
Von Johannes Schiedermeier

Gaben Antworten auf Fragen zur gegenwärtigen Diskussion, wie die Geburtshilfe der Zukunft in Cham aussehen soll (von rechts): Ärztlicher Direktor Dr. Egbert Frick, Hebammen-Sprecherin Lena Terlouw, Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel, Landrat Franz Löffler und Bürgermeisterin Karin Bucher.
Gaben Antworten auf Fragen zur gegenwärtigen Diskussion, wie die Geburtshilfe der Zukunft in Cham aussehen soll (von rechts): Ärztlicher Direktor Dr. Egbert Frick, Hebammen-Sprecherin Lena Terlouw, Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel, Landrat Franz Löffler und Bürgermeisterin Karin Bucher. Foto: si

Cham.„Jede Frau, die in die Chamer Klinik kommt, wird dort aufgenommen und kann zu den derzeitig hohen Standards entbinden.“ Das versicherten Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel, Landrat Franz Löffler und Ärztlicher Direktor Dr. Egbert Frick bei einer Pressekonferenz über die Debatte zur Geburtshilfe-Abteilung. Bis in drei Monaten werde es eine tragfähige Lösung geben, erklärte Bredel. Am liebsten mit den bisherigen drei Belegern Dr. Annette Salterberg, Dr. Jürgen Bornhaupt und Dr. Jakub Nosek.

Auch wenn es nun in der Öffentlichkeit so klinge, so Bredel, es habe nie eine Auseinandersetzung gegeben, und auch nach der Kündigung gebe es aktuell konstruktive Gespräche. Das bestätigt auch Dr. Jürgen Bornhaupt (siehe Interview). Die Geburtshilfe, so der Sana-Geschäftsführer, gehöre zu den Kernaufgaben der Gesundheitsversorgung: „Niemand stellt das infrage!“ Besonders bedauere er, dass die Diskussion die Frauen verunsichert habe. „Es wird weitergehen und jede Frau kann weiter zu uns kommen und wird auf dem gewohnt hohen Niveau behandelt werden.“

Hebamme: „Habt keine Angst!“

Hier hakte auch die Sprecherin der Chamer Beleg-Hebammen ein. Lena Terlouw berichtete, dass es insbesondere unter den Frauen Verunsicherung gebe, die jetzt zur Entbindung anstehen. „Wir sagen den Frauen: „Habt keine Angst, wir sind für Euch da. Und es wird Ärzte geben, die mit uns zusammenarbeiten.“ Sie betonte auch, dass man Dr. Jakub Nosek sehr gerne behalten würde. „Er hat einen unglaublich guten Ruf, ist beliebt, jung und hat Zukunft.“

Wie diese Zusammenarbeit aussehen könnte, schilderte Sana-Geschäftsführer Bredel. Derzeit durchleuchte man alle Möglichkeiten. „Das reicht von der Beibehaltung der bewährten Belegabteilung über eine Hauptabteilung bis hin zu einer Mischform von beidem. Letzteres sei möglich. Das beweise die Orthopädie in Roding, wo eine Chefarzt-geführte Abteilung reibungslos mit Belegärzten zusammenarbeite und deren Patienten von denselben Krankenschwestern betreut würden.

Landrat: „Die Geburtshilfe bleibt“

Landrat Franz Löffler betonte, dass der Kooperationsvertrag mit Sana eine Geburtshilfe und Gynäkologie umfasse. Und damit stehe fest: „Die Geburtshilfe bleibt. Diese Tatsache ist zu keiner Zeit infrage gestellt worden!“ Löffler stellte auch klar, dass aus seiner Sicht der geltende Belegarztvertrag auch die Patienten aller anderen Gynäkologen umfasst.

Löffler räumte ein, dass sich grundlegende Voraussetzungen verändert hätten. So sei die Vergütung von Geburten durch die Kassen bundesweit offensichtlich ungenügend. Daran müsse die Politik etwas ändern. Hebamme Lena Terlouw vermutete aber, dass es Ziel der Politik sei, große Versorgungszentren zu schaffen. Das könne auf Dauer dann aber für die Frauen zu weiten Fahrstrecken führen.

Bürgermeisterin Karin Bucher forderte die Bürger auf, bei der Debatte sachlich zu bleiben. Es sei falsch, wenn behauptet werde, das wäre nicht passiert, wenn der Landkreis nicht an Sana verkauft hätte. Es sei vielmehr richtig, das sich an den Kliniken des Landkreises unter Sana sehr viel zum Guten bewegt habe. „Bei aller berechtigten Kritik in Einzelfällen sollte man all das Gute nicht übersehen“, forderte sie.

Bucher: Problem überregional

Die Bürgermeisterin sah das Problem überregional angesiedelt. „Es krankt einfach am System, wenn eine Geburt schlechter bezahlt wird als eine orthopädische Operation. Das ist eine echte Schieflage.“ Die Bürgermeisterin war zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Kooperation mit den derzeitigen Belegärzten aufrecht zu erhalten. Es dürfe einfach nicht sein, dass Frauen zur Entbindung weite Strecken zurücklegen müssten. „So eine Geburt ist eben nicht planbar“, so Bucher.

Auf die Frage, ob Sana die drei Fachärzte im Stich gelassen habe, obwohl diese sich seit längerem über Überlastung beklagt hätten, sagte Geschäftsführer Bredel: „Ich kenne die Problematik. Es hat über Monate immer wieder Gespräche gegeben. Aber für die Zahl der Ärzte und deren Bezahlung ist im Belegsystem halt die Praxis der Beleger zuständig. Da kann nicht einfach jemand zuzahlen. Das ist auch rechtlich sehr schwierig.“

Dr. Frick: „Das geht so nicht mehr!“

Ärztlicher Direktor Dr. Egbert Frick attestierte den Kollegen der Geburtshilfe eine unhaltbare Situation: „Das geht einfach irgendwann nicht mehr. Drei Leute, 24 Stunden, an 365 Tagen im Dienst. Da muss was passieren.“ Allerdings sagte auch Frick, dass man in so ein System nicht einfach reinbuttern könne: „Wenn da jetzt Sana oder der Landkreis subventionieren, dann ist das nicht nur rechtlich bedenklich, sondern würde die Kassen niemals veranlassen, am System etwas zu ändern.“

Wie auch immer, so Sana-Geschäftsführer Bredel im Schlusswort, eine Lösung in drei Monaten sei realistisch und er sehe sie in Zusammenarbeit mit den drei Belegärzten.

In unserem Interview spricht Belegarzt Dr. Jürgen Bornhaupt über die Situation:

Herr Dr. Bornhaupt, Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel behauptet, sie hätten nie gestritten und würden weiter verhandeln?

Das stimmt. Ich war immer ganz ruhig, wenn ich mit ihm geredet habe. Und wir verhandeln jetzt auch wieder.

Herr Bredel sagt, es werde innerhalb von drei Monaten eine Lösung geben. Was meinen Sie?

Wenn er das sagt.

Im Ernst: Sehen Sie eine realistische Möglichkeit in den drei Vorschlägen: Fortführung der Belegabteilung, Hauptabteilung, oder einer Mischform aus allem?

Ich sehe eine Möglichkeit in allem, was mich entlastet und finanziell gleich stellt. Ich habe jetzt lange genug geredet und gebettelt. Jetzt lehne ich mich zurück und sage: Nun sind andere am Zug, mir Vorschläge zu machen. Und ich suche mir dann aus, was für mich passt. Bredel hat keinen Ersatz für uns. Egal was er sagt.

Das klingt jetzt ein wenig trotzig.

Das hat Herr Bredel auch gemeint. Das ist aber nicht so. Wir haben einfach nur genug von 24 Stunden Dienst an 365 Tagen im Jahr für drei Personen. Und wir haben lange genug geredet.

Auch mit dem Landrat?

Auch mit dem. Aber was nützt es mir, wenn ich nackt und frierend im Graben liege und einer zu mir sagt: Du tust mir aber leid! – St. Martin hat auch einen halben Mantel gekriegt.

Vom Landrat kriegen Sie den aber nicht, der Landkreis ist aus diesen Dingen ja raus. Glauben Sie, dass Herr Bredel ihn hergibt?

Der Punkt, an dem es hakt, ist, dass wir zu lange alleine gelassen worden sind. Und jetzt sind wir wirklich auch mit den Kräften am Ende. Ich habe für mich einen verlässlichen Geschäftspartner gefunden, wenn von Sana nichts Angemessenes kommt.

Landrat Franz Löffler sagt, dass der Belegarztvertrag es nicht hergibt, dass Patienten nicht mehr behandelt werden, die nicht aus Ihrer Praxis kommen. Warum behaupten Sie das Gegenteil?

Selbst wenn der Vertrag so lauten würde, was ich nicht so sehe, dann ist das ganz einfach medizinisch und ärztlich unvertretbar, wenn zwei Ärzte diese Anzahl von Geburten durchziehen müssten. Das geht vor jedem Gericht durch.

Es pressiert also mit der Einigung?

Ja.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht