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Tiere

Der Storchennachwuchs wird flügge

Fliegen üben heißt für die jungen Störche erst einmal springen – vier, fünf Meter vom Horst weg oder auch schon mal mehr.
Hermann Schropp

Die Spannung steigt: Die zwei Storchenjungen in Chamerau könnten in der nächsten Woche jeden Moment ihren Horst für den ersten Flug verlassen. Die Storchenbeobachter sind sich sicher: „Die Jungen sind fit, bald geht es los!“  Foto: Hermann Schropp
Die Spannung steigt: Die zwei Storchenjungen in Chamerau könnten in der nächsten Woche jeden Moment ihren Horst für den ersten Flug verlassen. Die Storchenbeobachter sind sich sicher: „Die Jungen sind fit, bald geht es los!“ Foto: Hermann Schropp

Chamerau.Die jungen Störche in Chamerau sind sehr gut entwickelt. Auch wenn sie nicht die ältesten im Landkreis Cham sind, warten die Bürger Chameraus täglich auf ihren ersten Flug. Storchenpapa „Solo“ war am 22. Februar eingetroffen, ihm folgte am 7. März die Störchin. Die zwei Jungstörche dürften laut der Einschätzung der Storchenbeobachter in der 17. Kalenderwoche geschlüpft sein, was am besonderen Verhalten der Altstörche sichtbar wurde.

Die Chamerauer Störche hatten nicht in Deutschland überwintert, waren aber eines der ersten Storchenpaare im Landkreis Cham, das mit der Brut begann. Die Brutdauer beträgt in der Regel zwischen 32 bis 37 Tage.

Ein Merkmal für den Entwicklungsstand der Jungen ist die Größe – der Nachwuchs in Chamerau ist beinahe schon so groß wie seine Eltern. Außerdem stehen die jungen Störche häufig auf dem Horst und ruhen nur noch wenig aus. Auch ihre Körperhaltung ähnelt der der Altstörche. Die jungen Störche stehen jetzt mit flatternden Flügeln auf dem Horst, um ihre Muskulatur zu trainieren. Während der ersten Flugversuche bleiben die jungen Störche in der Nähe des Horsts. Abends kommen sie oft zurück zum Horst, um dort zu schlafen. Es kann sogar sein, dass die Jungen am Horst noch von den Eltern gefüttert werden, weil sie das Jagen natürlich genauso trainieren müssen wie das Fliegen.

Ein Fehltritt wäre fatal

Vor dem ersten Flug stehen unzählige Hochsprünge auf dem Programm. Die Sprünge der Jungen gehen teils vier, fünf oder gar noch mehr Meter in Richtung Himmel. Dies ist gar nicht mal so ungefährlich. Besonders das Landen muss sehr gut geübt werden. Ein Fehltritt und ein Absturz vom Schornstein hätte fatale Folgen.

Die warmen Temperaturen sind in der Regel für die Jungstörche kein Problem – es sei denn, es wird zu trocken, so dass das Nahrungsangebot zu klein wird. Wenn die Eltern gut und fit sind, würgen sie bei großer Hitze sogar zuvor gesammeltes Wasser über den Jungen aus, um sie zu duschen und dadurch abzukühlen. Das wurde auch schon in Chamerau beobachtet. Auch beim Füttern bringen die Eltern gegebenenfalls nur Wasser, um die Jungen mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen.

Bei großer Hitze werden die Ständer, also die Beine der Störche bekalkt. Das heißt, der Storch überzieht seine Beine mit einer sichtbaren weißen Schicht Kot. Dadurch wird eine drohende Überhitzung des Körpers verhindert. Andernfalls würden sich die roten Ständer in der Sonne aufheizen, so dass das zurückströmende Blut den Körper nicht ausreichend kühlen könnte. Durch das weiße, wasserhaltige Geschmeiß wird der Lauf weiß eingefärbt und reflektiert gleichfalls wie beim Gefieder das Sonnenlicht, so dass sich die Beine nicht erwärmen können. Das im Geschmeiß enthaltene Wasser bewirkt durch die Verdunstungswärme eine zusätzliche Abkühlung des rückströmenden Blutes und damit des Vogelkörpers.

Das Storchenbein besitzt am befiederten Teil des Unterschenkels das sogenannte Wundergeflecht oder Wundernetz, das das Gegenstromprinzip der Wärmetechnik ausnutzt. Es ist ein in sich verflochtenes, arterielles und venöses Netzwerk, das in warmen wie in kalten Zeiten ein hervorragender Wärmeregulator ist.

Wunderwerk Storchenbein

Bislang ist nicht geklärt, weshalb der Storch so gern auf einem Bein steht. Man kann sich aber sehr gut vorstellen, dass das Heben eines Beines im Winter wie im Sommer der Feinregulierung der Körpertemperatur dient und auch dem Eitransport in der Legeperiode dient. Das arterielle Blut strömt aus dem Körper durch den Lauf der Störche bis in die Zehen, wobei es sich dort großflächig bis unterhalb der Körpertemperatur abkühlt. Auf dem Rückweg zum Körper – im venösen Schenkel der Beingefäße – wird das Blut weiterhin abgekühlt. Das so vorgekühlte Blut durchströmt nun im Unterschenkel das venöse Wundergeflecht, das vom arteriellen Teil des Wundergeflechtes umgeben wird. Hier erfolgt ein Wärmeaustausch zwischen warmem arteriellem und kühlem venösem Anteil des Wundergeflechtes, so dass das vorgekühlte Blut bereits wieder etwas vorgewärmt wird. Dieses vorgewärmte Blut hat eine Temperatur, die unter der Körpertemperatur liegt und somit für die Kühlung des Storches sorgt.

Die zwei jungen Störche in Chamerau dürften unterschiedlich alt sein und werden demnach auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten starten. Die Flugübungen und die ersten Flüge machen die Jungen für sich. Natürlich motiviert es die anderen, wenn der älteste und kräftigste Jungstorch startet. Aber sie verlassen nicht alle gleichzeitig den Horst.

Störche legen in der Brutzeit jeden oder jeden zweiten Tag ein Ei und beginnen sofort mit der Brut. So kommt es bei den Jungen zu Altersunterschieden von etwa zwei bis drei Tagen. Ein weiteres Storchenküken kann dann schon mal fast eine Woche jünger sein als sein ältestes Geschwisterkind. Das letzte Junge ist meist das schwächste – das sogenannte Nesthäkchen. (che)

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