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Freude

Sagenhaftes Fest zum 1000. Geburtstag

Bereits am Freitag sind die Chamerauer in ihrer 1000-Jahrfeier gestaret. Am Samstag ging es mit einer Sagenwanderung weiter.
Von Hermann Schropp

Ritter Ferdinand versucht sein Glück bei der schönen Müllerstochter
Ritter Ferdinand versucht sein Glück bei der schönen Müllerstochter

Chamerau.Die spannendste Art, etwas über die Menschen einer Region zu erfahren, ist, in ihre Sagenwelt einzutauchen. In Chamerau sind es besondere Stein- und Felsformationen, aber auch die dunkle Geschichte des „Schloßbugl“, die die Phantasie der Menschen beflügelten.

Dass diese „sagenhafte Stimmung“ auch heute lebendig werden kann, wurde bei der Führung, zu der die Theatergruppe des Trachtenverein am Samstag anlässlich des 1000-jährigen Ortsjubiläums eingeladen hatte, deutlich. Sagenerzählerin Appolonia (Ingrid Fersch), Nachtwächter Albrecht Wächter (Michael Kurnoth), Ritter (Christopher Hannes), Fanfarenbläser (Ben Kurnoth), Müllerstochter Verena (Verena Bauer), zwei Riesen (Manfred Purschke und Martin Purschke), der Bsuffa Ma (Alexander Tannert) und die Weiße Frau (Helga Purschke) machten die Sagen erlebbar.

Herren des Bayerischen Waldes

Die furchterregende Weiße Frau, die die besoffenen Männer mit der Wurzelbürste bearbeitete. Foto: Hermann Schropp
Die furchterregende Weiße Frau, die die besoffenen Männer mit der Wurzelbürste bearbeitete. Foto: Hermann Schropp

Mit dem Nachtwächter Albrecht Wächter, der Sagenerzählerin Appolonia Engelwurz und dem Ritter von Chamerau begann die Sagenwanderung. Zu den angesehensten Geschlechtern im Oberen Bayerischen Wald zählten vom 11. bis zum 15. Jahrhundert die Ritter von Chamerau. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts war die Blütezeit der Chamerauer Ritter. Sie hatten hohe Regierungsämter inne und wurden mit dem Ehrentitel „Landsherren des Bayerischen Waldes“ bezeichnet. Mit den Worten: Gott zum Gruße, ihr Leute aus dem Volke, ich bin der Ritter von Chamerau und stelle das Wappen der Ritter von Chamerau vor“, sagte der Ritter. Das Schwert, Attribut des Apostels Paulus, verweist auf die schon im 13. Jahrhundert bestehende Peter-und-Paul-Kirche in Chamerau hin. „Wir, die edlen Chamerauer, san vor allem in Turnierbüchern aufgezeichnet.“

Nachtwächter Albrecht Wächter und Sagenerzählerin Appolonia Engelwurz vor der KircheFoto: Hermann Schropp
Nachtwächter Albrecht Wächter und Sagenerzählerin Appolonia Engelwurz vor der KircheFoto: Hermann Schropp

Im gemeindlichen Park am Wasserrad vor vielen groben Granitsteinen hörten die Teilnehmer, dass es in Chamerau vor langer Zeit einmal zwei Riesen gegeben hat: „Von de zwoa Riesen hat a jeder a Burg baut, der eine am Haidstein, der andere am Lamberg.“

Das nicht alles zur damaligen Zeit schön war, das erzählte Appolonia den Kindern auf dem „Schloßbugl“: „De Ritter ham alles verspielt und versoffen, ein richtiges Lumpenpack sans gwesen.“

Ferdinand, Schrecken der Bayern

Der Chamerauer Ritter auf dem Schloßbugl. Foto: Hermann Schropp
Der Chamerauer Ritter auf dem Schloßbugl. Foto: Hermann Schropp

Weiter ging es am schönen Regenufer nach Roßbach, wo früher eine Mühle gestanden ist. Zur selben Zeit hauste auf der Burg in Chamerau dort der Ritter Ferdinand, er war weithin der Schrecken im Bayerland. Doch liebte der Ritter nicht bloß das Gold, er war auch den lieblichen Dirnen hold. Ritter Ferdinand hatte sein Auge auf die schöne Tochter des Müllers geworfen, fand aber bei der sittsamen Maid kein Gehör. Eines Tages überraschte er die Jungfrau auf der Wiese ihres Vaters, wo sie das Leinen bleichte.

Stracks fasste er den Entschluss, mit Gewalt zu nehmen, was er anders nicht bekam. Das Mädchen suchte sich durch die Flucht zu retten. Mit dem Rufe: „Gott, Gnade meiner Seele!“ stürzte sich die Jungfrau in die Fluten. Mit einem Male aber war alles still, und als die Jungfrau sich umwendete, sah sie weder Ritter noch Knappen, wohl aber eine lange Reihe ungestalter Felsblöcke im Fluss. Die Hand Gottes hatte strafend den Wüstling und seine Helfershelfer erreicht.

Als Belohnung erhielt jedes Kind vom Ritter eine Plakette mit dem Wappen Chameraus. Foto: Schropp
Als Belohnung erhielt jedes Kind vom Ritter eine Plakette mit dem Wappen Chameraus. Foto: Schropp

Auf dem Rückmarsch zur Pfarrkirche erschall plötzlich ein Kanonenschuss. Appolonia zu den Kindern: „Des is bestimmt a Warnschuss, Kinder, mir müssen wieder ins Dorf zurück. Unser Kanone hams 1955 vo Pocking kauft. Sie wird als Salutkanone hergenommen.“ Nachtwächter Albrecht Wächter erklärte den Sagenteilnehmern die Pfarrkirche: „Schauts mal, da is a no a großer Schatz in da Kirche, des Prager Jesukind, des is a Kopie aus dem Karmelitenkloster in Prag.“

Auf dem Weg zur Stoaklammer kommt der Gruppe ein betrunkener Mann entgegen. Er erzählt von der Weißen Frau: „Packt mi de und zuigt mi ins Wasser und birschtelt mir mein Kopf mit oana Wurzelbirschtn, bis i wieder halbwegs nüchtern war.“ Plötzlich steigt Rauch am Ufer auf und es ertönt eine fürchterliche Stimme: „a Schisserl voll Bluad, a Schisserl voll Darm. Huaaaahhhhh, wo sans de bsuffan Mana, dene hilf i, sollns no kemma, dene zoag is, was passiert wenn ma sei ganz Geld vosauft.“

Festteilnehmer stießen auf gutes Gelingen an. Foto: Schropp
Festteilnehmer stießen auf gutes Gelingen an. Foto: Schropp

Nach dem Ende der Sagenwanderung, die von allen mit Begeisterung aufgenommen wurde, lud der Nachtwächter ins Bierzelt, „weil wir ja unsere 1000 Jahre Chamerau no feiern möchten.“

Hier feierte die Gemeinde einen gelungenen Festauftakt. Nach dem Standkonzert formierte sich der Festzug, bei dem Bürgermeister Stefan Baumgartner als Festleiter und alle Vereinsabordnungen unter den Klängen der Kapellen durch die Straßen zum Festplatz hinter dem Bürgerhaus marschierten. (wir berichteten). Als Meister seines Faches erwies sich Festleiter Baumgartner, der mit nur drei Schlägen das erste Fass Aldersbacher Festbier anzapfte. Nach dem Bieranstich waren das Festzelt und der Biergarten dann auch gleich gut gefüllt.

Die große Anzahl der Vereine stellte Bürgermeister Stefan Baumgartner in seinem Grußwort fest. Namentlich wurden die Vereine begrüßt, die am Festeinzug teilgenommen haben. Mit den Worten „Las mas kracha“ übergab Festleiter Baumgartner das Wort an Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler zum Grußwort, der ebenso wie sein Vorredner die Bedeutung einer 1000-Jahr-Feier für Chamerau hervorhob.

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