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Politikum

Schild bleibt – Asyldebatte erst recht

Die „Tafel-Attacke“ des Gasthof-Eigentümers Krottenthaler entfacht eine Debatte über Flüchtlinge im Ortskern von Falkenstein.
Von Rupert Schlecht

Das Gasthaus Schröttinger Bräu im Falkensteiner Ortskern: Das von Gasthaus-Eigentümer am Samstag im Fenster angebrachte gut sichtbare Schild soll vorerst bleiben, sagt Wolfgang Krottenthaler.
Das Gasthaus Schröttinger Bräu im Falkensteiner Ortskern: Das von Gasthaus-Eigentümer am Samstag im Fenster angebrachte gut sichtbare Schild soll vorerst bleiben, sagt Wolfgang Krottenthaler. Foto: R. Schlecht

Falkenstein.„Das Thema Asyl plakativ auszuschlachten, finde ich nicht richtig.“ Das sagt Wolfgang Holst, der Leiter der derzeit an die 35 Flüchtlinge zählenden Asylbewerber-Einrichtung in Kastell Windsor, Gemeinde Rettenbach, unweit von Falkenstein. Wolfgang Holst bezieht damit eindeutig Stellung gegen jene umstrittene Tafel, die Wolfgang Krottenthaler aus Schrötting am Samstag im Fenster seines Gasthofes Schröttinger Bräu in der Falkensteiner Ortsmitte aufgehängt hat. Zur Erinnerung der Wortlaut auf der Tafel: „Wir wollen hier in Falkenstein keine Asylbewerber sehen! Der Bürgermeister, der Marktrat“

„Schild bleibt einstweilen drin“

Wolfgang Krottenthaler selbst äußert sich auf Echo-Nachfrage: „Das Schild bleibt einstweilen drin.“ Bezüglich der Anzeige von Falkensteins Bürgermeister Thomas Dengler gegen ihn gelte für ihn die Devise „abwarten“.

Wie berichtet, wollte Krottenthaler bei der Marktgemeinde Falkenstein eine Nutzungsänderung für das Gasthaus Schröttinger bekommen, um dort bis zu 60 Asylbewerber unterzubringen. Dagegen aber steht momentan eine Veränderungssperre der Kommune, welche die Nutzungssperre verhindert und über die nun das Verwaltungsgericht befinden muss.

Ob Asylbewerber in einer Unterkunft im „Herzen“ Falkensteins gut aufgehoben wären, darüber lässt sich trefflich streiten. Was eigentlich sagt dazu Wolfgang Holst, der in Kastell Windsor eine Unterkunft für Asylbewerber leitet? – Zunächst einmal „Jein“. Konkreter werdend, fährt er fort, dass die reine Unterkunft für intakte Integration von Flüchtlingen in fremder Umgebung kontraproduktiv wäre. Dazu ein eindeutiges „nein“. Zu „ja“ tendiere Holst, wenn die Asylbewerber entsprechend von Fachpersonal betreut würden, sich also mit Sicht auf Sprache, Umweltschutz, Umgang mit Behörden, Energiesparen, neuer Kultur im fremden Land... nicht selbst überlassen wären.

Sturm kreidet Politik Versagen an

Erinnert sei hier an die in Falkenstein vor rund drei Jahren geführte heiße Auseinandersetzung um eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen im Hotel am Schlosspark, übrigens zu Fuß nur wenige Meter vom Gasthof Schröttinger Bräu entfernt. Der Standort „Hotel am Schlosspark“ hat weiland mehrere Dutzend erzürnte Bürger auf den Plan gerufen. Die Kritiker haben das Hotel, weil im Ortszentrum, für Asylbewerber als ungeeignet angesehen. Alexander Sturm fungierte einst – auch gegenüber dem Bayerwald-Echo – als Sprecher jener Bürger (wir berichteten). Im Kontext der aktuell geführten Debatte um den Standort Schröttinger Bräu wirft Sturm der Politik in der Asylpolitik Versagen vor – sowohl den Politikern in Berlin, als auch den in Brüssel (EU).

Die Politik habe die Entwicklung des stetig wachsenden Flüchtlingsstroms unterschätzt, bleibe somit die Antworten schuldig, insbesondere in der Frage der nachhaltigen Integration. Flüchtlinge sozusagen über Monate hinweg zu isolieren, ohne dass sie sich über einen gewissen Umkreis hinausbewegen dürfen, und ohne, dass sie arbeiten dürfen, führe in die Irre.

Sturm hat auch zu Krottenthalers Tafel im Gasthof Schröttinger eine klare Meinung. „Ich verstehe nicht, eine solche Maßnahme zu ergreifen.“ Und: „Ich als Bürgermeister hätte ihn nicht angezeigt.“ Auf diesem Niveau würde er, Sturm, nicht diskutieren.

Die Rathaustür ist nicht zu

Bürgermeister Thomas Dengler hält an der Anzeige gegen Krottenthaler fest; heißt aber nicht, dass die Rathaustür für den Gasthaus-Eigentümer zu ist. „Ich“, so Dengler, „bin nach wie vor der Auffassung, im Gespräch zu bleiben“, am besten ganz persönlich unter vier Augen. Dengler sei „trotz der schwierigen Lage an einer zukunftsorientierten Lösung gelegen“.

Alexander Sturm fügt hinzu, ihm sei klar, dass Dengler und die Marktgemeinde in einem Dilemma stecken. Tatsache sei nun mal, dass der Gasthof Schröttinger Bräu für ein gedeihliches Ortsverbesserungskonzept unerlässlich sei. Das Ziel laute doch, wieder Leben in den Ort zu bringen, ein Markt, der im Speckgürtel Regensburgs und mit vor Ort guter Infrastruktur (Ärzte, Supermärkte...) den Bürgern an und für sich bereits hervorragende Lebensbedingungen biete.

Betreuungspersonal einsetzen

„Die Frage“, sagt Wolfgang Holst vom Kastell Windsor, „müsste man sich stellen, ob eine Gemeinde wie Falkenstein ein Betreuungskonzept für eine Asylbewerberunterkunft zustande brächte.“ Wenn aber Falkenstein, so realistisch sollte man auch sein, im „relativ kleinen Ortskern“ auf Tourismus/Gastronomie setze, dann täte man Asylbewerbern keinen Gefallen, sie genau dort, im Zentrum, unterzubringen. Denn – auch dies sei die ungeschminkte Wahrheit– eine Flüchtlingsunterkunft, ohne darin die Integration von Beginn unterstützendes Betreuungspersonal einzusetzen, verändere den Ortskern. Holst würde daher in dem Fall definitiv für eine Unterkunft „in der Peripherie“ plädieren.

Georg Höcherl, aktiv im Ehrenamt, voran als TSV-Vorsitzender, ist bis voriges Schuljahr an der Schule noch Konrektor gewesen. Seiner Auffassung nach gelte es in der Asyl-Thematik schon bei den Kindern anzusetzen. Beispiel aus seiner Schulpraxis: Ein rumänisches Mädchen, das weder Deutsch noch Englisch konnte, hatte es zunächst sehr schwer in Falkenstein. Nach und nach aber reifte bei den Mitschülern die Erkenntnis, etwa in der Annäherung im Sitzkreis, dass das Mädchen eigentlich sehr arm dran war: Heimat verloren, Freunde verloren. Höcherl setzt neben Verständnis und Aufklärung noch dies hinzu: „Sprache ist das A und O“. Damit starte die Integration durch.

Wolfgang Holst ist dafür, die Debatte um Asylbewerber offen und ehrlich zu führen. Aus seiner Arbeit in Kastell Windsor wisse er, dass es zwischen Menschen aus der Ukraine, aus Aserbaidschan und Afrika mitunter scheppert. „Verschiedene Kulturgruppen passen eben nicht so ohne weiteres widerspruchslos zueinander.“ Dies wäre umgekehrt wohl eben ähnlich, wenn man als Deutscher in Syrien mit fremden Menschen aus anderen Ländern und Kulturräumen zusammenlebte. Holst spricht sich dafür aus, mit Integration, etwa mit Sprachkursen, „schon viel früher“ zu beginnen, nicht erst, wenn Flüchtlinge auf Dauer in Deutschland bleiben dürfen.

Andere Unterkünfte denkbar

Auf Ablehnung stößt Krottenthalers Tafel im übrigen auch bei Georg Höcherl. Er übt Kritik am Gasthaus-Eigentümer. Zudem wären Asylbewerber im Ortskern kontraproduktiv. Und das wohlgemerkt habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Vorrang habe, den Ortskern mit Geschäften und Gastronomie zu beleben. Das markante Gebäude Schröttinger Bräu dürfe im Fortgang dieser Entwicklung nicht ausgeklammert werden. Im übrigen seien in Falkenstein für Asylbewerber auch noch andere Unterkünfte denkbar.

Wie es weitergeht in Falkenstein? – Man darf gespannt sein, Fortsetzung folgt.

Kommentar

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