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Sind die Asylbewerber nicht erwünscht?

Wolfgang Krottenthaler plant eine Unterkunft im Schröttinger-Gasthaus und attackiert die Marktgemeinde Falkenstein.
Von Rupert Schlecht

  • Wolfgang Krottenthaler, der bis vor kurzem die Brauerei Schröttinger geführt hat, führt den Echo-Reporter durch eines der 25 Zimmer, die im ersten Stock und im Dachgeschoss für Asylbewerber bereitstünden.
  • Das Gasthaus des Schröttinger Bräu im Falkensteiner Ortszentrum. Eigentümer ist Wolfgang Krottenthaler aus Schrötting, Gemeinde Michelsneukirchen. Sein Eigentum in Falkenstein ist zurzeit verwaist. Fotos: R. Schlecht
  • Das Schild, das Wolfgang Krottenthaler ins Fenster des Gasthauses Schröttinger gehängt hat.
  • Die geräumige Gaststube hat schon viele großartige Veranstaltungen erlebt – auch in Zukunft?
  • In den Zimmern sind neben Betten mitunter auch Sitzgelegenheiten.

Falkenstein.„Wir wollen hier in Falkenstein keine Asylbewerber sehen! Der Bürgermeister, der Marktrat“

Exakt in diesem Wortlaut prangt’s schwarz auf weiß auf einer Tafel, die Parterre in einem der Straße zugewandten Fenster des Gasthauses Schröttinger Bräu hängt. Weihnachtsbeleuchtung umkränzt dieses Schild. Gleichzeitig ist es gut sichtbar für Fußgänger am Gehsteig und mitunter auch die motorisierten Verkehrsteilnehmer, wenn sie die Durchgangsstraße, den „Marktplatz“, passieren.

Krottenthaler: „Das war ich“

„Das war ich.“ Wolfgang Krottenthaler aus dem sechs Kilometer entfernten Schrötting, der Eigentümer des stattlichen Anwesens im Ortskern der Marktgemeinde Falkenstein, redet im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo nicht lange um den heißen Brei herum. Der Gasthaus-Eigentümer steht zu seinem Text auf der Tafel, die er am Samstag ins Fenster gehängt hat. Dies zu tun, mit diesem Gedanken habe er schon seit gut einem Jahr gespielt.

Bürgermeister Thomas Dengler verwehrt sich vehement gegen die Inschrift auf der Tafel. Er hat prompt reagiert: „Ich habe Anzeige erstattet“, sowohl für sich als Bürgermeister als auch für den Marktgemeinderat. Die Angelegenheit liege beim Anwalt.

Krottenthaler erläutert, er habe vor, in seinem derzeit verwaisten Traditionsgasthaus im ersten Stock und Dachgeschoss 50 bis 60 Asylbewerber unterzubringen. Dafür gebe es auch einen Vertrag mit der Immobilien Bayern, die diesen mit ihm für die Regierung der Oberpfalz geschlossen habe. Die Krux aus seiner Sicht: Die Marktgemeinde Falkenstein habe seine Nutzungsänderung (ist gleich Bauplan für ein bestehendes Gebäude) vor geraumer Zeit im Marktrat mit einer Veränderungssperre ausgebremst.

„Ultima Ratio der Gemeinde“

Diese Sperre – laut Krottenthaler die „Ultima Ratio der Gemeinde“ – stößt ihm sauer auf. Über die Veränderungssperre– Aufhebung ja oder nein – habe nun das Verwaltungsgericht zu entscheiden. Wann dies ist, stehe allerdings in den Sternen. Ihm seien also „die Hände gebunden“.

„Mir ist bewusst, dass ich damit provoziere“, sagt Krottenthaler über die Tafel im Gasthausfenster. Aber, er gebe mit dem Text lediglich wieder, was Bürgermeister Thomas Dengler und der Marktgemeinderat bei einer Zusammenkunft mit ihm und seinem Sohn gesagt hätten. Zudem sei ihm darin gelegen, in der Frage, Asylbewerber in Falkenstein, die Leute zu sensibilisieren und wachzurütteln. Schließlich seien Asylbewerber eine gesamtgesellschaftliche Frage, die gelöst werden muss. Mit dem Tafeltext ziele er nicht auf die Falkensteiner Bevölkerung ab, sondern explizit auf die Kommune mit Bürgermeister Thomas Dengler und Marktgemeinderat.

Blick auf das Entwicklungskonzept

Die Marktgemeinde, sagt Thomas Dengler, habe absolut nichts gegen Asylbewerber. Doch müsse man sich der Materie genauestens annehmen. Krottenthalers Ansinnen, Flüchtlinge im Gasthaus Schröttinger unterzubringen, seien Plänen der Marktgemeinde, das Ortszentrum Falkenstein mit Gastronomie, Geschäften et cetera wiederzubeleben, nicht gerade zuträglich. Zur Wiederbelebung beschäftige sich die Gemeinde mit dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept. Auf diesem Weg habe sie mit Zustimmung des Marktgemeinderates ein Planungsbüro damit beauftragt, ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. „In das“, sagt Dengler zum Bayerwald-Echo, „sind auch die Bürger eingebunden.“ Bis Jahresende 2015 soll das Konzept stehen. Dann könne sich die Gemeinde auf Bauplanungen konzentrieren, um den Ortskern attraktiver zu gestalten.

Natürlich sei sich die Kommune bewusst, dass das Gasthaus Schröttinger definitiv „ortsprägend“ sei. Für ein erblühendes Zentrum führe daran kein Weg vorbei. Auf gut Deutsch: Es müsse (gastronomisches) Leben in die Bude. Deshalb aber wäre es nicht unbedingt förderlich, wenn im ersten Stock und Dachgeschoss ein Heim für Asylbewerber entstünde. Und, fügt Dengler ausdrücklich hinzu, diese Überlegung habe absolut nichts mit Ausländerfeindlichkeit von ihm und den Gemeinderatsmitgliedern zu tun.

Immer wieder, teilt Dengler mit, gebe es auch Anfragen von Leuten, die anderenorts in Falkenstein Unterkünfte für Asylbewerber bereitstellen könnten/möchten. Und diese höre man sich im Rathaus genauestens an.

„Ich“, sagt Dengler, „muss aber die gesamt Gemeinde sehen.“ Daher behalte er im Hinterkopf, dass zwischen der Immobilien Bayern und Krottenthaler einen Vertrag für das Gasthaus Schröttinger bestehe. Sollte das Verwaltungsgericht die Veränderungssperre eines Tages aufheben, wäre der Weg für Krottenthaler frei, in seinem Gasthaus Asylbewerber unterzubringen. Hätte die Kommune anderenorts im Gemeindegebiet einer (anderen) Asylbewerber-Unterkunft zugestimmt, dann wären im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit einem Mal verhältnismäßig viele Flüchtlinge im Ort untergebracht.

Aus Verantwortung geschlichen?

Krottenthaler sagt, er habe es begrüßt, dass er und sein Sohn mit Bürgermeister und Gemeinderatsmitgliedern über die Problematik diskutieren konnten. Nichtsdestoweniger habe man sich mit Blick auf Gasthaus/Asylbewerber stets ohne Ergebnis getrennt. Vielmehr sei die auf der Tafel verewigte Aussage auch so gefallen. Krottenthaler legt mit Blick auf die Asylbewerber-Unterbringung nach: „Die Gemeinde schleicht sich aus der Verantwortung.“

Er selber habe in der Vergangenheit nichts unversucht gelassen, der darbenden Gaststätte mit einem Pächter/Wirt neues Leben einzuhauchen. Die Realität in diesem Gewerbe sei jedoch knallhart. Eine Gaststätte, obendrein wenn sie wirtschaftlich funktionieren soll, sei in heutiger Zeit ein kompliziertes Unterfangen. Andererseits müsse das Anwesen – in seinem Fall mehrere Geschosse mit einer Gesamtfläche von bis zu 1800 Quadratmetern – auch wenn niemand drin ist, unterhalten werden. Stichwort: heizen, Investitionen... Heißt: „Wenn nichts gemacht wird, verfällt’s.“

Bürgermeister Dengler hält dagegen: „Die Gemeinde stiehlt sich nicht aus der Verantwortung.“ Und, was das Gasthaus anbelangt, habe sie Krottenthaler schon des Öfteren Unterstützung angeboten, eine gastronomische Nutzung auf den Weg zu bringen. Allerdings, bedauert Dengler, sei Krottenthaler darauf nicht eingegangen.

In einem aber sind sich Krottenthaler und Dengler wohl einig. Das 1608 erbaute und 1938 von Krottenthalers Großvater gekaufte Gasthaus ist ein Aushängeschild für die Marktgemeinde Falkenstein. Krottenthaler sei eines enorm wichtig: „Mir liegt sehr am Herzen, dass die Gaststätte erhalten bleibt. Dazu gehört auch der Biergarten.“ Dengler bezeichnet das Gasthaus gar als „Herzstück“, das eines Tages wieder mit funktionierender Gastronomie ausgestattet werden soll. Vorstellbar sei womöglich auch ein Bürgersaal und Raum für die Landjugend. Was tatsächlich mal aus dem Haus wird? –Fortsetzung folgt

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