MyMz
Anzeige

Dialog

Abschuss soll erhöht werden

Nachdem die Ergebnisse der Vegetationsgutachten vorliegen, haben Jäger- und Forstseite noch einmal zum Gespräch gebeten.
Von Petra Schoplocher

Darum geht es: Junge Tannen, die verbissen worden sind. In etlichen Hegegemeinschaften empfiehlt die Forstverwaltung (rechts Dr. Arthur Bauer) daher, den Abschuss (deutlich) zu erhöhen. Teile der Jägerschaft wehren sich gegen den Vorwurf, dass das ihre Schuld sei, weiß Alexander Müller, künftiger Sprecher der Waidmänner. Foto: Schoplocher
Darum geht es: Junge Tannen, die verbissen worden sind. In etlichen Hegegemeinschaften empfiehlt die Forstverwaltung (rechts Dr. Arthur Bauer) daher, den Abschuss (deutlich) zu erhöhen. Teile der Jägerschaft wehren sich gegen den Vorwurf, dass das ihre Schuld sei, weiß Alexander Müller, künftiger Sprecher der Waidmänner. Foto: Schoplocher

Furth im Wald.Es kommt unerwartet und hört sich beinahe ein wenig komisch an, wenn Alexander Müller und Dr. Arthur Bauer nach gut einer Stunde Gespräch zu dem Zwischenfazit kommen: „Irgendwie sitzen wir beide im selben Boot“. Denn sonderlich gut sind viele Jäger derzeit nicht auf die Forstverwaltung zu sprechen: Wieder einmal sorgen die Vegetationsgutachten für Reiz- und Diskussionsstoff.

Der Grund: In vier der 19 Hegegemeinschaften im Landkreis empfiehlt Forstdirektor Bauer, den Abschuss „deutlich zu erhöhen“, in zehn weiteren soll mehr geschossen werden. Das letzte Wort, sprich den Erlass des Abschussplans für drei Jahre, hat die Untere Jagdbehörde im Landratsamt.

„Da wird natürlich diskutiert“, beschreibt Alexander Müller, Vorsitzender der Further Kreisgruppe, die Stimmung. Mitunter würde sich der Eindruck festsetzen, dass „die Jäger schuld sein sollen, wenn es mit dem Waldumbau nicht weitergeht“. Hinzu käme, dass Einzelne die Ergebnisse der Gutachten anders beurteilen und das Verfahren in Frage stellen. Stichwort Aufnahmepunkte und Verbiss am Waldrand.

Um Schuldzuweisungen gehe es überhaupt nicht, stellt Forstdirektor Bauer klar, wenngleich er in den Hegegemeinschaften, in denen der Abschussplan nicht erfüllt wurde, die Jägerschaft sehr wohl in der Verantwortung sieht. Zu den Aufnahmepunkten erklärt er, dass in stark zergliederten Flächen, wie sie im Landkreis zum Teil vorkämen, es logischerweise auch immer Randbereiche treffen würde. Allerdings im Verhältnis zur Gesamtfläche und damit eben auch repräsentativ.

Belastbare Zahlen

Alexander Müller bezweifelt gar nicht, dass „die Zahlen belastbar sind und eine gewisse Aussagekraft haben“. Der 34-Jährige unterstreicht, dass die Jägerseite gewillt ist, die Zahlen zu erfüllen . „Es wird sich doch keiner hinstellen und sagen: Das mach ich nicht.“ Allerdings würde beispielsweise der zunehmende Bejagungsdruck nach Schwarzwild Kapazitäten binden. Die seit Jahren steigende Zahl der Jagdscheininhaber, hilft zudem wenig. „Wenn man dem die Zahl der Aktiven gegenüberstellt, erlebt man einen Aha-Effekt“, weiß Müller.

Er hat den Eindruck, dass ein Großteil der Jäger sehr wohl einsichtig ist, zumindest nimmt er das für „seine“ Kreisgruppe in Anspruch. Er sehe seine Rolle als Vermittler. „Ich werde versuchen, auch als Arge-Vorsitzender die Themen weiterzugeben“, stellt er in Aussicht, macht aber zugleich deutlich, dass die Mittel der Einflussnahme begrenzt sind. „Da geht es uns gleich“, kann Dr. Bauer das Gefühl nachvollziehen, bei beratungsresistenten Waldbesitzern ergehe es ihm ähnlich.

Müllers Erfahrung nach würden sich Unklarheiten oder Missstimmungen am besten bei den Waldbegängen klären lassen, die das Verfahren vorsieht. Wie er überhaupt grundsätzlich der Meinung ist, dass „miteinander reden so wichtig ist.“ Bauer freut sich, dass Müller das so sieht. Schon oft hat er die Erfahrung gemacht, dass „im Wirtshaus bitter gestritten wurde und das Ganze im Wald dann anders aussah.“ Bei den Begängen, ergänzt er, würden der Ausgewogenheit wegen auch Flächen ausgesucht, die Jäger oder Waldbesitzer aussuchen.

Lösung im Dreiklang

Letztere spielen eine Schlüsselrolle, betonen beide. Müller spricht vom Dreiklang zwischen Eigentümern, Förstern und Jägern, Bauer unterstreicht, dass nur Waldbesitzer und Jäger gemeinsam den Waldumbau weiterbringen würden. Dass dieser dringend geboten ist, steht außer Frage: „Wir bräuchten viel mehr natürlichen Wald“, meint er. „Bestände lichten und mehr Wild schießen“, formuliert der Forstdirektor die Aufgaben.

Weil Bauer selbst auch Jäger ist – er betrachtet dies als Teil seines Berufs – , können sich die Männer über Intervalljagd oder die bei Privatjägern wenig verbreitete Waldjagd – genau auf den Flächen, auf den die Verjüngung wächst – unterhalten. „Eine andere Denkweise, warum nicht?“, meint Müller, der darauf hinweist, dass mehr Wildäsungsflächen dringend erforderlich wären.

Als einen Ausgangspunkt für die immer wieder aufbrechenden Kontroversen machen Müller und Bauer die unterschiedliche Bedeutung der Jagd für den einzelnen. Bauer zeigt Verständnis: Bei vielen hänge so viel Herzblut dran, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, andere Betrachtungsweisen oder Zahlen, die nicht ins Weltbild passen, schnell hoch emotional aufgenommen würden.

Dialog: Jäger und Förster

  • Jäger:

    Alexander Müller übernimmt am 1. April den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Jagd im Landkreis Cham von Gerhard Luckner. Müller selbst ist mit 34 Jahren einer der jüngsten BJV-Kreisvorsitzenden in Bayern. Er führt die Further Jäger seit einem Jahr, den Jagdschein hat der Zeitsoldat vor 16 Jahren erworben.

  • Förster:

    Dr. Arthur Bauer leitet seit 2017 den Fachbereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham. In dieser Funktion ist er für die Erstellung der Vegetationsgutachten verantwortlich, die die Grundlage für die Abschussplanung bilden, die die Untere Jagdbehörde erlässt.

  • Dialog:

    Um Transparenz zu schaffen, werden zum ersten Mal die Ergebnisse der Vegetationsgutachten am Mittwoch, 20. März, um 19.30 Uhr im Kolpinghaus Cham vorgestellt. Angesprochen werden sollen Jagdvorsteher, Hegegemeinschaftsleiter, aber auch Bauern- und Waldbesitzerverband. (ps)

„Ich als Förster kann das viel sachlicher sehen“. Auch Müller weiß um Engagement und Liebe der Jäger zu ihrem Hobby, kommt aber ebenso zu dem Schluss, dass an Manches rationaler herangegangen werden sollte .

Der Grundsatz „Wald vor Wild“ bedeute doch nicht, Rehe und Co. auszurotten, unterstreicht Arthur Bauer. Wenn es gelinge, von diesem (gesetzlichen) Auftrag den negativen Touch zu lösen, könnte sich viel bewegen, meint der Forstdirektor. Der Jäger nickt.

Weitere Nachrichten aus Cham lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht