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Das Jahr hindurch im Mittelalter

Michael Grundl ist Vorsitzender von „Arma Georgii“. Da trifft es sich, dass er eine Passion für eine Epoche entwickelt hat.
Von Jürgen Ziereis

Michael Grundl ist auch in dem, was er anhat, ein leidenschaftlicher Anhänger des Mittelalters. Dass ihm das viel Freude bereitet, sieht man ihm an.
Michael Grundl ist auch in dem, was er anhat, ein leidenschaftlicher Anhänger des Mittelalters. Dass ihm das viel Freude bereitet, sieht man ihm an. Foto: Simon Tschannerl

Furth im Wald.Wir treffen uns auf österreichischem Staatsgebiet, und das mitten in Furth im Wald, am Cave Gladium-Gelände. Ein Schild, natürlich in Rot-Weiß-Rot, weist freundlich auf die Vignettenpflicht hin. „Für uns gilt das nicht, wir sind zu Fuß unterwegs“, sagen Sonja und Michael Grundl und lachen. Und die „Wölfe zu Dunkelstein“ lachen mit. So nennen sich die Gäste aus dem Dunkelsteiner Wald in der Nähe von St. Pölten, die am Cave-Gelände, wie viele andere Formationen aus nah und fern, ihr Lager aufgeschlagen haben.

Mit den Niederösterreichern hat sich über die Jahre der gemeinsamen Leidenschaft fürs Mittelalter eine enge Freundschaft entwickelt, erzählt Michael Grundl, erster Vorsitzender des im Jahr 2000 gegründeten Further Mittelaltervereins „Arma Georgii“.

„Sturm auf die Hohenegg“

Deshalb treten die Further die paar Quadratmeter bayerischen Staatsgebietes für ein paar Tage im Jahr auch gerne an die Österreicher ab, im Wissen, beim „Sturm auf die Hohenegg“ ebenso willkommen zu sein.

Auch inhaltlich sind die Darstellungen der „Wölfe zu Dunkelstein“ und „Arma Georgii“ nahezu deckungsgleich. „Wir verkörpern das Spätmittelalter in unserer süddeutschen Region, so könnte man unsere Darstellung grob umschreiben. Zeitlich angesiedelt so um 1480, etwa 50 Jahre später als der Drachenstich“, sagt Michael Grundl, unser heutiger Sammler. Der gebürtige Further (44), der nun in Weiding daheim ist, hat zwar außer seiner Ausrüstung nichts von seiner Sammlung herzuzeigen, aber viel zu erzählen: Denn Michael Grundls „Sammlung im weiteren Sinne“, wie er sie nennt, ist eher eine ideelle, er sammelt quasi Mittelalter-Veranstaltungen. Zwischen vier und acht Mal im Jahr ist er gemeinsam mit Frau Sonja und Tochter Christina „im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus“ unterwegs, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen.

Michael Grund erklärt, was ihn ans Mittelalter gefesselt hat.

„Mit der Zeit hat sich eine ganze Reihe von Veranstaltungen angesammelt, so dass man tatsächlich von einer Sammlung sprechen kann. So um die 30 werden es mit Sicherheit schon gewesen sein.“ Das Interesse an der Epoche des Mittelalters geweckt hat– natürlich – der Drachenstich, an dem Grundl seit 1982 mitgewirkt hat. „Irgendwann wollte ich das intensiver betreiben als 14 Tage im Jahr“, sagt der Lagerleiter des Cave Gladium.

Und was lag da näher, als „Arma Georgii“ beizutreten, der als gemeinnütziger Verein etwa auch Vorträge an Schulen hält. Heute ist Grundl zwar als Vorsitzender Chef des zivilen Vereins, „das hat aber nichts mit der militärischen Hierarchie zu tun“, betont er. Im Gefecht besetzt Grundl die Rolle eines Doppelsöldners, der in der Formation dazu da ist, für Disziplin und geschlossene Reihen zu sorgen.

„In der heutigen Armee eine Art Unteroffizier“, erklärt er. Doch Michael Grundl „verfolgt“ das Thema Mittelalter nicht nur an den paar Wochenenden im Jahr, an denen er in die Schlacht zieht, sondern quasi ganzjährig. Er stöbert in der Literatur, sucht nach neuen Quellen und wertet neueste Forschungsergebnisse aus, um mit seiner Truppe von „Arma Georgii“ in puncto Ausrüstung und Gewandung eine möglichst authentische Darstellung aufs Feld zu bringen.

„Söldnereinheit aus dieser Zeit“

„Arma Georgii stellt eine Söldnereinheit aus dieser Zeit dar, wir sind Teil eines großen Regiments des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte.“ Das ist ein Verbund süddeutscher, österreichischer und Schweizer Kampfgruppen, der eine Landsknechteinheit aus der Zeit des Oberschwäbischen Bundes etwa zwischen 1480 und 1525 darstellt. „Ein komplettes Regiment mit allen Waffengattungen“, wie Michael Grundl erklärt: Langspießer, Hellebardiere, Bogenschützen, Artillerie, Reiterei.

Zur Person und zur Sammlung

  • Die Vita:

    Unser heutiger Sammler Michael Grundl aus Weiding, ein gebürtiger Further, sammelt Mittelalter-Veranstaltungen. Vier bis acht solcher Veranstaltungen besucht er im Jahr, gut 30 werden es bisher gewesen sein, schätzt der Lagerleiter des Cave Gladium und Vorsitzende des Further Mittelaltervereins „Arma Georgii“.

  • Mittelalter:

    Bei den Treffen stehen ein authentisches mittelalterliches Lagerleben sowie Gefechtsnachstellungen aus dieser Zeit im Mittelpunkt. Michael Grundl und seine Truppe verkörpern die Zeit um 1480.

  • Leidenschaft:

    Veranstaltungen mit Publikum oder mit Wettbewerbscharakter reizen Michael Grundl nicht. Wegen der Authentizität und der Leidenschaft an sich, was seine Triebfedern sind. „An Fechtturnieren nehme ich nicht teil, weil es immer welche gibt, die um jeden Preis gewinnen wollen. Lieber nehme ich einen Treffer und gehe zu Boden, bevor ich irgendwelche Diskussionen oder Aktionen anzettle.“

  • Sicherheit:

    Großer Wert werde auf den Sicherheitsaspekt gelegt: Die Waffen sind nicht geschliffen und mit einer zwei Millimeter breiten Schlagkante versehen und werden vor dem Einsatz auch überprüft, „damit im Eifer des Gefechts nichts Ernsteres passieren kann“. Tiefschläge, Schläge auf die Gelenke und Stiche zum Kopf seien nicht erlaubt.

  • Antwerpen:

    Welche Veranstaltung reizt Grundl noch? „Antwerpen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Der Verein sei zwar schon öfter in Belgien gewesen, er war bislang aber noch nicht dabei. (cjz)

„Wir sind Hellebardiere und dafür da, unsere Einheit zu schützen, sozusagen als schnelle Eingreiftruppe für Deckung zu sorgen. Auch im 15. Jahrhundert ist man nicht als wilder Haufen ins Gefecht gezogen, auch da herrschten Disziplin und Ordnung.“

Zweimal im Jahr fahren Michael Grundl & Co. zu sogenannten „Drillwochenenden“ mit mehr als 400 Kämpfern, um Marsch und Gefecht im Verband zu trainieren. „Bei uns geht es durchaus militärisch zu, mit festen Ämtern und festen Hierarchien“, sagt der Wahl-Weidinger.

Selbst Armee-affin?  „Nein, ich habe nicht einmal gedient“, erwidert Grundl lachend. Aber das Mittelalter-Fieber, das hat ihn fraglos gepackt. Was macht denn für ihn den Reiz seiner Sammelleidenschaft aus? „Meine Motivation sind zwei Zitate, die ich auf Veranstaltungen gehört habe und die es eigentlich ganz gut treffen: Es ist immer wieder schön, wenn man sich im Gefecht hart bekämpft, aber hinterher miteinander ein Bier trinkt. Und: Es ist immer wieder schön, sich mit Frauen über Waffentechnik unterhalten zu können und mit Männern über Stickmuster.“

Michael Grund aus Weiding sammelt Mittelalterlager

Hobby für die ganze Familie

Und es sei ein Hobby, das die ganze Familie betreiben könne und auch der inzwischen 16-jährigen Tochter Kompetenzen vermittle, die sonst vielleicht nicht so ausgeprägt seien. Soziale Kompetenzen etwa oder auch die Erkenntnis aus dem Lagerleben, dass Strom und Wasser nicht immer schon aus der Steckdose oder aus der Leitung kamen, man mit diesen Ressourcen sorgsam(er) umgehen müsse. Und der inhaltliche Reiz? „Du triffst Leute aus verschiedenen Regionen und Ländern und stellst immer wieder fest, dass du einen gemeinsamen Nenner findest. Es ist einfach eine Gemeinschaft aus Gleichgesinnten.“

Man müsse zwar das Einfache und Ursprüngliche mögen und auf den gewohnten Luxus auch mal verzichten können, als besonderen Menschenschlag sieht Michael Grundl sich und seine Mitstreiter allerdings nicht: „Das geht durch alle Schichten und durch alle Berufe, und es wird auch keiner nach seiner Rüstung bemessen. Es zählt die Frau oder der Mann, der drinsteckt.“ Und jetzt wird es auch für Michael Grundl Zeit, sich anzuziehen. „Das geht aber nur mit Hilfe“, grinst er, während ihm Frau und Tochter in die Rüstung helfen. Einmal kurz geschüttelt, um die Beweglichkeit zu demonstrieren („Wenn jemand im Gefecht zu Fall kommt und sich nicht mehr rühren kann, liegt das sicher nicht an der Rüstung.“), und auf in den Kampf…

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