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Kabarett

Ein Mann mit vielen Gesichtern

Wolfgang Krebs gastiert als parodistische Dreifaltigkeit der Ministerpräsidenten Stoiber, Beckstein und Seehofer im ATT.
Von Anna Maria Ascherl

  • Wolfgang Krebs in der Rolle als Markus Söder.
  • Krebs als Grantler Schorsch
  • Als Günther Beckstein

Furth im Wald.Treffen sich drei Ministerpräsidenten, der bayerische Finanzminister und die Bundeskanzlerin mit einem Gemeinderat und einem Schlagersänger. Was sich anhört wie der Anfang eines schlechten Witzes, ist am Freitagabend im ATT Wirklichkeit geworden: Der Kabarettist Wolfgang Krebs, vielen aus Fernsehen und Hörfunk bestens bekannt, hat seine unzähligen Perücken und Kostüme mit nach Furth gebracht, und in unterschiedlichsten Rollen das Publikum begeistert.

Eröffnet hat er den Abend mit seiner Paraderolle: Edmund Stoiber begrüßte sogleich alle „Furtherer...er...er“, den Drachen und die „Drachinnen“ zum Bayerntest, der acht Stunden dauern sollte. Im Endeffekt ging es dann doch ein bisschen schneller und nach zwei Stunden konnten sich alle Gäste über einen bestandenen Test freuen.

Hintersinnige Wortverdreher

Als er die auffallend vielen leeren Plätze in der ersten Reihe erblickte, versicherte Stoiber: „Sie können sich ruhig umsetzen. Die hinteren kommen genauso dran wie die vorderen!“ Seine legendären Wortverdreher würzten die Rede mit gezielten Lachern: Aus Staatsmann wurde „Schnapsmann“, das statistische Bundesamt zum „buddhistischen Standesamt“ und Alexander Dobrindt zu „Doofrindt“ – sehr zur Freude des Publikums. Am Steuergeld-Massengrab Berliner Flughafen ließ Stoiber kein gutes Haar: „Bevor der Flughafen aufmacht, wird er noch unter Denkmalschutz gestellt!“

Und auch die Oppositionsparteien bekamen ihr Fett weg: Er wundere sich, dass die Grünen ihre 90 Mitglieder in den Parteinamen schreiben, Grünen-Chef Anton Hofreiter sehe aus, als sei er vor 30 Jahren eingefroren und jetzt wieder aufgetaut worden und der „Veggie day“-Vorschlag der Grünen sei nur abgekupfert, denn „in Bayern ist das der Gründonnerstag“. Auch Freie Wähler-Vorsitzender Hubert Aiwanger kam nicht gut weg: „Seinen Dialekt spricht man nicht in Niederbayern. Den spricht man nirgends – nur in dem Stall, aus dem er kommt.“

Brillanter Wortwitz

Die Aussage „Stoiber imitieren kann jeder Depp!“ ließ das Publikum aufhorchen. Dann die Auflösung: „Ich will in jedem Kabarett imitiert werden! Deshalb müssen Sie jetzt alle das Stoibern lernen.“ Und es folgte ein Schnellkurs: Zuerst wurde das „Äääh“ geübt, danach das Kopfschieflegen und dann der wohl wichtigste und berühmteste Satz „Mit zehn Minuten!“ aus seiner ICE-Rede.

Um noch ein wenig Inhalt verbreiten zu können, könnten die Imitatoren ein Gedicht aufsagen, z.B. Das Lied von der Glocke von Schiller. Stoiber fing an – und tatsächlich konnte es die Mehrheit der Zuschauer mitsprechen. Aber ein Stoiber-Imitator dürfe das Gedicht nicht fehlerlos aufsagen und so gab Stoiber seine eigene Version zum Besten. „Wenn Sie’s soweit schaffen, muss das überall in Bayern nachgestoibert werden.“

Auch an die jungen Zuhörer richtete er das Wort: Sie sollten sich an ihm ein Beispiel nehmen und nach seinem Motto „Das frühe Vögeln entspannt den Wurm“ leben.

Der bayerische Rebell

Als Bundeskanzlerin
Als Bundeskanzlerin

Abgelöst wurde Stoiber vom aktuellen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Er wandte sich sogleich an die Presse und versicherte: „Alles darf gedruckt werden! Und am besten schicken Sie gleich ein Exemplar an die Frau Merkel!“ Er sehe sich als Rebell der bayerischen Politik, den „Che Guevara des Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen“. Seitenhiebe auf seine Minister gehören mittlerweile zum guten Ton. Beate Merks Temperament sei „so kalt wie ein Eiswürfel in einer Gletscherspalte“, Alexander „Doofrindt“ sei dumm genug gewesen, sich der PKW-Maut anzunehmen, Ilse Aigner habe zwar keinen Mann Zuhause, „dafür aber ein Nudelholz“ und Markus Söder musste für seinen Auftritt bei der Fernsehsendung „Dahoam is dahoam“ Häme einstecken: „Der BR wollte ja durch diesen Auftritt mehr Glaubwürdigkeit in die Sendung bringen“, lacht Seehofer.

Meggy Montana hatte Blumen für die Zuschauerinnen mitgebracht.
Meggy Montana hatte Blumen für die Zuschauerinnen mitgebracht.

Und: „Man sieht’s ja an der Stromtrasse, lieber Markus: Wenn etwas Probleme macht, bring ich es unter die Erde.“ Zum Schluss wird er aber noch ernst und bestärkte die Anwesenden darin, „die Kirche im Dorf zu lassen“ und sich von den Terroristen keine Angst machen zu lassen. Dann gibt er ebenfalls sein Lieblingsmotto zum Besen: „Wenn dir eine Taube auf den Kopf scheißt, dann sei froh, dass Kühe nicht fliegen können.“ Im wahrsten Sinne des Wortes einen Glanzpunkt setzte Schnulzenschlagersänger Meggy Montana. Im pink glitzernden Sakko und Hansi Hinterseer-Gedächtnisfrisur äußerte er seine Sorge um die mitgebrachten Rosen der Besucher und verteilte stattdessen widerstandsfähige Rosen, die die Zuschauerinnen während seines Songs auf sein Zeichen – ein „unauffälliges“ Augenzwinkern – zur Bühne bringen sollen.

ATT als Rockpalast

Da die Antwort auf die Frage „Wäre eine der Damen bereit, ihren BH zu opfern?“ nur Gelächter war, stellte der Schlagerstar auch diesen zur Verfügung. Als er später wieder auf die Bühne trat, funktionierte der Ablauf reibungslos und das ATT verwandelte sich in einen „brodelnden Rockpalast“. Hinter der Bühne moserten die Ministerpräsidenten und waren sich ausnahmsweise einig, Montana sei ein „niveauloser Schlagerterrorist“.

Den Gegenpol zum exzentrischen Montana bildete der nächste Redner: Schorsch Eberl, seines Zeichens Vorsitzender bei allen 30 Vereinen seiner Gemeinde und gewiefter Geschäftsmann. Leicht angetrunken versuchte er die Anwesenden zu überzeugen, in ein „Filetgrundstück“ zu investieren. Um seine Fachkenntnis unter Beweis zu stellen, erklärte er sogleich den Vorteil eines Passivhauses: „Do brauchst nur einmal schnackseln und ’s ganze Jahr is‘ heiß“. Auch wenn es um die Jugendarbeit geht, kennt sich der Schorsch aus: Viele Junge würden zum Studieren in die Metropolen gehen, sich einen Topmanager-Posten suchen und mit 48 und einem Burnout zurückkommen.

„Aber dann brauch mas im Veteranenverein a nimma.“ Also hatte er die Idee, ein Dauerbierzelt aufzustellen und an 50 Wochenenden im Jahr die Jugendlichen einzuladen: Bei einer sechs in der Schule spendiert er ihnen „eine Mass Strohrumschorle“ und „seitdem schafft keiner mehr d‘ Realschule und alle bleiben daheim!“ Als er dann bei seinem zweiten Auftritt eine Trauerrede zum Besten gab wünschten sich wohl viele der Anwesenden, niemals in den Genuss einer solchen zu kommen.

Der Auftritt Günther Becksteins war der rührseligste Augenblick des Abends: Mit einem Gedicht nimmt er Abschied. Als Franke und Protestant hätte er nie eine reelle Chance als Ministerpräsident gehabt. „Heute ist meine Frau Marga mei Regierung und ich bin die Opposition.“ Ebenfalls einen kurzen Auftritt hatte der bayerische Finanzminister Markus Söder. Er kam mit Laptop und rechnete mit den Daten eines Herrn aus dem Publikum vor, wie die Finanzpolitik der Staatsregierung funktioniere. Auch die „Bundesmerklerin“ sprach zu den Furthern, und zwar in – wie sie hoffte – einwandfreiem bayerisch. Doch Seehofer war kein besonders guter Lehrer und so konnte sie das Publikum nicht überzeugen. Der Schlusssatz blieb Edmund Stoiber vorbelassen: „Wenn’s um’s Reden in bayerischen Stadthallen und Bierzelten geht, bin ich die Lady Gaga der bayerischen Politik!“

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