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Konzert

Ein toller Abend mit Cantamus

Das Vokalensemble und Wolfgang Kraus feierten dessen 25 Jahre als Further Motor der regionalen Musikkultur.
Johann Reitmeier

  • Das Vokalensemble „Cantamus“ mit Gründer und Leiter Wolfgang Kraus (r.) Foto: cjr
  • Eduard Reitmeier bedankte sich bei Wolfgang Kraus und Cantamus für die stimmige Umsetzung seines Gedichtes „Glas“. Foto: Johann Reitmeier

Furth im wald.Ein feiner Zuhörerkreis hatte sich am Samstag im großen Further Rathaussaal zum Konzert des Vokalensembles Cantamus eingefunden. „Im Wald“ lautete das Motto dieses großartigen Konzertabends, in dessen Programm sich das Vokalensemble unter der Leitung seines Gründers, des Regionalkantors Wolfgang S. Kraus, und er selbst als kundiger Pianist und Komponist einbrachten. Das Jahr 2019 ist ja ein Jubiläumsjahr im künstlerischen Leben des Kirchenmusikers, dessen Wirken weit über den Bereich der Further Pfarrei Mariä Himmelfahrt hinausreicht. Seit einem Vierteljahrhundert ist Kraus hier Kantor.

Er hat in dieser Zeitspanne den exzellenten Ruf der hiesigen Kirchenmusik weit ins Bistum und darüber hinaus hinausgetragen und daneben etliche nichtkirchliche musikalische Projekte entwickelt. Kraus dankte stellvertretend einigen Freunden, die ihn auf diesem Erfolgsweg begleiteten. Er erwähnte im Rückblick den legendären Erwin Hausler, den Musikschulleiter Robert Schander und seinen Vorgänger im Amt des Kantors, Georg Jahn, der ihn auch heute noch unterstützt. Dazu zählte er den Verein der „Freunde der Kirchenmusik in Mariä Himmelfahrt Furth im Wald“.

Für sein Wirken sei stets die enge Zusammenarbeit mit der Regensburger Gruppierung „Collegium Musicum“ mit Chor und Orchester wichtig gewesen. Kraus sparte nicht mit herzlichen Worten des Dankes an alle, die mit ihm Musik gemacht haben. Ihm sei stets wichtig gewesen, die Sänger und Musiker „vor Ort“ in seine Arbeit einzubeziehen und damit auch zu zeigen, dass auch „in der Provinz“ qualitative Musik ihre Heimat habe.

Und er dankte natürlich „seinem“ Vokalensemble Cantamus, das er im Herbst 2000 gegründet und schon früh auf beachtliches Niveau gebracht hat. Im Lauf der Jahre erarbeitete sich der Chor ein sehr umfangreiches Repertoire, sowohl im klassischen polyphonischen Bereich als auch in der romantischen Chormusik.

Ein besonderer Moment: „Glas“

Aus diesem profunden Repertoire, das sich von der Ära der Renaissance, von der Gregorianik bis in die heutige Zeit erstreckt, war auch der Inhalt des Abends zusammengestellt, mit Kompositionen von Gregor Aichinger, Felix Mendelssohn-Bartholdi und Orlando di Lasso.

Ein tschechisches Volkslied von M. Ukerek eröffnete, quasi als verbindendes Element zu den Nachbarn, den zweiten Teil. Zwei Lieblingslieder des Chores, beschlossen dann das Konzert, von Josef Rheinberger (Die Liebe ist ein Rosenstrauch) und ein frühbarockes „Wir lieben sehr im Herzen“.

Ein ganz besonderer Moment war die Vertonung des Gedichtes „Glas“ aus dem Gedichtband „Hirnkastlschutzer“ von Edi Reitmeier, der auch persönlich anwesend war. Auch für ihn war es eine Premiere, hatte er diese aufregende Zwölf-Ton-Komposition von Wolfgang Kraus zuvor noch nie gehört. Cantamus verwirklichte, mit Klavier-Begleitung durch den Komponisten selbst, den in der Tat schwierig zu singenden vierstimmigen Satz genauso, wie er modern lautmalerisch im besten Sinne klingen kann: Die im Text angelegten wunderbaren Eigenschaften des Stoffes „Glas“ – wie das archaische Entstehen –, aber auch das zeitlose Segenbringende für die Menschen waren durch die Komposition einfühlsam „verarbeitet“ und von Cantamus kongenial dargestellt.

Der Textdichter brachte das in einem kurzen Wort des Dankes bescheiden auf den Punkt: „Ich habe ja nur die Worte geschrieben, so wirkungsvoll und schön umgesetzt habt ihr es. Der Text lebt erst durch Eure Musik“!

Die Gründungsmotivation von Kraus, mit örtlichen Kräften gehobene Vokalpolyphonie zu verwirklichen, wurde in den Beiträgen des Ensembles stets deutlich. Auf einem Niveau, das weitaus bekannteren Gruppen kaum nachstand, und wo aus jeder Note, jeder Harmonie nicht nur das sängerische Vermögen strahlte, sondern auch die tiefe Liebe zum Chorgesang. Schön wurde deutlich, dass die neun Sänger ihre Stimmen bewusst dem Gesamtklang und dem Charakter des jeweiligen Stückes unterordneten.

Eine Ode an das Leben

Herausgekommen ist ein – kein Widerspruch – sowohl transparentes wie auch harmonisches Klangbild, fein abgestimmt und mit Freude und Hingabe gesungen. Das trifft auf die humorvollen Madrigale „Wenn man tut zusammenklauben“ und auf das deftige Landsknechtständchen „Matonna mia cara“, dessen schlüpfrigen Originaltext der unvergessene, leider allzu früh verstorbenen Cantamussänger Beppo Krauß übersetzt (und ein wenig „entschärft“) hatte.

Und auch die etwas geheimnisvoll umwitterte Harmonik in der Ära der Romantik war mit den bekannten Mendelssohn-Liedern „O Täler weit, o Höhen“ und „Ruhethal“ wunderschön umschrieben. Besonders hier kam Cantamus die Tugend des „Aufeinander Hörens“ sehr zu Gute. Das abschließende „Wir lieben sehr im Herzen“ von Daniel Friderici (1584 – 1638) erklang in seiner Sanftheit als eine Ode an das Leben und an seine schönen Dinge – ein ideales Stück, um 25 Jahre gebührend zu feiern. (cjr)

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