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Digitales

Further entwickelt App für Kajak-Fahrer

Klaus Fischer ist leidenschaftlicher Software-Entwickler und Wildwasser-Fan. Das hat den Elotec-Chef auf eine Idee gebracht.
Von Michael Gruber

„Whitewater River Journal“ hat Klaus Fischer die Anwendung für das Smartphone getauft, die Kajak-Fahrern das Leben erleichtern soll.Foto:  Fischer
„Whitewater River Journal“ hat Klaus Fischer die Anwendung für das Smartphone getauft, die Kajak-Fahrern das Leben erleichtern soll.Foto: Fischer

Furth im Wald.Unter dem Donner der Wellen über den Gebirgsbach rauschen und dabei die Natur erkunden – dieses Gefühl hat Klaus Fischer gepackt. Vor fünf Jahren ist der Further erstmals über den Drachensee gepaddelt. Dann wurde es wild: In einer Kajak-Schule im Allgäu habe er zu seiner Leidenschaft für Wildwasser-Touren gefunden, sagt der Elektrotechniker und Geschäftsführer der Firma Elotec.

Mehr als 70 Touren waren es alleine im vergangenen Jahr – da geht schnell mal der Überblick verloren. „Wir haben dann angefangen, ein digitales Fahrtenbuch anzulegen“, sagt Fischer, der mit seinem Kajak-Fieber längst auch Arbeitskollegen angesteckt hat und sie für gemeinsame Ausflüge mit ins Boot holt. „Angefangen haben wir mit Excel-Tabellen und Access-Daten, aber das war dann wirklich zu unübersichtlich.“

Vom Sturzbach zum Quellcode

Die Lösung brachte Fischers zweites Hobby: Quellcodes für Computerprogramme schreiben. Herausgekommen ist eine Kanu-App fürs Smartphone – mit dem Stempel „made in Furth“. „Whitewater River Journal“ hat Fischer die Anwendung für Kanuten getauft, die derzeit noch als Beta-Version in der Probephase stecke. In drei bis vier Wochen wird die Erfindung dann in den App-Stores von Google und Apple weltweit zum Download erhältlich sein, kündigt der Elotec-Chef an.

Geplant ist die Veröffentlichung der App in den App-Stores von Google und Apple Mitte Juni.  Foto: Gruber
Geplant ist die Veröffentlichung der App in den App-Stores von Google und Apple Mitte Juni. Foto: Gruber

Das Besondere daran: Nutzer können in der Kanu-App nicht nur ein digitales Fahrtenbuch anlegen, sondern bekommen gleichzeitig mögliche Routen für Wildwasser-Touren angezeigt, die sich über ganz Europa erstrecken. Dabei finden die Bootsfahrer auch die jeweiligen Schwierigkeitsgrade zu der Route sowie Infos zur Streckenlänge oder dem Namen des Flussabschnitts. Hinzu kommen die besten Standorte für den Ein- und Ausstieg und die Lage der Parkplätze, was für Kajak-Touren gerade in unbekannten Gebieten besonders nützlich sei, erklärt der Further Entwickler.

Die Kanu-App aus der Grenzstadt

  • Vertrieb:

    Erhältlich wird die finale Version der Kanu-App in spätestens drei bis vier Wochen sein, wie Entwickler Klaus Fischer ankündigt. Die Anwendung funktioniert auf Apple- und Android-Geräten und ist auf den jeweiligen App-Stores unter dem Namen „Whitewater River Journal“ zu finden. Mehr Informationen zum Download gibt es auf der Seite zur Further Kanu-App: www.whitewater-journal.com oder www.kajak-app.de. Die Nutzug der App kostet zehn Euro pro Jahr – das soll laut Fischer die Unkosten für Google decken.

  • Funktion:

    Kaja-Fahrer können über die Anwendung ein digitales Fahrtenbuch führen und sich über mögliche Wildwasser-Routen in ganz Europa informieren. Über die Kartenansicht und Daten von Google Maps erfahren die Bootsfahrer zudem, wo geeignete Ein- und Ausstiege und Parkplätze sind. Außerdem gibt es Infos zur Streckenlänge und aktuelle Daten zum Pegelstand. Ebenso können die Kajak-Fahrer bewerten, welchen Pegelstand sie für welche Route am besten gefunden haben und anderen bei ihrer Touren-Planung helfen.

Oftmals gebe es dabei unwillkommene Überraschungen, wie etwa im Bereich der oberen Breitnach in den Allgäuer Alpen. Dort müssen die Wildwasser-Fahrer nach dem Ausstieg ihr Boot aufschultern und knapp 700 Meter bis zum Parkplatz zu Fuß gehen, weiß Fischer. Weiterer Vorteil der Further Kanu-App: Die Nutzer können sich über den aktuellen Pegelstand informieren. Über Signalfarben erfahren die Paddler, wie wild das Wasser sein wird und ob dort Niedrig-, Mittel- oder Hochwasser herrscht.

Klaus Fischer präsentiert die Kartenansicht seiner Kanu-App. Foto:  Gruber
Klaus Fischer präsentiert die Kartenansicht seiner Kanu-App. Foto: Gruber

Dabei schwebt Fischer vor, die Vorteile der Schwarmintelligenz der Bootsfahrer zu nutzen: Über eine Bewertungsskala ist es möglich, nach der Tour den Pegelstand mit bis zu fünf Sternen zu bewerten. Über diesen Weg soll sich dann zeigen, welchen Wasserstand die Nutzer am besten gefunden haben: „Das kann nämlich ganz unterschiedlich sein, wenn das Wasser hoch oder niedrig steht. Manchmal rührt sich gar nichts oder das Ding geht ab wie Schmitz’ Katze“, sagt der Unternehmer. Quelle für die Daten der Pegelstände sei unter anderem der Hochwassernachrichtendienst, wobei Fischer für seine App eine eigene Schnittstelle für die Übertragung entwickeln musste.

Kooperation mit Italien und Schweiz

Dafür hat sich der Further mit Software-Entwicklern der „River-App“ aus der Schweiz und Italien zusammengetan, einer Anwendung, die sich auf die Darstellung der Pegelstände spezialisiert hat. Geld verdienen wolle er mit seiner Kanu-App nicht. Wer sie nutzen will, muss im Jahr einmalig zehn Euro zahlen. Das decke die Kosten, die für Google anfallen, erklärt der Entwickler. Für das sogenannte Back-End, also das Grundgerüst seines Programms, greife er auf das System des Tech-Konzerns zurück. So sei es auch möglich, auf die Daten von GoogleMaps zurückzugreifen, um den Nutzern die Routen anzuzeigen. „Das Back-End zu programmieren, ist bei der App-Entwicklung der Teil, der richtig aufwendig ist und knapp 50 Prozent der Arbeit ausmacht.“

Digitales

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Wobei der 37-Jährige das Programmieren nicht wirklich als Arbeit versteht. Schon mit acht Jahren habe er seinen Eltern die erste kleinen Anwendung vorgeführt, die er über Quellcodes am Computer entwickelt hat. Mit 18 Jahren gründete Fischer dann die Software-Firma Eloware, über die er heute auch die Kanu-App vertreibt. Beim Studium habe er sich aber für Elektrotechnik entschieden –auch mit Blick aufs Familienunternehmen.

Die Kanu-App hat der Further mehr oder weniger während der diesjährigen Winterpause auf dem Wildwasser entwickelt. „Am Sonntagvormittag habe ich am PC die Software geschrieben, und am Nachmittag ging es dann weiter ins Further Hallenbad, wo wir die Eskimorollen geübt haben“, blickt Fischer auf den Beginn seiner Arbeit im vergangenen Dezember zurück.

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