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Beruf

Further Tierarzt Dr. Sigmund hört auf

Nach 40 Jahren geht der 65-Jährige in Ruhestand. Ulrike Renner übernimmt und zieht mit der Praxis nach Grasfilzing.
Von Evi Paleczek

Tiere sind ganz schön schlau, auch das erfuhr Dr. Hugo Sigmund im Lauf seines Berufslebens immer wieder. Foto: Sigmund
Tiere sind ganz schön schlau, auch das erfuhr Dr. Hugo Sigmund im Lauf seines Berufslebens immer wieder. Foto: Sigmund

Furth im Wald.Er ist eine Institution für alle Tierfreunde in der Umgebung. 40 Jahre lang war Dr. Hugo Sigmund als Tierarzt in der Grenzstadt tätig und immer erreichbar für seine vierbeinigen Patienten und ihre Herrchen – nun hört er auf. Am 15. Dezember behandelt der mittlerweile 65-Jährige zum letzten Mal Hunde und Katzen in seiner Praxis in der Äußeren Kötztinger Straße, danach übernimmt seine langjährige Kollegin Ulrike Renner, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Dr. Hugo Sigmund freut sich, dass Ulrike Renner die Praxis weiterführt und auch die Angestellten mitnimmt nach Arnschwang. Foto: Paleczek
Dr. Hugo Sigmund freut sich, dass Ulrike Renner die Praxis weiterführt und auch die Angestellten mitnimmt nach Arnschwang. Foto: Paleczek

Die 50-Jährige zieht mit den vier Festangestellten – einem Lehrling und drei Helferinnen – nach Grasfilzing, wo ihrem Lebenspartner ein alter Bauernhof gehört, in dem gerade eine neue Tierarztpraxis entsteht. Darüber ist Dr. Sigmund froh, er schätzt seine Kollegin, die mittlerweile mit allen Wassern gewaschen ist, sagt er und lacht. Seine Kunden können so fast übergangslos vom gleichen Team betreut werden wie bisher – nur ohne ihn.

Das Problem mit dem Dialekt

Es ist Zeit für den Ruhestand, sagt der 65-Jährige. Er freut sich darauf, nun mit seiner Frau reisen zu können, was in den vergangenen Jahren oft zu kurz gekommen ist. Er hat mittlerweile zwei Enkelkinder und wird oft seinem großen Hobby nachgehen, der Jagd. Es war aber keinesfalls so, dass er seinen Beruf nun schon lange loswerden wollte, betont Dr. Sigmund. Im Gegenteil. Er ist in seinen Jahren als Tierarzt keinen Tag unzufrieden aufgestanden. Natürlich gab es wie in jedem Job mal schlaflose Nächte und Sorgen, aber das gehört einfach dazu, meint er.

Was ihn durch all die Jahre getragen hat, war das intensive Verlangen, nie jemanden hängen zu lassen, erklärt der 65-Jährige die Leidenschaft für seinen Beruf. Nicht die kranken Tiere und nicht die Menschen, die sich Sorgen um ihre Vierbeiner machen. Er hat in all den Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht mit den Tieren und Menschen, sagt er. Und natürlich passieren auch immer wieder lustige Dinge, eigentlich jeden Tag, erzählt der Tierarzt. Er erinnert sich zum Beispiel daran, dass der Fernsehsender Vox für seine Serie „hundkatzemaus“ mal drehen wollte bei ihm. Ein Team kam also zu Probeaufnahmen vorbei und begleitete Dr. Sigmund und seinen Sohn Bruno, ebenfalls Tierarzt, zu einem OP-Termin eines Kalbs bei einem Bauern in der Gegend, inklusive eines Gesprächs mit dem Landwirt. Alles super gelaufen, lautete danach die Bilanz, nur zeigen könne der Sender das Ganze trotzdem nicht. Das Format einer Serie solle nie verändert werden – und ohne Untertitel hätten die Vox-Zuschauer aber keine Chance, den Dialekt des Bauern zu verstehen.

Einmal sind einem Privatmann in Ramsried zwei Wölfe aus einem Gehege entlaufen, erzählt Dr. Sigmund eine weitere Geschichte. Er sollte sie mit dem Betäubungsgewehr einfangen. Mehrmals war er unterwegs, sagt der 65-Jährige, ohne Erfolg. Und warum? Weil sich hinter ihm immer zwei Polizisten mit gezogenen Schusswaffen aufhielten, die ihn im Fall der Fälle vor den Tieren beschützen sollten. Eigentlich haben sie die Wölfe aber immer nur vertrieben, sagt der Tierarzt und lacht. Sobald er dann einmal allein unterwegs war, hat es sofort geklappt.

Eine neue Aufgabe für Tierärztin Ulrike Renner

1983 hat es begonnen mit der Tierarzt-Praxis in der Äußeren Kötztinger Straße, erzählt der gebürtige Neukirchner von den Anfängen. Nach dem Studium und einer ersten Tätigkeit in München hat er es nie bedauert, in die Heimat zurückgegangen zu sein. Er sah den Kleintiersektor wachsen und hat 1997 mit Ulrike Renner eine Kollegin bekommen, mit der er sich perfekt ergänzte, sagt der 65-Jährige. Deswegen freut er sich sehr, dass die 50-Jährige seine Praxis weiterführt, ab dem 7. Januar in neuen Räumen in ihrer Heimatgemeinde Arnschwang.

Zur Person: Ulrike Renner

  • Alter und Herkunft:

    Ulrike Renner ist 50 Jahre alt und in Dalking aufgewachsen.

  • Familie:

    Mittlerweile wohnt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihren vier Kindern in Arnschwang.

  • Studium:

    Sie studierte Tiermedizin in München, die Approbation zur Tierärztin erfolgte 1993.

  • Spezialgebiet:

    Ihr Spezialgebiet sind Innere Medizin, Dermatologie und Ultraschalldiagnostik.

  • Stationen:

    Nach dem Studium war die 50-Jährige zunächst zwei Jahre in Franken, dann ein Jahr im Allgäu als Tierärztin tätig. Seit 1997 arbeitet sie in der Praxis von Dr. Hugo Sigmund.

  • Hobbys:

    Tiere und Musik

Sie freut sich auf die neue Aufgabe, sagt die Tierärztin, betont aber auch, dass sie sich nur selbstständig macht, weil Dr. Sigmund aufhört. Ansonsten wäre sie gern bei ihm geblieben, sie sind ein perfektes Team gewesen, sagt auch sie. Einen neuen Chef kann sie sich nicht vorstellen, dann wagt sie es lieber alleine.

Zunächst einmal wird sie auch keinen Kollegen mit ins Boot holen, sondern erst einmal schauen, wie alles anläuft in den ersten Jahren. Standort der neuen Praxis wird in Grasfilzing 31 sein, erreichbar ist die Tierärztin dort ab 7. Januar 2019 unter der Telefonnummer (0 99 77) 2 91 05 75.

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