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Familie

Geburtsvorbereitung ist Mangelware

Aufgrund des Hebammenmangels sinkt auch die Zahl der Angebote für junge Eltern. Die Further Arche Noah will Abhilfe schaffen.
Von Evi Paleczek

Die Geburt ihres Kindes ist für Mütter und Väter ein bedeutendes Ereignis. Viele Frauen im Landkreis sind derzeit aber schon vor der Entbindung verzweifelt, weil sie keinen Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs bekommen. Und auch wenn das Kind auf der Welt ist, fühlen sich die Eltern mit ihren Fragen oft allein gelassen, weil eine umfassende Nachsorge aufgrund des Hebammenmangels häufig nicht möglich ist. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die Geburt ihres Kindes ist für Mütter und Väter ein bedeutendes Ereignis. Viele Frauen im Landkreis sind derzeit aber schon vor der Entbindung verzweifelt, weil sie keinen Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs bekommen. Und auch wenn das Kind auf der Welt ist, fühlen sich die Eltern mit ihren Fragen oft allein gelassen, weil eine umfassende Nachsorge aufgrund des Hebammenmangels häufig nicht möglich ist. Foto: Patrick Pleul/dpa

Furth im Wald.Viele werdende Mütter sind verzweifelt. Sie weinen am Telefon, weil sie keinen Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs, keine Hebamme und keine Rückbildung bekommen. Marion Pscheidt, Leiterin des Frauen- und Elternzentrums Arche Noah, lässt das natürlich nicht kalt, sagt sie, oft konnte sie die Frauen aber auch nur an die Hebammensprechstunden im Krankenhaus verweisen oder den Kontakt zur Schwangerenberatungsstelle weitergeben.

Um dem Mangel an Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskursen nun wenigstens etwas entgegenwirken zu können, hat sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Petra Schamberger eine Weiterbildung zur Familienbegleiterin gemacht. Eineinhalb Jahre lang waren die Frauen ein Wochenende im Monat in München, einmal fand eine komplette Seminarwoche statt, darüber hinaus gab es Hausaufgaben und viel zu lesen, berichteten die beiden bei einem Pressegespräch am Dienstagvormittag in den Räumen der Arche Noah in Furth im Wald.

Gutes Netzwerk im Landkreis Cham

Nun können Pscheidt und Schamberger etwa Kurse zu Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Babymassage und Säuglingspflege anbieten. Trotzdem sind die Wartelisten für die Gruppen derzeit zum Teil noch genauso lang wie die der Teilnehmer, sagte Pscheidt. Das liegt am Hebammenmangel, erklärte sie. Weil es immer weniger Hebammen gibt im Landkreis, halten die keine Kurse mehr und beschränken sich auf ihre Arbeit im Kreißsaal. Die Arche ist froh, mit Rita Haslsteiner noch eine Hebamme im Team zu haben, die nicht mehr im Krankenhaus tätig ist, aber noch Kurse anbietet. Darüber hinaus sind für das Frauen- und Elternzentrum in diesem Bereich derzeit nur Pscheidt und Schamberger im Einsatz. Sie hofft darauf, dass sich das bald ändert, und wieder eine Hebamme dazustößt, sagte Pscheidt.

Das Frauen- und Elternzentrum Arche Noah

  • Kurse:

    Die Arche Noah bietet derzeit folgende Kurse an: Geburtsvorbereitung, Babymassage, Säuglingspflege, Babyschwimmen, Aquafitness für Schwangere, Beckenbodengymnastik und „Mama fit – Baby mit“.

  • Vorträge:

    Für Eltern gibt es immer wieder Vorträge wie „Wenn Paare Eltern werden“, „Sprachentwicklung“, „Zähne und Co.“ und „Ins Leben getragen – wie trage ich mein Baby richtig?“.

Trotz der Unterversorgung lobt sie das Engagement im Landkreis bezüglich der Betreuung junger Familien. Es gibt etwa Hebammensprechstunden im Krankenhaus, Schwangeren- und Erziehungsberatungsstellen sowie das Jugendamt. Ein Netzwerk, das gut funktioniert, betonte die Arche-Leiterin. Wenn sie nicht weiterhelfen kann, kann sie die Frauen an die entsprechenden Stellen vermitteln.

Niemand wird allein gelassen, sagte Pscheidt, es ist gerade nur schwieriger, eine gute Versorgung zu bekommen. War es etwa vor einigen Jahren noch selbstverständlich, an dem Ort – oder wenigstens in der Nähe – einen Geburtsvorbereitungskurs zu bekommen, wo man wohnte, müssen die Frauen nun schon mal von Roding nach Furth im Wald fahren, weil nur da ein Platz frei ist. Und war es normal, dass nach der Entbindung regelmäßig eine Hebamme zur Nachsorge nach Hause kam, klappt das derzeit eben nicht mehr in allen Fällen. Dann müssen die Frauen zur Hebammensprechstunde ins Krankenhaus fahren oder dort anrufen, wenn sie Fragen haben.

Arche-Leiterin Marion Pscheidt (links) und ihre Mitarbeiterin Petra Schamberger haben sich fortbilden lassen. Foto: Paleczek
Arche-Leiterin Marion Pscheidt (links) und ihre Mitarbeiterin Petra Schamberger haben sich fortbilden lassen. Foto: Paleczek

Die Arche Noah will mit der Weiterbildung dazu beitragen, das derzeit mangelnde Angebot für junge Familien im Landkreis etwas auszubauen, erklärte Pscheidt, betonte aber, dass man keine Konkurrenz zu den Hebammen sein wolle. Das Ganze sei ein Miteinander, sie schließe sich auch immer wieder mit Hebammensprecherin Anja Karl kurz, sagte Pscheidt. Das Frauen- und Elternzentrum habe nun nur auf die derzeitige Unterversorgung reagieren wollen.

Arche-Motto: „Man(n) kann alles außer stillen“

Die Wichtigkeit der Begleitung junger Eltern vor und nach der Geburt steht außer Frage, meinte Pscheidt. Für die Mütter und Väter ist ihr Kind etwas ganz Besonderes, sie haben viele Fragen, wollen alles richtig machen und dürfen dabei nicht allein gelassen werden. Es ist ihr in den Kursen auch wichtig, auf jeden individuell eingehen zu können, deshalb sollen sie eine Gruppenstärke von zehn Müttern/ Vätern nicht überschreiten. Und Schamberger und sie wollen auch nicht zu viele Kurse pro Woche geben, damit sie noch wissen, mit wem sie was gesprochen haben, und wo welche Probleme aktuell sind.

So können etwa Wochenbettdepressionen, Probleme mit Schreibabys und eine sonstige Überforderung der Mütter rechtzeitig erkannt, und es kann geholfen werden. Dass die Frauen häufig überfordert sind, ist heute kein Wunder, meinte Pscheidt. Sie sollen die perfekte Mutter sein, die perfekte Ehefrau, gut ausschauen, den Haushalt bewältigen und zum Teil noch arbeiten. Dass sich das oft nicht mehr vereinbaren lässt, sei nicht schwer zu verstehen. Ganz wichtig sei deshalb heutzutage auch, dass die Väter mit im Boot sind beim Thema Kinder, betonte Pscheidt. Arche-Motto ist „Man(n) kann alles außer stillen“. Und das stimmt, meinte Pscheidt. Ein Vater weiß genau wie die Mutter, wann ein Kind Hunger hat, ob ihm kalt ist, und was es gerade braucht. „Wir müssen dringend raus aus den Rollenklischees.“ Ein paar Jahre nach der Geburt krisle es in vielen Ehen, weil die Kindererziehung kein Miteinander ist.

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