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Projekt

Literatur unterwegs in Wanderstiefeln

Acht Autoren schnüren tagsüber die Wanderstiefel und abends gibt es musikalische Lesungen wie in Cham oder Furth im Wald.
Von Barbara Paschek-Wagner und Monika Kammermeier

Die Literaturwanderer sind auf ihrer fünften Etappe von Cham nach Furth im Wald angekommen.
Die Literaturwanderer sind auf ihrer fünften Etappe von Cham nach Furth im Wald angekommen. Foto: kmo

Cham.Von Regensburg nach Pilsen sind sie unterwegs, in zehn Etappen und auf Schusters Rappen. Autorinnen, Autoren und Literaturbegeisterte wandern bei dem Projekt „Literatur in Wanderstiefeln“ der befreundeten Schriftstellerverbände Ostbayern und Westböhmen in zehn Tagesetappen gemeinsam von Regensburg zur europäischen Kulturhauptstadt 2015 Pilsen, die auch Partnerstadt von Regensburg ist. Am Montagabend haben sie ihr viertes Etappenziel erreicht, Cham. Nach einer Pause zum Frischmachen und Abendessen gibt’s noch eine Belohnung: Die Abendlesung im Cordonhaus.

Nach einer kurzen Einführung der Vorsitzenden des VS Ostbayern (Verband deutscher Schriftsteller) DR. Marita A. Panzer und der Begrüßung durch Bürgermeisterin Karin Bucher folgte zur Einstimmung ein zartes Musikstück von Fagott an Flöte. Dann ging’s an die Lachmuskeln.

Karin Holz, eine der Organisatorinnen des Abends, las in Mundart aus dem Buch „Lausbubengeschichten aus Regensburg“ von Ludwig Fichtelscherer (alias Wiggerl vom Arnulfsplatz), einem inzwischen 91-jährigen Regensburger, der vor fast drei Jahren begann, auf Facebook beinahe täglich Geschichten aus seiner Kindheit absolut witzig zu erzählen. Die Zuhörer im vollen Saal des Cordonhauses amüsierten sich köstlich.

Geschichten „unterwegs“

Ein gelungener Abend im Chamer Cordonhaus, von links: Bürgermeisterin Karin Bucher, Gabriele Kiesl, Johann Maierhofer, Jiri Hlobil, Karin Holz, Rolf Stemmle, vorn Dr. M.A. Marita Panzer
Ein gelungener Abend im Chamer Cordonhaus, von links: Bürgermeisterin Karin Bucher, Gabriele Kiesl, Johann Maierhofer, Jiri Hlobil, Karin Holz, Rolf Stemmle, vorn Dr. M.A. Marita Panzer Foto: cbp

Zwischen den Lesungen spielten Susanne Hoffmann (Flöte und Querflöte) und Benedikt Dreher auf dem Fagott Kompositionen von Rolf Stemmle, (Mitorganisator), der im Anschluss zwei von ihm verfasste Geschichten aus dem Buch „unterwegs“ las. Für diesen Erzählband begaben sich je zehn ostbayerische und westböhmische Autorinnen und Autoren auf literarische Wanderungen und erzählen von ihren Erlebnissen unterwegs, in Zügen, auf Straßen, auf dem Wasser, per Anhalter, auf der Flucht … Jeder deutsche und jeder tschechische Text werden in dem Band in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Dann trat Jiri Hlobil auf. Er griff zur Gitarre und stimmte ein tschechisches Lied an, in das die tschechischen Zuhörer, und wer es sonst kannte, sogleich einfielen. Jiri Hlobil las sodann zwei seiner Geschichten in seiner Muttersprache, die von Mitorganisatorin Gabriele Kiesl und Eric Grun ins Deutsche übersetzt wurden, eine davon überraschend abstrakt, die andere mit Lachpointen.

Autoren und Geschichten

  • Karin Holz

    Karin Holz ist Autorin und schreibt derzeit an einem Kriminalroman, der im Gebiet um Lohberg und den Arbersee spielt. Aus Ludwig Fichtelscherers Facebook-Geschichten ließ sie drei Bücher entstehen. (MZ-Verlag, Lausbubengeschichten aus Regensburg)

  • Rolf Stemmle

    Der Regensburger Rolf Stemmle ist Autor (Prosa, Lyrik), Komponist und macht Theater.

  • Jiri Hlobil

    Jiri Hlobil ist Programmdirektor an der westböhmischen Galerie in Pilsen und Autor.

  • Petra Teufl

    Petra Teufl aus Regensburg ist Kinderbuchautorin, leitet eine Schreibwerkstatt, arbeitet als Redakteurin und schreibt literarische und Sachtexte.

  • Tamara Koprivová

    Tamara Koprivová, Schriftstellerin aus Tschechien, schreibt Lyrik und Prosa.

  • Gangaamaa Purevdorj

    Dr. phil. Gangaamaa Purevdorj ist 1967 in der Mongolei geboren. Sie schreibt in mongolisch und deutsch über das Leben in der Mongolei, über Pferde, das Hirtenleben und das Leben zwischen zwei Kulturen.

  • Sabine Eva Rädisch

    Sabine Eva Rädisch ist Ingenieurin, Schreibgruppenleiterin und Autorin.

  • Dr. Marita Panzer

    Ideengeberin für das Projekt „Literatur in Wanderstiefeln“ war Dr. Marita Panzer, Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller der Regionalgruppe Ostbayern.

  • Buch

    Geschichten der Autoren finden sie in dem Buch zum Projekt „unterwegs“, Pustet Verlag, Regensburg. (cbp/kmo)

„Vielleicht ist der Grundbaustein von allem Leben die Liebe…“ Mit diesem Abschluss seiner Lesung aus seinem Buch „Der kleine Prinz und der Mond“ überließ der Kalligraph und Autor Johann Maierhofer aus Regensburg das Publikum seinen Gedanken.

Tagesetappe über 25 Kilometer

Am Dienstag pünktlich um 17.30 Uhr sind die Literaturwanderer – acht Autoren und viele Mitwanderer – am Landestormuseum in Furth im Wald angekommen. Die Tagesetappe ging von Cham nach Furth im Wald – 25 Kilometer zu Fuß. Und zu Fuß schafften manche Literaten und Mitwanderer die 100 Kilometer von Regensburg bis hier her in der fünften Etappe. Sabine Rädisch, Ingenieurin, Schreibgruppenleiterin und Autorin organisierte und leitete die Etappe von Cham nach Furth im Wald. Kulturreferent Max Schmatz und Stadtarchivar Werner Perlinger bereiteten ihnen mit Elfriede Kellnhofer und Katharina Drescher vom Kulturamt einen herzlichen Empfang.

Werner Perlinger erzählte den Wanderern kurzweilig die Geschichte zu Furth im Wald. Dann gab es noch einen kleinen Film zum Drachenstich. So informiert durften sich die Wanderer mit einem Imbiss im Georgssaal stärken, bevor es zu der Lesung im Rathaussaal um 20 Uhr ging.

Die Autoren Petra Teufl, Gangaamaa Purevdorj, Tamara Koprivová, Sabine Eva Rädisch und das Gitarrenduo Josef und Tom Fischer, gestalteten einen literarischen Abend im Rathaussaal mit modernen Instrumentalstücken. Die Autoren lasen ihre Geschichten aus dem Buch „Unterwegs“. Dr. Marita Panzer begrüßte die ansehnliche Zahl der Literaturfreunde und bekundete, dass sie sich freuen würde, wenn sie morgen die nächste Etappe über Eschlkam nach Domažlice begleiten würden. Man habe den Weg bis hierher mit leichten Blessuren überstanden. Irische Freunde, die den ganzen Weg mitgehen, mussten sich bereits neue Schuhe kaufen.

Die Autoren Tamara Koprivová, Gangaamaa Purevdorj, Sabine Eva Rädisch, Petra Teufl und das Gitarrenduo Josef und Tom Fischer sowie Ideengeberin Dr. Marita Panzer in der Mitte im Further Rathaussaal
Die Autoren Tamara Koprivová, Gangaamaa Purevdorj, Sabine Eva Rädisch, Petra Teufl und das Gitarrenduo Josef und Tom Fischer sowie Ideengeberin Dr. Marita Panzer in der Mitte im Further Rathaussaal Foto: kmo

Das Projekt wurde eineinhalb Jahre vorbereitet, sagte Dr. Panzer. Es sei ein Projekt des Verbands deutscher Schriftsteller, Regionalgruppe Ostbayern gemeinsam mit dem Westböhmischen Schriftstellerzentrum. Filmemacher Eric Grun begleitet die Wanderung mit seiner Kamera und lässt daraus später einen Film entstehen.

Am Fluss entlang

Sabine Eva Rädisch übernahm die Moderation des Abends. Sie ist auf ihrer Reisevorbereitung im Zug vielen Flüchtlingen begegnet und sagte: „Was für ein Glück haben wir, dass wir zum Vergnügen wandern dürfen und nicht auf einer unfreiwilligen Reise sind wie sie.“ Sie freue sich auch, dass sich die Nachbarn Bayern und Tschechen besuchen könnten und dass Grenzen und Konflikte überwunden werden konnten. Rädischs Gedicht zum Einstieg hieß: „Am Fluss entlang.“ Denn am Regen entlang seien sie hier her gekommen. Den Abend beschlossen hat sie mit einem Gedicht: „Was es heißt.“

Petra Teufl aus Regensburg trug ihre Geschichte „Elli“ vor. „Der Rucksack ist zu groß...“ begann sie zu lesen. Eine nicht mehr junge Frau, die Kinder groß, der Mann seit einem Jahr tot, beschloss zu trampen und begegnete ihrer Liebe aus Jugendjahren.

Tamara Koprivová trug in ihrer Landessprache ein Gedicht aus „Herzenslandschaften“ vor und las ihre Geschichte: „Von Anežka, dem Flughafen und den Flugzeugen.“ Der Klang und die Lebendigkeit ihrer Landes- und Körpersprache ließ das Publikum die tschechische Seele spüren. Rädisch übernahm die Übersetzung.

Die Schriftstellerin Dr. phil. Gangaamaa Purevdorj schreibt in mongolisch und deutsch über das Leben in der Mongolei. Bevor sie ihre Geschichte „Der schuldige Jäger“ vortrug, entführte sie das Publikum mit ihrem schönen mongolischen Gesang direkt ins Herz ihres Landes.

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