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MZ-Serie: Das Tick-Tack vom Dachboden

Werner Fuchs aus Gschwand bei Furth im Wald sammelt alte Uhren. Regulatoren und Kuckucksuhren sind seine liebsten Stücke.
Von Florian Reitmeier

Schon 30 Jahre sammelt Werner Fuchs Uhren. Eine besondere Freude ist es für ihn, sie wieder zum Laufen zu bringen.
Schon 30 Jahre sammelt Werner Fuchs Uhren. Eine besondere Freude ist es für ihn, sie wieder zum Laufen zu bringen. Foto: Tschannerl

Furth im Wald.Zeit ist etwas Faszinierendes: Was im Moment noch vor uns liegt, ist bald Gegenwart und schnell wieder Vergangenheit. Schon früh versuchten die Menschen, diese nicht greifbare Größe in unserem Leben sichtbar zu machen und einzuteilen. Ein Hilfsmittel, das dabei hilft und uns beständig und allgegenwärtig an diese Vergänglichkeit erinnert, ist die Uhr in all ihren Variationen. Werner Fuchs aus Gschwand bei Gleißenberg hat einige solcher Variationen bei sich zuhause gesammelt.

„Schön, dass ihr gekommen seid“, begrüßt er uns vor seiner Haustüre. Über zwei Treppen geht es in seinem Haus hinauf auf den Dachboden, wo er an der Giebelseite über 30 Wanduhren hängen hat. Fuchs geht zu den Regulatoren, wie die genau gehenden Wandpendeluhren im Fachbegriff heißen, zieht einige auf, stößt leicht an das Pendel der Zeitmesser und sofort ist der Dachboden von einem hörbaren und charakteristischen Geräusch erfüllt: Tick-Tack Tick-Tack: „Die gehen alle noch“, erklärt Fuchs, nicht ohne Stolz.

Diese Uhren sind hörbar

Bis in den Giebel des Dachbodens zieren Uhren den Dachboden. Foto: Tschannerl
Bis in den Giebel des Dachbodens zieren Uhren den Dachboden. Foto: Tschannerl

Denn nicht immer waren seine Zeitmesser fehlerfrei, als er sie erworben hat. Zusammen mit seiner Frau Gerda hat er sie dann repariert, gereinigt und aufgehängt. Geordnet nach den Modellen hängen sie nun am Dachboden. Links die Kuckucksuhren, dann die Pendeluhren mit ihren schweren Messinggewichten. Am Ende der Reihe solche Pendeluhren mit einem Werk zum Aufziehen. Einige von ihnen haben mit Blattgold verzierte Pendel, Ziffernblätter mit römischen Zahlen und prunkvoll geschnitzte Holzkästen, welche dem Betrachter sofort ins Auge stechen. Und natürlich das unüberhörbare Ticken, das uns akustisch an die Gegenwart der Uhren. „Vor etwa 25 oder 30 Jahren habe ich damit begonnen“, erzählt der Rentner den Beginn seiner Leidenschaft. Genau wisse er das nicht mehr. „Damals war es Mode, Uhren zu sammeln und es wurden auch hohe Preise dafür bezahlt. Bis zu 350 Mark wurde für solche Regulatoren, wie ich sie hier habe bezahlt. Irgendwann habe ich dann auch einen solchen auf einem Flohmarkt gekauft“, erzählt der 72-Jährige. Jetzt sind die Preise teilweise um die Hälfte gefallen. „80 Euro würde ich noch für die Schönen bekommen, wenn ich Glück habe.“

Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl
Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl

Im Laufe der Zeit kamen noch zahlreiche weitere Zeitmesser zu seinem ersten Stück hinzu. Aber immer nur solche zum Aufhängen. „Die kleinen Uhren haben mir nicht sonderlich gefallen.“ Fündig wurde Fuchs neben den Flohmärkten auch bei Hausräumungen, die er als Arbeiter auf dem Bau machen musste. „Und irgendwann hatte es sich einfach herumgesprochen, dass der Fuchs Werner Uhren sammelt. Stellenweise wurden mir sie daraufhin von allen möglichen Leuten zugetragen.“ Und warum hat der Rentner sie auf den Dachboden verbannt? Die Antwort auf die Frage ist profan: „Naja, im Haus ist einfach zu wenig Platz. Die Uhren sollen schon auch zur Geltung kommen.“ Aus diesem Grund hat Fuchs schon etliche verkauft. „Aber nicht die schönsten. Ein paar der prunkvollsten Uhren habe ich einem Museum als Leihgabe gegeben.“Kuckucksuhren

Mit Öl gegen die Sommerhitze

Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl
Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl

Fuchs weiß aber auch, dass die Umgebung auf dem Dachboden nicht die beste für seine Zeitmesser ist: „Die Hitze im Sommer ist eigentlich wie Gift für die Schlagwerke. Sie dehnen sich und funktionieren nicht mehr ordentlich. Besonders die filigraneren Kuckucksuhren mit ihren Blasebälgen im Inneren leiden darunter.“ Mit einem speziellen Uhrenöl versucht der Rentner dem entgegenzuwirken.

Das Faszinierende an den Zeitmessern war für den Gschwander immer schon die Mechanik: „Die Präzision, wie genau sie schlagen, das gefällt mir.“ Deswegen war es auch nicht so schlimm, wenn eine der Neuerwerbungen mal kaputt war. „Die haben wir dann repariert.“ Besonders schwierig sei das nicht gewesen. Denn die Uhren zum Aufziehen haben hinter ihren Ziffernblättern, die aus Emaille oder ähnlichen Materialien sind, meist eine Blattfeder.

Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl
Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl

Diese Blattfeder sei auch der größte Schwachpunkt in der Konstruktion: „Bei zu starkem Aufziehen wurde sie überspannt und riss.“ Wenn das der Fall war, tauschte Fuchs sie einfach mit einer aus einer weniger wertvollen Uhr aus. „Manche Uhren habe ich bewusst als Ersatzteillager gekauft.“ Bei ganz kniffligen Fällen wurde ein anderer Uhrensammler zu Rate gezogen. „Glücklicherweise wohnt im Nachbardorf auch ein solcher und mit dem habe ich schon öfter Ersatzteile oder auch ganze Uhren getauscht.“

Im Video spricht Werner Fuchs über seine Sammlerleidenschaft für Uhren:

Das Tick-Tack vom Dachboden

Das Schlagwerk macht Freude

Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl
Geordnet nach den Modellen hängen die Uhren auf dem Dachboden von Werner Fuchs. Foto: Tschannerl

Die Uhren mit einem Schlagwerk haben es dem Rentner ganz besonders angetan. Denn dieses muss extra aufgezogen und mit den Zeigern der jeweiligen Uhr abgestimmt werden. „Wenn das nicht richtig gemacht wird, schlägt die Uhr zur vollen Stunde zur halben und umgekehrt.“ Jede der Uhren hat einen anderen Klang, wie uns Fuchs beweist. Er dreht die Zeiger vor, bis ein Ziehen im Uhrkasten zu hören ist. Dann gongt es. „Wichtig ist, dass die Zeiger bei der Zeiteinstellung nur nach vorne gedreht werden. Sonst geht das Werk kaputt“, erklärt der Fachmann.

Zur Person: Werner Fuchs

  • Sammler

    Seit etwa 25 Jahren sammelt Werner Fuchs Uhren.

  • Wohnort

    Der gebürtige Zwieseler lebt seit über fünfzig Jahren in Gschwand.

  • Goldene Hochzeit

    Mit seiner Frau Helga ist er 50 Jahre verheiratet, heuer feiern die beiden Goldene Hochzeit.

  • Flohmärkte

    Das Sammeln alter Dinge liegt ihm im Blut: Jeden Samstag ist Fuchs auf Flohmärkten anzutreffen, wo er ihm interessante Dinge kauft oder auch verkauft.

  • Schafkopfen

    Als weitere große Leidenschaft gibt der ehemalige Bauarbeiter das Kartenspielen an: Bei fast jedem Schafkopfturnier in seiner Umgebung nimmt er teil.

Seit einiger Zeit ist die Sammlung von Werner Fuchs nicht mehr aktualisiert worden. „Meine Kinder und Enkel haben kein Interesse daran und für wen soll ich es denn machen, wenn ich weiß, dass die Sammlung eines Tages sowieso verkauft oder verschenkt wird.“ Deswegen freut es Fuchs, wenn er von Zeit zu Zeit auf den Dachboden seine alten Schätze aufzieht und ihrem Ticken lauscht. Tick-Tack, Tick Tack.

Mehr Fotos und alle Teile der Sammlerserie finden Sie unter hier!

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