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Kostüme

Rund 1500 Kleider wollen gepflegt sein

Für Betty Fischer und Heidi Mühlbauer in der Further Kleiderkammer ist der Drachenstich noch lange nicht zu Ende.
Von Wolfgang Baumgartner

Heidi Mühlbauer und Betty Fischer: die zwei Damen der Drachenstich-Kostümkammer
Heidi Mühlbauer und Betty Fischer: die zwei Damen der Drachenstich-Kostümkammer Foto: wb

Furth im Wald.Auch rund drei Wochen nach dem letzten Festspiel ist für Heidi Mühlbauer und Betty Fischer der Drachenstich noch lange nicht zu Ende. Die beiden Damen managen nämlich die Kleiderkammer für das älteste deutsche Volksschauspiel und sind hinter riesigen Bergen von Kostümen, Strumpfhosen, Schuhen und Ritterrüstungen kaum zu finden. „Rund 1500 Kleidungsstücke müssen gereinigt, gewaschen, gebügelt und bei Bedarf auch repariert werden“, runzelt Heidi Mühlbauer die Stirn und blickt auf die beiden Waschmaschinen, die im Dauereinsatz sind.

Christine Nachreiner hilft beim Bügeln der rund 1500 Kleider und Kostüme.
Christine Nachreiner hilft beim Bügeln der rund 1500 Kleider und Kostüme. Foto: wb

Mit Ausnahme der schweren Kostüme der Hauptdarsteller, werden alle übrigen Kleider in Eigenregie gewaschen, gebügelt und eingelagert. In die Reinigung kommen nur die sehr kostbaren Gewänder. Heiß her geht es im wahrsten Sinne des Wortes auch im Bügelzimmer von Christine Nachreiner. Sie unterstützt Heidi Mühlbauer und Betty Fischer und sorgt für ein faltenfreies Outfit der Festspieler bei ihren nächsten Auftritten.

Es wird geflickt und genäht

Zuvor allerdings sind Nadel und Faden gefordert. Hier erhalten die Damen der Kleiderkammer Unterstützung von Anita Schwägerl. „Die Hilfe können wir sehr gut gebrauchen, viele Kostüme müssen genäht oder repariert werden“, erzählt Betty Fischer. Vor allem die „Garderobe“ des „Volkes“ leidet häufig unter den Spieleinsätzen. „Da fehlen Knöpfe oder Strumpfhosen haben handgroße Löcher“, wissen die Damen der Kostümkammer.

Und es kommt sogar vor, dass mehr Kleidungsstücke bei Heidi Mühlbauer und Betty Fischer landen, als ausgegeben wurden. „In dieser Strumpfhose war sogar noch die Unterhose eines Mannes“, schmunzelt Betty Fischer.

Manchmal an die frische Luft

Weniger angenehm ist es für die Mitarbeiterinnen in der Kleiderkammer, wenn die Kostüme nach Gebrauch einfach in eine Schachtel gepackt und nach Wochen erst abgegeben werden. „Da müssen wir dann schon kurz raus, um frische Luft zu schnappen!“

Über Mangel an Arbeit brauchen sich die Damen der Kleiderkammer aktuell nicht zu beklagen. Allein im Festspiel sind nach den Worten von Betty Fischer mehrere hundert Kostüme im Einsatz. „Seit es mehrere Aufführungen gibt, sind viele Rollen doppelt besetzt, was natürlich die doppelte Anzahl an Kostümen bedeutet!“ Und natürlich werden die Gewänder durch die vielen Einsätze auch stärker strapaziert. Das bedeutet für Heidi Mühlbauer und Betty Fischer, dass sie auch während der Festspiele anwesend sind, um kleinere Reparaturen gleich vor Ort vornehmen zu können.

Kostüme für 14 Gruppen

Betty Fischer führt fein säuberlich Buch, wer welches Kostüm in der Kleiderkammer abgeholt hat.
Betty Fischer führt fein säuberlich Buch, wer welches Kostüm in der Kleiderkammer abgeholt hat. Foto: wb

Eine Mammut-Aufgabe für die Kleiderkammer ist auch der Historische Festzug. Mehr als 1000 Teilnehmer in 14 Gruppen müssen eingekleidet werden. Dazu bedarf es auch einer gewaltigen logistischen Leistung. Betty Fischer führt exakt Buch, wer welches Kostüm bekommt und es auch wieder in der Kleiderkammer abliefert.

Für die Musikgruppen aus Regensburg, Viechtach, Landshut und Regen werden die Kostüme in die Berufsschule gebracht, wo sich die Akteure umziehen können. Mit historischen Gewändern ausgestattet werden auch die Mitwirkenden der Kapelle Lecker sowie das Blasorchester. Durch die Komplett-Versorgung der Festzugteilnehmer wird gewährleistet, dass nur historische Gewänder zum Einsatz kommen. Auch das ist ein Verdienst von Betty Fischer und Heidi Mühlbauer. Sie hoffen, dass bis Ende September alle Kostüme und Gewänder wieder zurückgegeben und fein säuberlich einsortiert sind.

Die zwei Waschmaschinen und Heidi Mühlbauer im Dauereinsatz
Die zwei Waschmaschinen und Heidi Mühlbauer im Dauereinsatz Foto: wb

Etwa ein Viertel des Fundus steht noch aus. „Aber wir kennen ja unsere Pappenheimer“, schmunzeln Heidi Mühlbauer und Betty Fischer. Und sie scheuen auch nicht davor zurück, die „Kandidaten“ dann per Anruf daran zu erinnern, die Kostüme zurück zu geben. Ein Blick in die „Verwaltungsunterlagen“ von Betty Fischer zeigt, dass der Großteil der Kostüme bereits wieder in der Kleiderkammer „gelandet“ und bereits gewaschen und gebügelt ist.

Ab Pfingsten geht es wieder los

Dagegen wartet auf Christine Schweitzer noch jede Menge Arbeit. Sie hat sich bereiterklärt, die Damen der Kleiderkammer beim Schuheputzen zu unterstützen. „Das ist für uns eine sehr große Hilfe“, versichern Heidi Mühlbauer und Betty Fischer. Sie freuen sich schon auf den Tag, wenn die letzte Strumpfhose gewaschen und gebügelt ins Regal gelegt werden kann. „Dann brauchen wir erst mal eine Pause“, runzelt Betty Fischer die Stirn und gesteht: „Einige Wochen lang kann ich dann keine Kostüme mehr sehen.“

Auch Christine Schweitzer hilft in der Kostümkammer mit und putzt Hunderte von Schuhen.
Auch Christine Schweitzer hilft in der Kostümkammer mit und putzt Hunderte von Schuhen. Foto: wb

Das ändert sich aber, sobald das Frühjahr kommt. Denn nach Pfingsten beziehen die beiden Damen wieder Stellung in der Kleiderkammer. Dann werden die Lavendel-Kränze zwischen den Kleidern erneuert und so manche Idee, die bis dahin gereift ist, wird in die Realität umgesetzt. Häufig sind das Änderungen, historisch passende Accessoires oder sogar neue, wunderschöne Kostüme.

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