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Vortrag

Pilze sind stille Helfer in der Natur

Elfriede Kellnhofer stellte beim Waldverein in Hohenwarth seltene Arten vor – und zeigte auf, was die Schwammerl gefährdet.

Vorsitzender Helmut Schnabl dankte Elfriede Kellnhofer „für den interessanten Vortrag“.
Vorsitzender Helmut Schnabl dankte Elfriede Kellnhofer „für den interessanten Vortrag“. Foto: kha

Hohenwarth.Der Vorsitzende des Waldvereins, Helmut Schnabl, hat im Vereinslokal Klier 30 Mitglieder des Waldvereins begrüßt. Elfriede Kellnhofer aus Furth im Wald referierte über ihre große Leidenschaft, die Pilze.

Im Bayerischen Wald gibt es 3000 Arten von Pilzen. Sie gehören nicht zu den Pflanzen. Die Medizin hofft, in Zukunft viel Nutzbringendes aus den Pilzen für die Menschen zu gewinnen. Pilze bilden ein eigenes Reich der Organismen. Ihnen hat man in der Vergangenheit meist nicht die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet, so die Referentin. Mit Blick auf die Biodiversitätsforschung und die Erhaltung der Ökosysteme ist es nach ihrer Einschätzung geboten, die Wissenschaft im Bereich der Mykologie auszuweiten.

So spielt beispielsweise die Mykorrhiza nicht nur im Wald, sondern auch bei der verbesserten Aufzucht von Kulturpflanzen eine bedeutende, im Detail aber noch weitgehend unerforschte Rolle. Neben den bekannten Antibiotika enthalten nicht nur die Schimmelpilze, sondern auch viele Großpilze bislang unbekannte Wirkstoffe und Substanzen.

Kleine Laboratorien

Pilze sind kleine, chemische Laboratorien und sorgen immer wieder für sensationelle Überraschungen, so Kellnhofer. Jede Art, die ausstirbt, hätte das Potenzial besitzen können, auch für den Menschen wertvoll zu sein. Pilze werden in drei Funktionsgruppen eingeteilt. Die Symbionten (Mykorrhizapilze, die mit Bäumen, Gräsern und vielen anderen Pflanzen in Symbiose leben). Die Pflanze, der Baum, liefert dem Pilz Kohlenhydrate, da dieser keine Photosynthese betreiben kann; der Pilz wiederum liefert in Wasser aufgelöst Salze, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Die Parasiten schädigen und töten lebende Pflanzen und Tiere. Nach getaner Arbeit wandeln sie sich in Zersetzerpilze um. Diese Destruenten sind in der Lage, organische Verbindungen zu zerlegen, um daraus Energie zu gewinnen. Das macht sie zu den wichtigsten Stoffumwandlern in der Natur. Pilze sind die stillen Helfer im Untergrund. Ohne sie wären die Ökosysteme in der uns vertrauten Form nicht vorhanden. Pilze spielen als Stoffumwandler, Symbionten oder Parasiten eine unersetzliche Rolle im Naturhaushalt.

Hauptgründe für den Pilze-Rückgang: Zerstörung bzw. Veränderung der ehemals natürlichen Lebensräume durch Düngung von Wiesen und Weiden mit Mineraldünger, Schadstoffeinträge über die Luft aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr, Pestizid-Eintrag in Gartenbau, Forst - und Landwirtschaft, hoher Flächenverbrauch durch Überbauung, Ausholzung wertvoller Altbäume, Entfernung wichtiger Mykorrhiza-Partner wie Espe, Birke oder Erle), der Einsatz von Holzerntemaschinen. Der Schutz von Pilzen kann laut Kellnhofer nur über einen konsequenten Biotop-Schutz erreicht werden.

Der Schönfußröhrling zum Beispiel hat als markantes Zeichen einen roten Stiel und ist leicht giftig. Er steht bereits auf der roten Liste. Im sandigen Boden kann man den Kornblumenröhrling finden. Diese Rarität hat ein kornblumenblaues Innenleben. „Der Schwamma ist nach wie vor ein geheimnisvolles Wesen“, so Kellnhofer. Es gibt viele verschieden Gerüche wie Maggi und Kokosflocken, oder sie stinken widerlich. Niemand weiß bis heute, wie schnell ein Pilz wächst.

Weisheiten und Mythen

Alte Weisheiten sagen: „Wenn man den Schwamma mal angeschaut hat, wächst er nicht mehr weiter.“ Oder: „In einem guten Schwamma-Jahr wachsen z. b. Steinpilze auf bestimmten Plätzen täglich nach.“ Der Tintenfischpilz ist erst seit 80 Jahren im Bayerischen Wald heimisch und wurde wahrscheinlich aus Kanada mit Holz eingeführt. Austernpilze sind Winterpilze und wachsen unter sechs Grad. Den Schleimpilzen wird nachgesagt, sie hätten eine Seele und können sich bewegen. Der „ Seisslen“ gehört zu der Familie der Täublinge und war viele Jahre verschwunden, ist aber jetzt wieder öfter anzutreffen.

Das Sammeln von Speisepilzen hat im Gegensatz zur landläufigen Meinung keinen nachweisbaren Einfluss auf das Pilzwachstum, so Kellnhofer. Jeder Pilzesammler sollte aber nur so viele Exemplare mitnehmen, als er wirklich braucht. (kha)

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