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Roding

Immer sammeln und archivieren

Elfriede Dirschedl sprach bei der Jahresversammlung des Vereins für Heimatgeschichte und Heimatpflege über Familienforschung.
Von Jakob Moro

Stammbaum oder Ahnentafel – Elfriede Dirschedl (links) engagiert sich seit 20 Jahren in der Familienforschung. Foto: rjm
Stammbaum oder Ahnentafel – Elfriede Dirschedl (links) engagiert sich seit 20 Jahren in der Familienforschung. Foto: rjm

Roding. Bei der Jahreshauptversammlung lud der Verein für Heimatgeschichte und Heimatpflege Elfriede Dirschedl aus Schorndorf ein, die sich seit rund 20 Jahren nebenberuflich als Familienforscherin, Autorin und Referentin betätigt. Sie hielt einen begeisternden Vortrag über dieses „zeitaufwändige Hobby“. In der Oberpfalz wurde 1991 der Verein „Gesellschaft für Familienforschung“ (GFO) genannt gegründet, der mittlerweile 270 Mitglieder hat. Wie wird man Forscher? Dirschedl fragte sich das selbst.

Es beginnt damit, dass man sich für die Wurzeln und Zusammenhänge in der eigenen Familie interessiert. Wer gehört alles zur Familie? Wo kamen diese her? Welchen Beruf übten diese aus? Wie waren ihre gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse? All dies, so Dirschedl, und vieles mehr lässt sich mit Neugier, Hartnäckigkeit, Kontaktfreude mit anderen Menschen, Genauigkeit, viel Zeit wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensuchen. Bei Familien, die regional sesshafter waren, ist dies noch einfach. Bei Familien, die durch familiäre, wirtschaftliche und politische Umstände global weiter verstreut sind, dauert die Ahnensuche oft Jahrzehnte. Ein Familienforscher ist „Jäger und Sammler“ zugleich. Er beginnt mit der Jagd nach Namen und Daten von Familienmitgliedern, Vorfahren, deren Geschwister, Kindern, Lebensumständen, Besitz und alles was er finden kann. Die bildliche Darstellung ist oft ein Stammbaum oder eine Ahnentafel. Der Unterschied liegt darin, dass beim Stammbaum die Nachkommen erforscht werden, während bei der Ahnentafel es genau umgekehrt geschieht. Hier werden die Vorfahren erforscht. Bei der Ahnentafel können dabei nur jeweils die Eltern und nicht auch die anderen Kinder dargestellt werden.

Begonnen wird mit dem Sammeln und Archivieren aller vorhandener Dokumente (Geburts-, Heirats-, und Sterbeurkunden, Sterbebilder, Familienstammbücher, Fotografien, Fotos von Grabsteinen und vielen mehr). Auch das Befragen von Verwandten führt oft ans Ziel. Die erste Anlaufstelle dafür ist in der Regel das Standesamt, in dem sich bis 1876 zurück die Daten von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden befinden. Die weiter zurückliegenden Daten findet ein Familienforscher in den Kirchenbüchern. Die Kirchenbücher der katholischen Kirche sind bei uns im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg aufbewahrt. Sie wurden auf Microfiches verfilmt und können nach Daten auf einem Lesegerät durchsucht werden. Im Landkreis Cham gibt es Pfarrarchive, in denen Kopien dieser alten Kirchenbücher vorhanden sind, um nicht immer bis nach Regensburg fahren zu müssen. Die in den Kirchenbüchern vermerkten Taufpaten, Trauzeugen und Berufsbezeichnungen sollten unbedingt notiert werden. Es finden sich oft auch weitere Angaben in den Kirchenbüchern. Quellen für Besitzverhältnisse und Lebensumstände finden sich auch in Gemeinde- und Stadtarchiven, im Staatsarchiv in Amberg und Landshut, in Ortschroniken und Hausbüchern. Auch im Internet können sie in Ahnenforschungsportalen nach Daten und Informationen suchen. Diese sind aber mit Vorsicht zu behandeln, da diese nicht immer mit der nötigen Sorgfalt gepflegt sind, warnt Dirschedl. Hilfen finden Familienforscher vor allem beim Lesen alter Schriften zum Beispiel bei der Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz e.V. und anderen erfahrenen Familienforschern.

Familienforschung ist zwar ein ungemein interessantes, zeitaufwändiges Hobby, doch es verbindet viele Menschen miteinander und lässt alte, halb vergessene Familienbande wieder aufleben. Familientreffen sind oft das Ergebnis von Familienforschungen. In der heutigen globalen Zeit mit den oft durch Scheidungen usw. neu zusammengefügten „Patchwork-Familien“ wird es immer wichtiger, seine Familienwurzeln zu kennen. Das Wissen um die Vielzahl der verzweigten Familienmitglieder kann Menschen in schwierigen Lebenssituationen Kraft und Hoffnung geben, meint Elfriede Dirschedl.

Wer ist Elfriede Dirschedl? Sie wohnt in Schorndorf, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Von Beruf ist sie ambulante Hauswirtschafterin in einem Rodinger Pflegedienst. Sie ist seit über 20 Jahren Familienforscherin und seit 18 Jahren Autorin und Referentin. Sie ist beim gemeinnützigen Verein „Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz, kurz GFO genannt 2. Vorsitzende und 1. Vorsitzende der Familienforscher im Landkreis Cham. (rjm)

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