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Literatur

Das dunkle Geheimnis des Johannes Brand

Der neue Kriminalroman des Rundinger Autors Ulrich Effenhauser ist da. Es geht um die Atomindustrie — und Mord.
Von Fred Wutz

Das Titelbild zeigt die Duga-Radarstation in Tschernobyl.
Das Titelbild zeigt die Duga-Radarstation in Tschernobyl. Repro: wu

Runding.Druckfrisch ist er im Buchhandel – der nächste Kriminalroman von Ulrich Effenhauser. „Brand“ ist der Titel des Romans, der im Transit-Verlag erschienen ist. Wieder ist es ein Fall des Kriminalisten Alwin Heller. Effenhauser-typisch sind die rund 130 Textseiten mit einer vielfach verwobenen Handlung gefüllt, die (teils erfundene, aber auch tatsächliche) Geschehnisse verknüpft, die vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart reichen.

Wer sich von der Thematik reizen lässt, wird sich in wenigen Zügen durch das Buch arbeiten. Auch wenn es sich anfangs nicht danach liest, aber es dreht sich um die Atomindustrie, -forschung und -unfälle, garniert mit Mord, Tötung und Geheimdienst-Metier. Politisch hochbrisant ist (oder wäre?) das Geschehen, nachrichtendienstliche Aktivitäten sind ständig im Spiel, dazu eine geheimnisvolle Frau – die „Zutaten“ für eine spannende Geschichte sind vorhanden.

Zum Inhalt: Es beginnt in Mexiko City im Oktober 1985. In der von Erdbeben heimgesuchten Stadt wird eine nicht identifizierbare Leiche gefunden. Alwin Heller, früher Polizist in Regensburg und (nach dem Fall „Alias Toller“ – siehe Ulrich Effenhausers vorhergehendes Buch!) nunmehr Kriminaldirektor und Sonderermittler des Bundeskriminalamtes, macht während einer Dienstreise Zwischenstopp in Mexiko; er wird von einem Kollegen in einem Mordfall um Hilfe gebeten. Heller findet heraus, dass das Opfer kurz vor seiner Ermordung ein geheimes Forschungsinstitut besucht hat. Der Fall wird vom mexikanischen Polizeichef, wie oft üblich, ohne weitere Untersuchung als Drogendelikt zu den Akten gelegt.

Doch ein halbes Jahr später erkennt Heller den Toten in einem Film über den sowjetischen Atomphysiker Andrej Sacharow wieder. Offenbar war der Mann an der Herstellung der Wasserstoffbombe beteiligt. Wieder vier Jahre später, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, erhält Heller Besuch von einer ehemaligen KGB-Agentin, die ihm den Namen des Toten verrät: Fjodor Lebedew, Ingenieur für Reaktortechnik, zuletzt Sicherheitschef im Atomkraftwerk Tschernobyl.

Ein entscheidender Hinweis

In Lebedews Wohnung im atomar verseuchten Sperrbezirk findet Heller einen entscheidenden Hinweis: den Brief eines gewissen Johannes Brand, der in den 1950er Jahren als verschleppter NS-Wissenschaftler mit Lebedew in Sochumi (am Schwarzen Meer) erfolgreich das sowjetische Atomprojekt vorangetrieben hat.

Brand konnte die UdSSR in den 60er Jahren verlassen, ging zunächst in die USA und schließlich nach Mexiko. 1985 nahmen die beiden wieder Kontakt miteinander auf: Brand hat Lebedew versprochen, ihm bei Sicherheitsproblemen am Reaktor von Tschernobyl behilflich zu sein.

Ein angeblicher Ost-Agent setzt Heller auf eine weitere Spur: Der KGB sei damals Auftraggeber des Mordes gewesen, man wollte verhindern, dass Lebedew Kontakt zu westlichen Atomexperten aufnimmt. In Mexiko kommt Heller einer großangelegten Sabotageaktion auf die Spur. Zeugen verschwinden, Heller wird bedroht, er legt den Fall abermals zur Seite – bis ihn die NSA-Affäre wieder hochspült.

Und wie geht’s weiter?

Das Ende (oder eine mögliche Fortsetzung) der Ermittlungen des Kriminaldirektors Alwin Heller lässt Ulrich Effenhausers neuer Roman „Brand“ durchaus offen. Denn die Hauptperson, der Kriminalist selbst, ist nämlich in dem Buch eigentlich gar nicht vorhanden. Vielmehr hat er nur einen Ermittlungsakt hinterlassen, den sein Amtsnachfolger quasi durchliest und an einen Vorgesetzten weiterreicht.

Heller selbst ist aus dem BKA-Dienst ausgeschieden (ober vorübergehend oder dauerhaft, das ist nicht beschrieben) und offenbar auf der Suche nach der schon genannten geheimnisvollen Frau, die nach Lage der Dinge und Ereignisse eine skrupellose Geheimagentin aus Russland ist, was den Kriminalisten keineswegs gehindert hat, sich wenigstens zeitweise in sie zu verlieben.

Der Leser darf gespannt sein, ob, wann und wie Heller auftaucht. Um so weit zu kommen (und dann wird sich zweifellos das Interesse an weiteren Ermittlungen einstellen…) muss man sich jedoch durch diese ungemein dicht geschriebene „Ermittlungsakte“ arbeiten – vermutlich an einem oder zwei Leseabenden – siehe oben, die spannende Unterhaltung garantieren. ISBN 978-3-88747-338-9

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