MyMz
Anzeige

Tiere

Der weltgrößten Eule ganz nah

Kötztings Realschüler bekamen die Gelegenheit, einen Uhu, der vom LBV gepflegt wurde, in freier Wildbahn zu erleben.
Von Stefan Weber

Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz entließ gemeinsam mit den Schülern der 6b der Realschule der Pfingstrittstadt einen Uhu wieder in die Freiheit, der einen Monat lang durch den LBV in Regenstauf gesund gepflegt worden war. Fotos: S. Weber
Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz entließ gemeinsam mit den Schülern der 6b der Realschule der Pfingstrittstadt einen Uhu wieder in die Freiheit, der einen Monat lang durch den LBV in Regenstauf gesund gepflegt worden war. Fotos: S. Weber

Bad Kötzting.Es ist fast so, als würden die Kinder der 6b auf den Auftritt eines Filmstars warten. Leuchtende Augen, gespanntes Warten, die Handys gezückt, den Blick auf eine schlichte kleine Holzkiste gerichtet. Vor der stehen Markus Schmidberger, Leiter des Zentrums des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Nößwartling, und Angelika Nelson, die hier gerade Bundesfreiwilligen-Dienst leistet. Das Hauptaugenmerk der Kinder liegt aber auf dem, was in der Kiste wartet: Ein ausgewachsener Uhu

Das Tier war kurz vor Weihnachten nahe des Campingplatzes am Weißen Regen gefunden worden, ausgehungert und geschwächt. Warum, das weiß auch Schmidberger nicht.

Vielleicht doch zu jung?

„Es sieht nach einem sehr jungen Tier aus“, erklärt er den Realschülern der Pfingstrittstadt am Mittwoch bei Morgendämmerung. Vielleicht sei er noch so jung, dass ihm die richtige Jagdtaktik gefehlt habe, um selbst überleben zu können. Warum auch immer – auch wenn Uhus nicht mehr so stark vom Aussterben bedroht seien wie noch vor einigen Jahren, so müssten die Tiere doch immer noch besonders geschützt werden, sagt Schmidberger.

Transport: Der Uhu ist die größte Eule der Welt, wie Markus Schmidberger den Kinder berichtete. Dennoch wurde er nur in einer relativ kleinen Box transportiert, damit er sich während der Fahrt durch Flattern nicht selbst verletzen kann. Fotos: S. Weber
Transport: Der Uhu ist die größte Eule der Welt, wie Markus Schmidberger den Kinder berichtete. Dennoch wurde er nur in einer relativ kleinen Box transportiert, damit er sich während der Fahrt durch Flattern nicht selbst verletzen kann. Fotos: S. Weber

Das Tier wurde in den vergangenen Wochen gesund gepflegt. „Allerdings nicht in Nößwartling“, sagt Schmidberger. Dafür wäre das LBV-Zentrum zu klein. Darum ging die Reise für das angeschlagene Tier weiter nach Regenstauf, wo er in bis zu 15 Meter langen Volieren gehalten werden konnte. An diesem Tag ist der Vogel wieder bereit, alleine überleben zu können. „Der Uhu ist hier zu Hause und kommt auch zurecht“, erklärt Schmidberger den Kindern. Den Flug des Uhus, der die größte Eule der Welt sei, miterleben zu dürfen, sei eine einmalige Chance, sagt er.

Ernährung: Von Uhus ist bekannt, dass sie auch Katzen fressen; kleinere Vögel wie Rabenkrähen, Wühlmäuse und Ratten stehen ebenfalls auf dem Speiseplan des Vogels, der keine natürlichen Feinde hat. Die größte Gefahr für ihn sind etwa Unfälle mit Autos oder Stromleitungen. Fotos: S. Weber
Ernährung: Von Uhus ist bekannt, dass sie auch Katzen fressen; kleinere Vögel wie Rabenkrähen, Wühlmäuse und Ratten stehen ebenfalls auf dem Speiseplan des Vogels, der keine natürlichen Feinde hat. Die größte Gefahr für ihn sind etwa Unfälle mit Autos oder Stromleitungen. Fotos: S. Weber

Zum einen seien gerade einmal sieben Nistplätze im ganzen Landkreis Cham bekannt; zum anderen seien die Tiere in freier Wildbahn nur nachtaktiv. „Während des Tages verstecken sie sich“, sagt Schmidberger. Das liege nicht einmal daran, dass die Tiere bei Tag nichts sehen würden. Uhus hätten sehr scharfe Augen – zumindest, wenn es darum gehe, in die Ferne zu blicken. Doch der Uhu sei der Fressfeind vieler kleinerer Vogelarten (siehe Info), die sich unter tags gemeinsam auf ihn stürzen und zumindest „ärgern“, „hassen“ könnten, wie die Fachleute es nennen. Darauf habe der Uhu verständlicherweise keine Lust, er suche sich seine Opfer lieber aus, während die schliefen. Wie der Vogel überhaupt nach Bad Kötzting gekommen ist, das wüssten die Experten vom LBV selbst nicht, denn der nächste Nistplatz befinde sich erst wieder bei Miltach. „Vielleicht wurde er durch den Greifvogelpark in der Nähe angelockt“, schätzt Schmidberger.

Dem großen Vogel ganz nah

Dann kommt endlich der große Augenblick, der Uhu wird aus der Kiste genommen. Die Schulklasse mit Biologie-Lehrerin Uschi Schnell und Schulleiterin Sabine Schmid kommt vor allem darum in den Genuss, den Uhu hautnah sehen zu können, weil die Schule seit Jahren zu den fleißigsten Spendensammlern für den LBV im Landkreis gehört.

Gefieder: Auch wenn es keine größere Eule auf der erde gibt – ohne Federkleid wäre sie trotzdem „ganz klein“, wie der Fachmann erklärte. Denn rund die Hälfte der Größe machten die vielen Federn aus, die der Vogel habe. Fotos: S. Weber
Gefieder: Auch wenn es keine größere Eule auf der erde gibt – ohne Federkleid wäre sie trotzdem „ganz klein“, wie der Fachmann erklärte. Denn rund die Hälfte der Größe machten die vielen Federn aus, die der Vogel habe. Fotos: S. Weber

Mit einem gekonnten Griff nimmt Markus Schmidberger den Uhu aus der Kiste. Das Tier bleibt ganz ruhig und schaut sich erst einmal um. Kurz nimmt er sich Zeit und zeigt das Tier den Kindern aus der Nähe. Die scharfen Krallen, die langen Flügel. Aber nicht zu lange, denn schließlich soll der Uhu endlich wieder in die Lüfte abheben. Ob er es nun schaffen wird, sich selbst zu versorgen, das wissen auch die Experten vom LBV nicht. „Das ist auch nicht unsere Aufgabe“, sagt Schmidberger. Wichtig sei, gewesen, der bedrohten größten Eule der Welt zu helfen. Nun müsse sie wieder selbst zurechtkommen. Der Uhu lässt sich auch nicht lange bitten, als Markus Schmidberger seine Flügel freigibt. Schnell steigt er in die Lüfte empor und ist vor der Silhouette des Kaitersberges ganz schnell verschwunden.

Tages-Rhythmus: Der Uhu ist ein rein nachtaktiver Vogel. Während des Tages ruht er an Stellen, an denen er nicht gesehen werden kann, was den Ausflug am Mittwochvormittag zu etwas gans Besonderen macht. Denn in freier Wildbahn hätte wohl keiner der Schüler jemals einen Uhu gesehen. Fotos: S. Weber
Tages-Rhythmus: Der Uhu ist ein rein nachtaktiver Vogel. Während des Tages ruht er an Stellen, an denen er nicht gesehen werden kann, was den Ausflug am Mittwochvormittag zu etwas gans Besonderen macht. Denn in freier Wildbahn hätte wohl keiner der Schüler jemals einen Uhu gesehen. Fotos: S. Weber

„Das war ein toller und seltener Event, den wir schätzen sollten“, sagt Sabine Schmid zu den Schülern anschließend. Das ist bei der 6b aber auch so angekommen, wie die stille Faszination an diesem Morgen beweist – und sehr wahrscheinlich werden sie ja nie wieder einen Uhu sehen.

Weitere Nachrichten aus Bad Kötzting und dem gesamten Landkreis finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht