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Umwelt

Die Post setzt auf Elektro-Autos

Seit kurzem sind im Raum Kötzting neuartige Fahrzeuge der Post unterwegs. Die „Streetscooter“ werden elektrisch betrieben.
von Fred Wutz

Sie fallen durch ihr ungewöhnliches Design und natürlich durch ihre Farbe sofort auf: Vor wenigen Wochen wurden in Bad Kötzting die ersten elektrisch betriebenen „Streetscooter“ der Deutschen Post in Betrieb genommen.
Sie fallen durch ihr ungewöhnliches Design und natürlich durch ihre Farbe sofort auf: Vor wenigen Wochen wurden in Bad Kötzting die ersten elektrisch betriebenen „Streetscooter“ der Deutschen Post in Betrieb genommen. Fotos: Fred Wutz

Bad Kötzting.Sie sind in doppelter Hinsicht eine Überraschung im Straßenverkehr – die „Streetscooter“ der Deutschen Post: Erstens sind sie knallig gelb. Zweitens sehen sie ganz anders aus als die übrigen Fahrzeuge. Und drittens sind sie fast lautlos. Seit kurzer Zeit sind in Bad Kötzting neuartige „Postautos“ zu beobachten. Die Besonderheit ist, dass sie elektrisch betrieben werden. Nach und nach werden sie im Zustelldienst die bisher hauptsächlich eingesetzten VW-Transporter ersetzen.

„Da haben wir wirklich tolle Fahrzeuge bekommen!“ – Manfred Hamsa, der in Bad Kötzting als Post-Zusteller arbeitet, ist von den neuen Autos begeistert. Und auch seine Kollegen sind zunehmend überzeugt, wie er verrät. „Kurz vor Weihnachten haben wir die ersten Scooter gekriegt“, erzählt Hamsa, „nach und nach sind sie eingesetzt worden, wir mussten ja auch zuerst einmal ausgebildet werden, damit wir sie fahren können.“ Normaler Führerschein ist Voraussetzung, dazu kommt die Fahrzeugeinweisung.

Momentan fünf Elektrofahrzeuge

Ein Bildschirm mit Rundumsicht-Kamera, das Lenkrad, ein Schalthebel „Vorwärts-Parken-Rückwärts“, zwei Pedale zum Bremsen oder Beschleunigen und Halterungen für die gelben Postbehälter – das ist das Führerhaus im Streetscooter der Post.
Ein Bildschirm mit Rundumsicht-Kamera, das Lenkrad, ein Schalthebel „Vorwärts-Parken-Rückwärts“, zwei Pedale zum Bremsen oder Beschleunigen und Halterungen für die gelben Postbehälter – das ist das Führerhaus im Streetscooter der Post. Fotos: Fred Wutz

Fünf dieser „Streetscooter“ sind in Bad Kötzting momentan im Rahmen einer Art Test eingesetzt. Nach und nach sollen die 26 Fahrzeuge des Zustellstützpunktes durch die Elektroautos ersetzt werden. „Bisher ist alles normal“, weiß Manfred Hamsa. Abgesehen von minimalen Problemen laufen die Scooter störungsfrei. Er selbst ist damit in verschiedenen Abschnitten des Zustellbereiches unterwegs. Hafenberg, Ried am See, der Schinderbuckel und natürlich die Innenstadt von Bad Kötzting werden befahren. „Wenn wir nach fünf bis sechs Stunden von den Touren zurückkommen, dann haben wir immer noch 55 Prozent Restkapazität in den Batterien“, erzählt Hamsa, „sogar bei Frost ist das so!“

Meistens fahren die Bad Kötztinger Streetscooter der Deutschen Post mit einer Art Spargang – ECO genannt – und sind somit voll auf Energiesparen eingestellt, wie Manfred Hamsa verrät. Das Resultat sei bemerkenswert: „Ich bin überrascht, wie gut der läuft. Und die Kollegen, die schon etwas Erfahrung damit haben, sehen das auch so, weil das Fahrzeug auch sonst noch einige Vorteile hat.“

Momentan sind sie noch im Einsatz, aber die bekannten VW-Transporter („Bulli“) sollen einmal fast völlig aus dem Zustelldienst der Deutschen Post verschwinden. Sie werden nach und nach durch die elektrisch betriebenen Streetscooter ersetzt.
Momentan sind sie noch im Einsatz, aber die bekannten VW-Transporter („Bulli“) sollen einmal fast völlig aus dem Zustelldienst der Deutschen Post verschwinden. Sie werden nach und nach durch die elektrisch betriebenen Streetscooter ersetzt. Fotos: Fred Wutz

Dass der Streetscooter bei den Zustellern gut ankommt, hat seine nachvollziehbaren Gründe. Die Fahrzeuge wurden seitens der Deutschen Post selbst entwickelt und in einem eigens gekauften Werk gebaut. Das Ergebnis ist ein absolut funktionelles und auf den Zustelldienst orientiertes Gerät, das einen quaderförmigen Laderaum hat, der im Gegensatz zum bisher eingesetzten VW-Transporter völlig „glatt“ ist und keinerlei Hindernisse (wie z. B. Radkästen) aufweist. Auf Knopfdruck öffnet sich automatisch an jeder Seite eine Tür. Ein eigener Paketwagen für schwere Sendungen ist vorhanden. Und das Fahrerhaus ist einfach und durchdacht zugleich: Halterungen für die Brief-Transportkästen sind statt des Beifahrersitzes eingebaut; mit einem Schalthebel wird die Auswahl „Vorwärts-Parken-Rückwärts“ in der Fahrstufe eingestellt; „Bremse“ und „Gas“, dazu das Lenkrad und eine Außenkamera (mit Rundumsicht 360 Grad!) komplettieren die Ausstattung des Scooters.

Spezielle Ladestationen im Zustellstützpunkt versorgen die elektrisch betriebenen Scooter mit Energie. Außenstehende können dort übrigens nicht „tanken“: Die Stationen sind gesichert und werden nur von Spezial-Chips aktiviert, die zum Auto gehören.
Spezielle Ladestationen im Zustellstützpunkt versorgen die elektrisch betriebenen Scooter mit Energie. Außenstehende können dort übrigens nicht „tanken“: Die Stationen sind gesichert und werden nur von Spezial-Chips aktiviert, die zum Auto gehören. Fotos: Fred Wutz

„Ein wenig umlernen haben wird da schon müssen“, meint Manfred Hamsa, „die neuen Autos beschleunigen mit dem Elektroantrieb stärker als die anderen Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinmotor. Und vor allem müssen wir als Fahrer ganz besonders auf die Fußgänger aufpassen. Die hören uns nämlich nicht mehr kommen, weil der elektrische Antrieb so leise ist. Aber wenn man ein wenig mit dem Scooter unterwegs ist, dann lernt man das schnell.“

Post setzt auf Elektroantrieb

Mit einer Leistung von 30 KW (das entspricht knapp 41 PS) sind die Scooter „motorisiert“, sie haben ein Leergewicht von 1,4 Tonnen und können rund 650 Kilo zuladen. Frontantrieb, ABS, Servolenkung usw. sind – wie bei normalen Autos auch – serienmäßig vorhanden. Die Deutsche Post wird den Streetscooter übrigens auch an „zivile“ Interessenten verkaufen. Es wird auch schon ein Modell mit noch mehr Ladekapazität entwickelt.

Der Laderaum der neuen Zustellfahrzeuge ist groß bemessen, hat einen glatten Boden und enthält als Zusatzausstattung einen Paketwagen. Die Türen öffnen sich auf Knopfdruck automatisch und erleichtern den Zustellern so die Arbeit erheblich.
Der Laderaum der neuen Zustellfahrzeuge ist groß bemessen, hat einen glatten Boden und enthält als Zusatzausstattung einen Paketwagen. Die Türen öffnen sich auf Knopfdruck automatisch und erleichtern den Zustellern so die Arbeit erheblich. Fotos: Fred Wutz

Für den Zustellstützpunkt Bad Kötzting wird die Umstellung auf die Fahrzeuge mit Elektroantrieb nach und nach vollzogen. Auch andere Dienststellen der Deutschen Post in der Region werden in der Folge ausgestattet, beispielsweise ist auch schon im Bereich Cham ein Streetscooter eingesetzt. Manfred Hamsa ist von der Umrüstung überzeugt: „Speziell für Bad Kötzting ist das eine tolle Sache“, sagt er, „wir haben doch einen Kurort, und wenn die Deutsche Post in Sachen Umwelt da einen Beitrag leisten kann, dann ist das toll!“

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