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Die Steine der Heimat sind sein Metier

Manfred Bergbauer aus Bad Kötzting ist seit seiner Kindheit auf der Suche nach den harten Bodenschätzen des Bayerwalds.
Von Alois Dachs

Manfred Bergbauer sammelt seit seiner Kindheit Mineralien aus dem Bayerwald und kennt die meisten Vorkommen.
Manfred Bergbauer sammelt seit seiner Kindheit Mineralien aus dem Bayerwald und kennt die meisten Vorkommen. Foto: Tschannerl

Bad Kötzting.„Steinreich“ zu sein, davon träumt wohl jeder materialistisch eingestellte Mensch. Der gelernte Zahntechniker Manfred Bergbauer vom Roten Steg hat sich diesen Traum durch kontinuierliches Sammeln, „von Kindesbeinen an“, erfüllt. Allerdings kann er sich nicht an einem riesigen Haufen Geld erfreuen, sondern an einer Mineraliensammlung, die er in mehreren Vitrinen im Untergeschoss seines Elternhauses aufgebaut hat. Und er hat die Erfahrung gemacht, dass Mineraliensammler niemals mit dem zufrieden sein dürfen, was sie schon haben, sondern immer nach noch schöneren Steinen Ausschau halten sollten.

Als 13-jähriger Schüler hatte Manfred Bergbauer einmal die riesige Mineraliensammlung von Dr. Fritz Albrecht, dem Chef der damaligen „ARA-Quarzit“ und Gründer der heutigen „ARA-Kunst“ anschauen dürfen – und er war total fasziniert, vom Aufbau, vom Glitzern der Steine und der großen Vielfalt an Mineralien, die es im Bayerischen Wald gibt.

Rauchquarz zählt zu den schönsten Bayerwald-Mineralien.
Rauchquarz zählt zu den schönsten Bayerwald-Mineralien. Foto: Tschannerl

Als ihm seine Eltern zu Weihnachten ein Buch zur Bestimmung von Mineralienfunden schenkten, war der Sammlertrieb des Schülers endgültig geweckt. Mit dem Bus fuhr Manfred Bergbauer nach Bodenmais, um am Silberberg seine ersten Mineralien zu suchen und sie zu Hause zu bestimmen.

Jedes Wochenende unterwegs

„Seitdem bin ich fast jedes Wochenende zwischen Furth im Wald und Passau unterwegs“, sagt der Sammler, der seit Jahren auch Mitorganisator der Mineralienbörse in Bad Kötzting ist. Der versteinerten Vielfalt im Boden des Bayerischen Waldes gilt sein Hauptaugenmerk. Erfolgversprechend seien dabei vor allem „Aufschlüsse“, Erdarbeiten für Straßenbau, Sprengungen, aber auch Steinbrüche, für deren Betreten aber unbedingt eine Genehmigung des Betreibers einzuholen ist. Der Pfahl mit seinen Quarzsteinen, die Steinbrüche bei Tittling, Hauzenberg und Rattenberg enthalten ebenso schöne Mineralien wie der Hohenbogen.

Sehen Sie hier unser Video über Mineraliensammler Manfred Bergbauer:

Seine Mineraliensammlung hat Manfred Bergbauer in mehreren Vitrinen im Untergeschoss seines Elternhauses aufgebaut. Video: Tschannerl

Die jährliche Mineralienbörse, aber auch gelegentliche Stammtische der Sammler sind nach Aussage von Manfred Bergbauer wichtig, um sich mit Kollegen auszutauschen. Bei der Mineralienbörse liegen die Schwerpunkte meist auf Quarz und Kalkspat, die durchschnittlich 400 bis 500 Besucher kommen aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern. „Da wird viel getauscht“, erzählt der Sammler.

Quarzkristalle statt Schwammerl

Einige besonders schöne Quarzkristalle hat Manfred Bergbauer beim Schwammerlsuchen im Bärnloch, zwischen Hafenberg und Sackenried, gefunden. Seine Sammlung ist nach den verschiedenen Fundorten aufgebaut. Hafenberg, das ehemalige Gelände der ARA-Quarzit in Altrandsberg, das Eck bei Arnbruck, das Graphitgebiet in Kropfmühl bei Passau, Amethyste von der Saldenburg bei Passau, Quarz mit Topas-Einschlüssen aus dem Gebiet Schönberg, alles hat Manfred Bergbauer akribisch geordnet und von Hand beschriftet.

Zur Person: Manfred Bergbauer

  • Mineralien

    Bereits als 13-Jähriger fand der Kötztinger Zugang zu Mineralien, als er eine Ausstellung in Altrandsberg besuchte.

  • Sammler

    Rund 600 Steine hat er für seine Sammlung bisher zusammengetragen, bestimmt, gewaschen, formatiert und beschriftet.

  • Orte

    Praktisch jedes Wochenende ist der Bad Kötztinger unterwegs, um an Baustellen, in Steinbrüchen , oder an Bachläufen nach Aufschlüssen zu suchen, die Mineralien bergen.

  • Gebiet

    Die häufigsten Mineralien im Sammelgebiet zwischen Furth im Wald und Passau sind Quarzkristalle, Turmalin, Granat und Rosenquarz.

  • Funde

    Zur Bestimmung der Funde verwendet Manfred Bergbauer sein Mikroskop, teilweise in Kombination mit ultraviolettem Licht, oder er schickt seltene Funde zur Röntgenuntersuchung ein.

  • Kontakt

    Wer Mineralienfunde hat, die er nicht selbst sicher bestimmen kann, kann sie von Manfred Bergbauer (Tel. 09941/4839, abends) bestimmen lassen. (kad)

Die Schildchen will er in nächster Zeit noch professioneller gestalten, aber was in den Vitrinen lagert, ist nur ein Bruchteil seiner Fundstücke. Im benachbarten Kellerraum stapeln sich Obstkisten bis zur Decke, in denen viele Zentner Mineralien noch auf eine Bestimmung und auf einen Platz in weiteren Vitrinen warten.

Mit Mikroskop oder Röntgenstrahl

Wie findet ein Sammler interessante Steine? „Man schaut auf die Pegmatitgänge, in denen kommen hauptsächlich die Mineralien vor“, erklärt Bergbauer. Wenn es nicht gelingt, mit dem Mikroskop eine Steinzusammensetzung genau zu bestimmen, schickt sie der Sammler an einen Spezialisten zur Röntgenuntersuchung. „Die ist sehr zuverlässig“, erklärt Bergbauer, denn von den 5000 verschiedenen Mineralien, die bestimmt werden können, zeigt unter dem Röntgenstrahl jedes einen anderen Ausschlag.

Sehen Sie hier unsere Bildergalerie über Mineraliensammler Manfred Bergbauer:

„Sammlerstücke sollten nicht bearbeitet werden“, erklärt Bergbauer eine weitere Maxime. Um aus einem größeren Stein ein „sammelwertes“ Stück herauszuholen, hat er sich von Heinrich Müller, dem „Grubmüller“, vor Jahren eine spezielle Steinpresse bauen lassen, die den Stein mit Hy-draulikkraft exakt brechen kann. Nur wenige Mineralien in seiner Sammlung sind geschliffen oder poliert, Cordierit eignet sich zum Beispiel zum Schleifen, erklärt der Sammler, der lieber Mineralien in seinen Vitrinen hat, die mit „inneren Werten glänzen“. Unter ultraviolettem Licht entwickelt sich unter dem Mikroskop zum Beispiel an der Oberfläche von Autunit oder Tobernit eine bunte Märchenwelt.

Mit Zahnbürste und Ultraschall

Mineralien finden ist nur der erste Schritt der erfolgreichen Sammlertätigkeit. Nach der Bestimmung wird der Stein gewaschen und formatiert. „Der Einschluss muss richtig sein“, erklärt Manfred Bergbauer. Mit der Zahnbürste wird der Fund gereinigt, bei fasrigen Teilen kommt er ins Ul-traschallbad. Erst dann winkt ein Platz in einer der zahlreichen Vitrinen, in denen Manfred Bergbauer seine Schätze präsentiert. Für ihn und seine Sammlerfreunde sind die oft unscheinbaren Steine voller Leben.

Auch Gold kann in kleinen Mengen aus Bächen gewaschen werden.
Auch Gold kann in kleinen Mengen aus Bächen gewaschen werden. Foto: Tschannerl

Die Sammlertätigkeit erstreckt sich auch auf Wasserläufe, in denen Manfred Bergbauer auch schon gelegentlich kleine Mengen Gold gefunden hat. Die winzigen Körnchen (erbsengroße „Nuggets“ sind eher selten) werden auf traditionelle Art mit der Goldwaschpfanne ausgewaschen und sorgsam eingetütet. Nach rund 40 Jahren erfolgreicher Sammlertätigkeit sieht Manfred Bergbauer noch keinen Abschluss für die Jagd nach Mineralien. Schließlich gehe es darum, die Sammlung immer weiter zu verbessern, noch „steinreicher“ zu werden.

Mehr Fotos und alle Teile der Sammlerserie finden Sie unter hier!

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