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Schule

Ganz ohne Geld auf Abschlussfahrt

Rom? London? Die 11. Klasse des Bad Kötztinger BSG wählte sich eine fünftägige Wanderung als Ziel und hat dabei viel gelernt.
Von Stefan Weber

Bepackt mit Schlafsack, Isomatte und 400 Gramm Lebensmittelration für Notfälle ging es los.
Bepackt mit Schlafsack, Isomatte und 400 Gramm Lebensmittelration für Notfälle ging es los. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Bad Kötzting.Gemeinsam kurz vor dem Schulabschluss noch einmal richtig weit verreisen, das gehört für sehr viele Schüler zum Ende ihrer Ausbildung in den verschiedenen Schularten einfach dazu. Dafür werden in der Regel eher ferne Ziele ausgesucht. Rom, London, Athen ... Darum ernteten die 15 Schüler der elften Klasse am Benedikt-Stattler-Gymnasium vor allem Kopfschütteln, als sie sich auf eine Idee ihrer Lehrer Gertrud Lauerer und Karsten Nasdal einließen. „Ohne Geld durch die Welt“ lautete der Titel der Abschlussfahrt, die nicht bequem mit dem Flugzeug in eine der Hauptstädte Europas, sondern zu Fuß und mit dem Zug von Zettisch nach Regensburg führte.

Auch die Kollegen hätten „die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, sagen die beiden Lehrer im Rückblick beim Treffen der Gruppe zur Nachbesprechung vor wenigen Tagen. Fünf Tage ohne Geld und Handy, „dem puren Leben ausgeliefert“, geht das überhaupt?

„Geld ausgeben ist leicht“

Drei Stunden lang befreite die Gruppe den Wald beim Klettergarten vom Müll.
Drei Stunden lang befreite die Gruppe den Wald beim Klettergarten vom Müll. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Gewusst haben das zu Beginn weder die Schüler noch die Lehrer. „Wir hatten kein Vorbild dafür“, erinnert sich Gertrud Lauerer, die durchaus zugibt, dass ihr am Abend vor dem Start der Reise schon „etwas anders wurde“. Die Schüler sahen es eher gelassener: „Wegfliegen und Geld ausgeben kann jeder, aber so war klar, dass es eine Erfahrung wird“, sagt eine der Teilnehmerinnen – und sie sollte Recht behalten.

Das Projekt

  • Verboten:

    Fünf Tage lang gab es kein Handy, keinen MP3-Player, selbst Bücher waren verboten – und natürlich Bargeld. Ausnahme: Für die Zugfahrt und ein Lagerfeuer am ersten Abend wurden 25 Euro zugelassen.

  • Erlaubt:

    Den Rucksack durfte jeder Teilnehmer so packen, wie er es für richtig hielt. Auch eine Notration an Essen war erlaubt, allerdings beschränkt auf ein Gewicht von 400 Gramm.

  • Organisiert:

    Vorab vereinbart wurden nur die Übernachtungsmöglichkeiten für die Gruppe.

  • Sonntag,26.Juli:

    Um 14 Uhr traf sich die Gruppe am Ulrichshof in Zettisch, von hier aus ging es zu Fuß ins LBV-Zentrum nach Nößwartling – als Gegenleistung für Führungen, die die Schüler übernahmen, gab es Kost, Logis und sogar ein wenig Geld.

  • Montag:

    Mit der Bahn ging es nach Etterzhausen, übernachtet wurde im Vereinsheim in Undorf.

  • Dienstag:

    Es wurde von Undorf nach Sinzing gewandert, im dortigen Kulturhaus war das Nachtlager.

  • Mittwoch:

    Wanderung nach Riegling, wo im Walderlebniszentrum Regensburg übernachtet wurde.

  • Donnerstag, 30. Juli:

    Wanderung nach Regensburg, Heimfahrt mit dem Zug nach Bad Kötzting. (wf)

Zum Dank für ihre Arbeit im Klettergarten durfte die Gruppe anschließend sogar ein wenig darin herumklettern.
Zum Dank für ihre Arbeit im Klettergarten durfte die Gruppe anschließend sogar ein wenig darin herumklettern. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Vor allem, so berichten alle, die dabei waren, wurden sie überrascht. Nicht nur von der Situation an sich. Die Tage ohne Fernsehen, Internet, Schlafen nur auf dem Boden, keine verfügbare Dusche oder die Nachfrage in Supermärkten und Geschäften nach abgelaufenen Nahrungsmitteln – natürlich alles ungewohnt. Viel überraschender sei es aber gewesen zu erleben, wie die Menschen auf ihrer Reise auf das Experiment reagierten, denn die seien überwiegend „begeistert“ gewesen.

Arbeitseinsatz in der Pfarrei Arnschwang: Als Lohn gab es Kaffee und Döner.
Arbeitseinsatz in der Pfarrei Arnschwang: Als Lohn gab es Kaffee und Döner. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Darum fiel das Leben dann gar nicht so karg aus, wie alle vorab befürchtet hatten. Beim LBV in Nößwartling gab es sogar ein wenig Geld für die geleistete Arbeit, für die Hilfe bei der Reinigung des Kirchturmes in Arnschwang Döner für die Helfer. Richtig Hunger habe niemand während der ganzen Zeit leiden müssen, aber das Bewusstsein für Nahrung habe sich schnell verändert. Einen geschenkten Kuchen etwa trugen die Schüler so lange mit, „bis er so bröselig war, dass ihn normalerweise niemand mehr essen würde“, sagt Gertrud Lauerer. Auch hätte vor dieser Reise niemand geglaubt, dass eine Mango für 17 Personen ein Festessen sein könnte – war sie aber.

Zum Glück gab es spendable Gastgeber, wie im Sportheim Undorf. Aber auch kleine Geschenke, wie etwa eine einzelne Mango, wurden bei der Reise zum „Festmahl“.
Zum Glück gab es spendable Gastgeber, wie im Sportheim Undorf. Aber auch kleine Geschenke, wie etwa eine einzelne Mango, wurden bei der Reise zum „Festmahl“. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Natürlich ist allen klar, dass sie viel Glück hatten bei ihrem Experiment, und dass die Erinnerungen auch darum so positiv ausfallen, weil ihnen viel auf ihrem Weg geholfen wurde. „Darum bleibt das jetzt erst einmal auch eine einmalige Sache“, sagt Lauerer. Dabei fällt die Suche nach Negativ-Erfahrungen sehr dürftig aus. Die Menschen in den Geschäften, mit denen die Schüler gesprochen haben, hätten alle sehr zuvorkommend reagiert, und auch in der Gruppe selbst sei es zu keinen Reibereien gekommen. Nur die zu erwartende Nacht am vierten Tag im Walderlebniszentrum in Regensburg bei Regen im Freien habe die Stimmung etwas gedämpft. „Und als das beim LBV verdiente Geld langsam zu Neige ging, stellte sich natürlich die Frage, was davon gekauft werden sollte“, sagt Karsten Nasdal. Natürlich gab es unter den Jugendlichen Stimmen, die mit dem Geld lieber für Partystimmung gesorgt hätten, letztlich siegte aber auch hier die Vernunft.

Keine Uhr, keine Termine

Ohne Geld und ohne Handy: Das gemeinsame Spiel drängte sich immer wieder auf.
Ohne Geld und ohne Handy: Das gemeinsame Spiel drängte sich immer wieder auf. Foto: Benedikt-Stattler-Gymnasium

Schüler und Lehrer haben auf jeden Fall alle viel gelernt, wie sie sagen. „Zum Beispiel schmeckt ein Essen, das man geschenkt bekommt, besser, als wenn man es einfach im Wirtshaus kauft.“ Oder auch, dass „man ohne Handy auf einmal viel mehr Zeit hat“. Dass diese Zeit zudem nicht verplant war, gehört ebenfalls zu den Erfahrungen, die für die meisten neu waren. Keine Uhr, keine Termine. Als Hauptbeschäftigung die Wanderung von A nach B, die Fragen nach Nahrungsmitteln oder Arbeiten für Essen. Da wurde ein Ball zum begehrten Zeitvertreib am Abend. „Runtergezählt“ habe die Tage aber niemand, sagen die Schüler.

Was mit dem schlichten Titel „Ohne Geld durch die Welt“ begonnen hat, das merkt man im Gespräch schnell, ist für die künftigen Abiturienten zu einer echten Lebenserfahrung geworden. Nicht um zu beweisen, dass man nichts braucht – aber für ein paar Tage erfahren, wie wenig prinzipiell notwendig ist, um glücklich zu sein, das haben sie alle mit nach Hause genommen von ihrer besonderen Abschlussfahrt.

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