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Gesundheit für die Belegschaft

Betriebliches Gesundheits-Management hilft Arbeitnehmern und Firmeninhabern, war in Bad Kötzting zu erfahren.
Von Monika Kammermeier

Je weniger Mitarbeiter, umso mehr ist der Betrieb von jeder Krankmeldung betroffen. Darum ist Betriebliches Gesundheits-Management nicht nur etwas für die großen Firmen.
Je weniger Mitarbeiter, umso mehr ist der Betrieb von jeder Krankmeldung betroffen. Darum ist Betriebliches Gesundheits-Management nicht nur etwas für die großen Firmen. Foto: dpa

BAD KÖTZTING.Zum ersten Unternehmertag im Sinocur-Präventionszentrum hatte die Stadt am Mittwoch eingeladen. Neben Hausherrn Anton Staudinger begrüßte Bürgermeister Markus Hofmann auch 48 Teilnehmer. Einen Unternehmertag soll es künftig ein bis zwei Mal im Jahr geben. Es gelte, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Belegschaft zu erhalten – Ziel sei es, so Hofmann, dafür ein dauerhaftes System in den Betrieben einzurichten.

Der erste Unternehmertag beinhaltete Informationsvorträge von Stiftungsprofessor Dr. Stephan Gronwald über Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und über das Sinocur-Lebensstilprogramm von Professor Dr. Erich Wühr. Anschließend gab es einen Stehempfang und eine Führung durch das Präventionszentrum. Professor Gronwald erläuterte, dass kleine und mittelständische Unternehmen einen großen Verlust erlitten, wenn ein Mitarbeiter wegen Krankheit ausfiele. Gerade für sie sei das Sinocur eine Anlaufstelle. Die Teilnehmer stellten heraus, welche Inhalte und Ziele sie mit betrieblicher Gesundheit verbinden: wenig Krankheitstage, Zufriedenheit der Mitarbeiter, Unfallvermeidung, belastbare Kollegen, Resilienz, verbessertes Betriebsklima und anderes.

Gronwald zeigte die Spätfolgen auf: Fehlzeiten, häufige Wechsel der Arbeitnehmer, Fehler und Qualitätsverlust, innere Kündigung. Es gelte, diese „Frühindikatoren“ herauszufinden und zu verhindern – und das sei Aufgabe des Betriebes. Auch verwies er darauf, dass nach geltendem Recht ein Mensch mit einer chronischen Erkrankung eine Behinderung habe – und ein behinderter Mensch habe andere Rechte. Die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft sei aber das erklärte Ziel des Betrieblichen Gesundheits-Managements. Der Betrieb müsse damit 100 Prozent der Mitarbeiter erreichen und nicht nur Gesundheit, sondern auch Vertrauen aufbauen. Der Arbeitgeber habe auch eine Weisungs- neben seiner Fürsorgepflicht.

Was belastet in der Arbeit?

Zu den Arbeitsbelastungen zählten Zeitdruck, unklare Rollen und Überforderung, was eine negative Gesundheit ergebe mit Schlafproblemen, Erschöpfung und Schmerzen. Arbeitsressourcen seien Wertschätzung und Unterstützung durch Arbeitgeber und Mitarbeiter, Handlungsspielraum und Ganzheitlichkeit. Das ergebe eine positive Gesundheit mit Zufriedenheit, Zugehörigkeit und Begeisterung. Zur Verdeutlichung, wie wichtig das ist, führte der Referent an, dass bei den Gründen für einen Arbeitsabbruch der finanzielle Faktor einer Studie zufolge erst an fünfter Stelle komme. Auch bei der Analyse zu den Frühindikatoren könne das Kompetenzzentrum helfen. BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) sei es, so Gronwald, wenn ein Unternehmen sich entscheide, seine Mitarbeiter nicht nur fachlich weiterzubilden, sondern auch die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft seiner Mitarbeiter systematisch und planvoll zu entwickeln.

Erste Betriebe machen schon mit

Mit einem BGM-Prozessberater lerne man Schritt für Schritt, was hierfür gemacht werden könne. BGM-Prozessbegleiter ist eine einjährige berufsbegleitende Ausbildung, die von der Technischen Hochschule in Deggendorf durch die Professoren Gronwald und Wühr angeboten werde. Das Rathaus gehe mit gutem Beispiel voran, wie Bürgermeister Hofmann herausstellte. Christine Buckeley, Mitarbeiterin in der Kurverwaltung, mache derzeit die Ausbildung zum BGM-Prozessbegleiter. Im Juni starte der nächste Kurs. Ein Pilotprojekt beinhalte das Angebot für fünf größere Betriebe mit Analyseunterstützung und Begleitung durch Studenten und Christine Buckeley. Zehn kleinere Betriebe mit maximal fünf Mitarbeitern werden in einem zweiten Pilotprojekt durch das BGM unterstützt.

Professor Wühr stellte auch noch das Sinocur-Lebensstilprogramm vor. Um krank zu werden, müsse man sich „dauerhaft falsch ernähren, wenig bewegen, schlecht schlafen, Suchtstoffe zu sich nehmen und dem Pessimismus frönen“. Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Stressfolgeerkrankungen und andere seien durch Lebensstilmedizin behandelbar und heilbar. Drei Monate lang lernen die Teilnehmer das Programm, danach gebe es ein Jahr lang eine Fernbegleitung, an deren Ende stehen soll, dass jeder selbst seinen gesunden Lebensstil verinnerlicht hat.

Bürgermeister Markus Hofmann, Professor Stephan Gronwald, Christine Buckeley und Professor Erich Wühr (v. l.). Foto: kmo

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