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Laufsport

Kötztings neuer Stern am Trail-Himmel

Der KaitersbergTrail in Bad Kötzting hatte Premiere. Transalpin-Run-Gewinner Markus Mingo sagt nun, wie er den Lauf findet.
Von Markus Mingo

Markus Mingo auf seiner Hausstrecke am Kaitersberg Foto: MichaeI Vorbrueggen
Markus Mingo auf seiner Hausstrecke am Kaitersberg Foto: MichaeI Vorbrueggen

Bad Kötzting.Besser und treffender könnte man den neuen KaitersbergTrail am Hausberg von Bad Kötzting im herrlichen Bayerischen Wald nicht beschreiben: „70% Trails. 100% Spaß! – Aber niemand hat gesagt, dass es leicht wird!“ Der bayerische Wald ist mittlerweile ein Eldorado für Trailrunner. Dass diese Mischung aus wunderbaren Trails mit knackigen Anstiegen, atemberaubenden Aussichten und nervenkitzelnden Downhills funktioniert, sieht man an Veranstaltungen wie dem U.TLW, dem Arberland Ultratrail oder auch an der Berglaufveranstaltung „Da Kine vom Kaitersberg“, die innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren.

Max Hochholzer, einer der Hauptorganisatoren des U.TLW, konnte während des zweijährigen Austragungsturnus des Events im Lamer Winkel nicht still sitzen und kreierte in Zusammenarbeit mit Alois Brandl und dem TV Bad Kötzting eine neue Veranstaltung mit 30 Kilometern und knapp 1500 Höhenmetern. Die selektive Strecke verläuft dabei auf einem der schönsten Abschnitte des Premiumwanderweges „Goldsteig“, gespickt mit handbreiten Singletrails, knackigen Anstiegen, Kletterpassagen und hochanspruchsvollen Downhills.

Nach drei Stunden ausverkauft

Der Start des Trails war in Bad Kötzting. Foto: kht
Der Start des Trails war in Bad Kötzting. Foto: kht

Und wo Hochholzer draufsteht, ist Qualität drin. Das wusste auch die Läufergemeinde. So war es nicht verwunderlich, dass die 444 Startplätze zur Premiere bereits nach drei Stunden ausverkauft waren. Am Start stand alles, was im Umkreis von 100 Kilometern Rang und Namen hatte. Sämtliche Spitzenläufer der Region, junge Wilde, aber auch viele Traileinsteiger, die den Kaitersberg bis vor ein paar Jahren und Monaten „nur“ vom Wandern kannten.

Belohnt wurden Läufer, Zuschauer und Organisatoren mit Kaiserwetter: Während die Woche vorher die Eisheiligen gnadenlos zuschlugen, kletterten die Temperaturen am Veranstaltungswochenende auf angenehme 20 Grad mit teilweise strahlendem Sonnenschein. So machten sich neben den 444 Läufern hunderte Zuschauer auf den Weg, um die Athleten lautstark anzufeuern, zu unterstützen, oder dieses Spektakel – integriert in einer Wanderung – mitzuerleben.

Extremsport

Das Trailfieber im Bayerischen Wald

Vor ein paar Jahren galten die „Bergläufer“ noch als Exoten der Sportszene, mittlerweile erlebt Trailrunning einen Boom.

Traumwetter und herrliches Panorama führten die Läufer über das Steinbühler Gseng. Foto: Marcus Stockmann
Traumwetter und herrliches Panorama führten die Läufer über das Steinbühler Gseng. Foto: Marcus Stockmann

Vor allem in Sachen Zuschauerfreundlichkeit sollte der KaitersbergTrail Maßstäbe setzen. Viele Hotspots waren mit dem Fahrrad, dem Auto oder einer gemütlichen Wanderung inklusive Hütteneinkehr gut zu erreichen und wurden von den Athleten teilweise dreimal durchlaufen. Genau das wurde von der Trailrunning begeisterten Bevölkerung „dahoam im Woid“ dankbar angenommen – und so der Lauf zum absoluten Festtag.

So war der Trail für Markus Mingo

Der Weg durch die Rauchröhren war einer der spektakulärsten Streckenabschnitte. Foto: Michael Vorbrueggen
Der Weg durch die Rauchröhren war einer der spektakulärsten Streckenabschnitte. Foto: Michael Vorbrueggen

Auch für mich war diese heimliche „Bayerwaldmeisterschaft“ am Kaitersberg etwas ganz Besonderes: Es war nicht nur mein Heimrennen auf meiner Hausrunde. Hier spule ich normalerweise Hunderte von Trainingskilometern im Jahr herunter. Nein, es war auch mein lang ersehnter Einstieg in die Wettkampfsaison 2019. Herbst und Winter waren geprägt von einer langen, zähen Verletzung, gepaart mit einer viermonatigen kompletten Laufpause. So stand ich also mit einer Mischung aus Hoffen, Bangen und einer mächtigen Portion Vorfreude an der Startlinie der neu renovierten Tartanbahn am Bad Kötztinger Schulsportplatz.

Das war der Kaitersbergtrail 2019 in Bad Kötzting

Spektakuläre Hotspots luden zahlreiche Zuschauer zum Anfeuern der Läufer ein. Foto: Marcus Stockmann
Spektakuläre Hotspots luden zahlreiche Zuschauer zum Anfeuern der Läufer ein. Foto: Marcus Stockmann

Ich hatte im März erst wieder zu laufen begonnen, die langen Distanzen gemieden und versucht meinem geschundenen Körper den langsamen Aufbau und die nötige Regeneration zu gönnen, die er brauchte und die er sich im Herbst selbst genommen hatte. Dies sollte der erste wirkliche Belastungstest werden und ich fühlte mich gut, beschwerdefrei, fit und hochmotiviert. So lege ich nach dem Startschuss los wie ein junger Hund, der endlich von der Leine gelassen wurde und der einfach nur laufen und spielen möchte.

Dementsprechend flott ging es über die ersten Kilometer hoch zum Kreuzfelsen und nach gut 38 Minuten erreiche ich zusammen mit Thomas Wanninger das erste Mal an diesem Tag den Gipfel. Fast alle Helfer und jeden zweiten Zuschauer kenne ich mit Namen, was vor allem an den Hotspots Reitenberg und Kötztinger Hütte zu wahren Stimmungsexplosionen führt. Bereits beim zweiten Anstieg nach Hudlach kann sich Thomas etwas von mir absetzen und seinen Vorsprung bis zum Riedelstein immer weiter ausbauen.

Die Trail-Bilanz

  • Herren

    Das Tempo war hoch und bereits nach 38 Minuten erreichte die Spitzengruppe um Thomas Wanninger (WSV Viechtach) und Markus Mingo (GORE Wear / Team Gamsbock) zum ersten Mal den Gipfel des Kaitersberges. Wanninger (2:34h) machte am Ende das Rennen und siegte vor Mingo (2:38h) und Johannes Haueis (Crazy Runners Team Frankenwald, 2:45h). Alle drei blieben unter der prognostizierten Zeit von 2:45 Stunden.

  • Damen

    Bei den Damen führte Sabine Wurmsam (GORE Wear xc-run.de Trailrunning) das Feld an und siegte verdient in 3:12h. Nach ihrem dritten Platz in Innsbruck ist sie damit im Feld der deutschen Spitzenläuferinnen angekommen. Dicht auf ihren Fersen folgte Steffi Koller (Team Gamsbock), die das Ziel nach 3:15h erreichte. Mit 15 Minuten Rückstand komplettierte Barbara Poxleitner (3:29h) das Podium. Von 444 Startern finishten 377 (298 männlich, 79 weiblich).

„Ein bis rei Minuten“ variieren die Schätzungen der Zuschauer und ich muss klar erkennen, dass gegen diesen starken Viechtacher heute kein Kraut gewachsen ist. Trotzdem hoffe ich bis zuletzt auf meine Downhillqualitäten und versuche über die Räuber Heigl Höhle und dem finalen Abstieg ab Reitenberg die Aufholjagd, bis ich etwa zwei Kilometer vor dem Ziel die Segel streiche und vor allem eines bin: unheimlich dankbar! Dankbar für dieses großartige Event in meiner Heimat, dankbar für die vielen tollen Zuschauer, Helfer und Freunde, die mich unterstützt haben und dankbar dafür, dass ich endlich wieder schmerzfrei das tun kann, was ich am liebsten tue: Die Bayerwald-Trails hoch. und runterrennen.

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