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Weltmeisterschaft

Markus Mingos harter Ritt nach Sant Joan

Die Deutsche Nationalmannschaft ist stolz auf ihren fünften Platz. Die Strecke verlangte dem Kötzinger Trailrunner alles ab.

Die Strecke bei der Trailrun-Weltmeisterschaft in Katalonien hat Markus Mingo alles abverlangt, aber auch unendlich viel gegeben. Foto: Prozis
Die Strecke bei der Trailrun-Weltmeisterschaft in Katalonien hat Markus Mingo alles abverlangt, aber auch unendlich viel gegeben. Foto: Prozis

Bad Kötzting.Frenetisch jubelnde Zuschauer in den engen Gassen Kataloniens, ein technischer, harter, aber wunderschöner Kurs mit gefühlt 80 Prozent Singletrailanteil, ein Weltklasse-Starterfeld mit würdigen Weltmeistern und dazu eine deutsche Mannschaft mit einem sagenhaften „Wir-Gefühl“. Markus Mingo berichtet von der Weltmeisterschaft im Trailrunning.

Bereits die Eröffnungszeremonie am Donnerstagabend erzeugte Gänsehautfeeling pur. Die Nationen zogen durch die Gassen von Castellon und wurden von der Bevölkerung frenetisch gefeiert. Es war gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen und feierte ihre „Helden“ der spanischen Volkssportart Trailrunning.

Samstag 5.50 Uhr befinden wir uns im hell erleuchteten Stadion Castellons. Musik dröhnt aus den Boxen und die Athleten aus 49 Nationen stehen angespannt an der Startlinie. Ein WM-Start ist etwas Besonderes – alleine die Nationaltrikots, 400 ausgezehrte, bis aufs äußerste trainierte Läufer, minimalistische Ausrüstung. Jeder weiß hier genau, was er tut – jeder hat seine ganz spezielle Wettkampfstrategie für die bevorstehenden 86 Kilometer und 5000 Höhenmeter.

Losballern nach dem Startschuss

Die drei schnellsten deutschen Männer im Ziel: Janosch Kowalczyk, Matthias Dippacher, Markus Mingo (v.li.) Foto: Prozis
Die drei schnellsten deutschen Männer im Ziel: Janosch Kowalczyk, Matthias Dippacher, Markus Mingo (v.li.) Foto: Prozis

Nach dem Startschuss wird losgeballert, dass einem angst und bange wird. Die Sportler sprinten die obligatorische Stadionrunde regelrecht, bevor es raus in die Dunkelheit geht. Nach etwa zwei Kilometern biegt die Route ab auf einen schier endlosen Singletrail. Ich treffe auf Benni Bublak und Matthias Dippacher vom Team Germany und zusammen rollt der Deutschland-Express ganz gut über die ersten Kilometer. Dann der einzige Wermutstropfen dieses wunderschönen Laufes –auf der anspruchsvollen Strecke reicht ein kleiner Fehltritt und schon schlage ich hart auf dem steinigen Boden auf. Der Arm ist erstmal taub, doch der Schmerz vergeht und etwas benommen laufe ich weiter. Ab diesem Zeitpunkt habe ich eine Blockade im Kopf und während ich ansonsten jeden Downhill genieße und mich auch bei flottem Tempo erholen kann, laufe ich die schweren Passagen nun ängstlich und völlig verkrampft nach unten. Das kostet leider Zeit und Kraft. Ansonsten ist der Wettkampf einfach nur schön. Immer wieder kommen wir durch katalonische Dörfer und werden durch ein Spalier unzähliger Zuschauer, unterstützt durch Kuhglocken-Gebimmel und das Läuten der Kirchenglocken, lautstark gefeiert –ein unglaubliches Gefühl, Streicheleinheiten für die Sportlerseele. Das Rennen läuft gut: Bei Weltmeisterschaften ist eine Versorgung nur an den ausgeschriebenen Verpflegungsstellen (hier bei Kilometer 31, 42, 63) erlaubt und klappt dank der herausragenden Betreuung durch Jens Lukas und seiner Frau Maya ausgezeichnet.

Ich laufe einen Großteil der Strecke mit Matthias Dippacher und wir sind gut unterwegs: VP2 (42km, 2200 hm) passieren wir nach knapp vier Stunden und auch bei 52 Kilometern blicke ich auf die Uhr. Es sind hier exakt 2670 Hm und 5.20h. Den U.TLW hätten wir also gerade im Kasten. Hier treffen wir auch auf den schwedischen Superstar Andre Jonsson – er geht, wir laufen. Vorbei geht es auch an der deutschsprachigen Konkurrenz aus den Nachbarländern. Wir überholen Florian Grasl (AUT) und Urs Jenzer (SUI), die immerhin Siege beim Großglockner Ultratrail oder beim Eiger Ultratrail auf dem Buckel haben. Somit setzen wir uns in der Teamwertung auch vor Österreich und die Schweiz. Ab Kilometer 68 erlebe ich dann innerhalb kürzester Zeit die ganze Bandbreite des Ultra(trail)laufens. Emotionen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt im ständigen Wechsel. Die heißen Temperaturen und die wenigen Verpflegungsstellen fordern ihren Tribut und mir geht das Wasser aus. Völlig dehydriert quäle ich mich die steilen Anstiege nach oben und muss Dippi ziehen lassen. Einige Kilometer später schaltet wohl der Körper (immer noch ohne Wasser) auf Notreserve. Plötzlich laufe ich wieder leicht und locker – Flow pur nach 75 Kilometern und 4500 Höhenmetern.

Lesen Sie hier: Das Trailfieber im Bayerischen Wald

Leer, ausgebrannt und durstig

Einzug der Nationen – Markus Mingo (li.) mit dem Team Germany Foto: Prozis
Einzug der Nationen – Markus Mingo (li.) mit dem Team Germany Foto: Prozis

Leider hält dieses „ewig“ nicht allzu lange und nach etwa 82 Kilometern passiert das, was sich angekündigt hatte. Alle Kraft weicht aus dem Körper, ich bin leer, ausgebrannt, habe das Gefühl zu verdursten – nichts geht mehr. Im Anstieg zwinge ich mich, auf beide Stöcke gestützt, ein Bein vor das andere zu setzen. Ich kämpfe gegen den „Mann mit dem Hammer“ und beginne im flacheren Gelände wieder locker zu joggen und bergab zügig zu laufen. Endlich eine Wasserstation. Das Ziel vor Augen aktiviere ich die letzten Reserven und kann nach gut 88 Kilometern erfolgreich am Kloster Sant Joan finishen.

Diese WM-Strecke hat mir alles abverlangt, aber auch so unendlich viel gegeben. Am Ende bleiben für mich „nur“ der 44. Platz in der Einzel- und der fünfte Platz in der Mannschaftswertung. Auch wenn bei optimalem Rennverlauf noch etwas mehr möglich gewesen wäre, sind 88 km, 4900 hm in 10:02h auf dieser anspruchsvollen Strecke ein starker Auftritt. Ich muss, ich will, ich kann mit dieser Leistung zufrieden sein und bin stolz, Teil dieses wunderbaren deutschen Teams gewesen zu sein. Für mich war diese Trailrun-WM das Größte und Außergewöhnlichste, was ich bisher als Sportler erleben durfte. Die Tatsache, dass auch der Weltmeister Luis Alberto Hernando am nächsten Morgen etwas unrund ging, beruhigte ungemein.

Eine pdf-Datei mit dem Höhenprofil der Strecke finden Sie hier.

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Trailrun-WM

  • Das Rennen:

    Der Penyagolosa Trail ist ein spanisches Trailrunning Event mit langer Tradition. Die WM-Strecke über 85 km wurde extra für 2018 konzipiert und war den Nationalmannschaften vorbehalten. Am Hauptlauf über 60 Kilometer kann jeder Sportler teilnehmen. Er verläuft auf einem Pfad von Castellon zum Kloster Sant Joan, der seit hunderten von Jahren als Pilgerweg benutzt wird. Die 2500 Startplätze werden im Losverfahren vergeben.

  • Die Ergebnisse:

    Der Spanier Luis Alberto Hernando und die in Spanien lebende Niederländerin Ragna Debats holten sich die Titel des Trail World Champions 2018. Cristofer Clemente (ESP) und Tom Evans (UK) sowie Laia Cañes (ESP) und Claire Mougel (FRA) belegten die Plätze zwei und drei. In der Mannschaftswertung setzten sich zweimal die Spanier durch.

  • Die deutschen Resultate:

    Janosch Kowalczyk kam auf Platz zehn, Eva Sperger auf Platz 17. Matthias Dippacher auf Platz 31 und Markus Mingo auf Platz 43 bescherten dem deutschen Männerteam den beachtlichen 5. Platz in der Mannschaftswertung. Brigitte Storck und Simone Philipp finishten auf 47 und 49. (cgm)

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