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Netz-Phänomen aus dem Bayerwald

Matthias Bohmann aus Bad Kötzting und Matthias Graf aus Zwiesel gründeten die Facebook-Seite „Bad Luck Sepp“ — mit Erfolg.
Von Christian Danzer

  • Matthias Graf und Matthias Bohmann (v.l.) sind vom Erfolg der Seite „Bad Luck Sepp“ selbst noch ein wenig überrascht, planen mit der Idee aber schon für die Zukunft. Foto: Danzer
  • So sieht sie aus: die Facebook-Seite „Bad Luck Sepp“ Foto: Screenshot

Bad Kötzting.Schon laufen die ersten Jahresrückblicke im Fernsehen. Wenn das Jahr 2014 Geschichte ist, werden zwei junge Männer auf ein Jahr mit unerwartetem Erfolg zurückblicken können. Soziale Netzwerke sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neben den Profilen von Nutzern werden vor allem Fan- und Witzeseiten immer beliebter. Die Facebook-Seite „Bad Luck Sepp“, die zwei junge Männer aus Bad Kötzting und Zwiesel gegründet haben, hat mittlerweile 32 444 „Gefällt mir“-Klicks – und damit fast eben so viele wie zum Beispiel die Facebook-Seite über Günther Jauch. Damit ist sie eine der größten Seiten in der ganzen Region. Doch um was geht es bei der Seite eigentlich? Wer steckt dahinter? Übersetzt heißt es so viel wie „Pech gehabt, Sepp“. „Angefangen haben wir mit ein paar Sprüchen, die nur uns gefielen“, erklärt der 24-jährige Matthias Bohmann, einer der Gründer der Seite. Ende März stellte er die Seite mit Matthias Graf „ins Netz“.

Erfolg überraschte Gründer selbst

Das Prinzip ist schon von ähnlichen Seiten aus Amerika bekannt: das Schuljahrbuchfoto eines Teenagers – der mit roten Haaren und Zahnspange eher unvorteilhaft aussieht – wird mit ironischen Sprüchen überschrieben. „Wir haben ihm dann noch einen Gamshut aufgesetzt“, bemerkt Graf. Er ist der Pechvogel unserer Zeit. Im oberen Teil des Bildes wird immer eine normale Situation beschrieben, die er dann immer in einer totalen Katastrophe enden lässt. Das beliebteste Bild war, passend zum Sieg der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Brasilien: „Geht aufs Klo... 1:0. Kimd zruck ... 7:0“. Mehr als 140 000 Menschen haben alleine diesen Spruch bisher gelesen.

Auf der Straße werden sie zwar noch nicht erkannt, Bohmann gibt aber zu: „Beim Weggehen im Flash werde ich schon öfter mal darauf angesprochen.“ Vom Erfolg der Seite waren die beiden selbst überrascht. „Wir dachten, bis Jahresende sind es vielleicht 200 Likes.“ Wie es eben mit den meisten Facebook-Seiten sei. „Wir finden es faszinierend, dass so viele Menschen einen ähnlichen Humor wie wir haben.“ Graf und Bohmann lernten sich bei ihrer Ausbildung zum Fachinformatiker in Plattling kennen. Bohmann ist gebürtiger Rodinger, lebte aber in Bad Kötzting. Nach der mittleren Reife-Prüfung machte er die Ausbildung und ist jetzt beim Finanzamt in München gelandet. Graf ist Zwieseler und arbeitet bei einer IT-Firma.

Die Fans entscheiden mit

Mittlerweile haben sie sich zusehends professionalisiert. „Wir bekommen jeden Tag ungefähr fünf Einsendungen“, erzählt Bohmann. Die müssten natürlich alle archiviert werden. Graf hat darum eine Bewertungsapp entwickelt. „Wir haben jetzt noch einen Kumpel mit ins Boot geholt, der uns beim Bewerten hilft.“ Jeden Sonntag treffen sie sich und sichten die neuen Einsendungen. Graf erklärt das System: „Jeder von uns gibt für einen Spruch eine Punktzahl zwischen null und fünf.“ Wenn eine Einsendung im Schnitt mehr als 2,5 Punkte habe, werde sie ins Archiv mit aufgenommen. So ist die Sammlung bereits auf 372 Einsendungen angewachsen. Jeden Dienstag und Donnerstag werden Sprüche vom „Bad Luck Sepp“ gepostet. Doch mittlerweile hat man ihm schon Freunde an die Seite gestellt. Unter ihnen ist zum Beispiel Waldemar Hartmann, der hier „Gstanzl Waldi“ heißt. „Jeden Sonntag wird ein ‚Spezial‘ mit einem der Freunde vom Sepp gepostet“, erklärt Bohmann.

Geld verdienen konnten die beiden damit noch nicht. Natürlich könne auf der Seite Werbung geschaltet werden, doch das wollten sie nicht. Bohmann erläutert: „Uns nerven die Werbungen auf anderen Facebook-Seiten ja selbst. Also wollten wir zumindest unsere frei davon halten.“ Bis jetzt hätten sie sogar draufgezahlt. „Am Anfang haben wir das Bier für die Verlosungen selbst spendiert.“ Nur bei den letzten beiden „Posts“ seien sie von Schneider-Weisse unterstützt worden. „Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch von lokalen Brauereien gesponsert werden.“ Im Umland gebe es ja genug.

Sprung zur eigenen Website

Bohmann und Graf bleiben nicht stehen. Zusammen haben sie über Monate hinweg eine neue Webseite entwickelt. Sie stehe schon in den Startlöchern, wie Graf erzählt. Noch vor Silvester soll sie an den Start gehen. „Auf der Website werden dann alle Einsendungen eingestellt. Dort können die Mitglieder die Sprüche bewerten.“ Der in jeder Woche am besten bewertete Spruch werde dann eingestellt. Auf der Seite werden die „Memes“ dann in drei Kategorien verwaltet: „Beste“, „Grod eigsend“ und „Bassd scho“. Der neue Twitter-Account ist mittlerweile auch schon online. Wenn Fanartikel gewünscht seien, würden sie solche gerne herstellen. „Ein T-Shirt mit dem ‚Sepp‘ drauf, das können wir uns schon gut vorstellen“, erklären sie.

Es ist viel passiert seit dem ersten „Spruch“. Die anfangs einfach „witzige Idee“ zieht immer weitere Kreise. Nach dem unerwarteten Erfolg der Facebook-Seite bleibt nun abzuwarten, wie sich diese Idee weiter entwickelt.

Phänomen „Bad Luck Sepp“

  • Memes

    Bilder, die umgestaltet, mit Sprüchen versehen und auf Internetseiten gepostet werden, werden als „Memes“ bezeichnet. Sie werden gesammelt auf extra angelegten Seiten präsentiert. Der Trend kam aus den USA und verbreitete sich sehr schnell in Deutschland.

  • Erster Spruch

    103 648 Menschen lasen den ersten richtig bekannt gewordenen Spruch von „Bad Luck Sepp“. Er lautete: „Is beim Vorglian – muas vom fuardgeh Hoam, weil er so bsuffa is.“ Am 8. April wurde er gepostet. Von da an stieg die Beliebtheit der Seite rasant an.

  • Viele Klicks

    In den ersten Wochen nach der Gründung erhielt die Seite 150 „Gefällt mir“-Angaben mehr pro Tag. Mittlerweile steigen die Zahlen nicht mehr so stark. Es sind „nur“ noch 300 Klicks mehr pro Woche. 75 Prozent der Personen, denen die Seite gefällt, sind männlich. Über 50 Prozent im Alter zwischen 18 und 24.

  • Zielgruppe

    Im Alter über 40 Jahren klicken kaum mehr Leute die Seite. Eine Ausnahme sind hier die über 65-Jährigen. Fünfmal so viele Menschen in der Altersgruppe klicken auf die Seite als in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen.

  • Wohnort

    Die meisten Nutzer wohnen im Großraum München und Regensburg. Das hängt laut Bohmann und Graf auch damit zusammen, dass viele Studenten und jüngere Arbeitnehmer ihren jeweiligen Wohnort bei Facebook umstellten.

  • Beliebte Sprüche

    Weitere sehr beliebte Sprüche waren: „Kafft se weisswirscht – issts mid Ketchup“ und „Is beim wattn gspannd – schoffd aus“. Zum 1. Mai kam der Spruch „Mochd maibamwache – da bam wird trotzdem gstoin“ sehr gut an.

  • Neue Freunde

    Zwischenzeitlich wurden „Bad Luck Sepp“ Freunde an die Seite gestellt. Der „Bledschmaza Hans“ gibt besserwisserische Sprüche von sich. Vom „Weisheiten Alois“ kann man dagegen tatsächlich einige Tipps für die Abendgestaltung erhoffen.

  • Heimat und Reime

    Der „Koenig Ludwig“ steht für den Stolz auf die bayerische Heimat. „Gstanzl Alois“ hat immer den ein oder anderen Reim auf Lager. Der „Hintafozade Hias“ ist, was sein Name verspricht: mit Vorsicht zu genießen ... (kcd)

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