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Energie

Osser: Roughani reicht Hand zum Dialog

Chef der Planungs-Firma des Pumpspeicherwerks geht in die Offensive: Für ihn gibt es keine Energiewende ohne Konsequenzen.
Von Stefan Weber

Der rote Fleck auf der Landkarte über Amir Roughani ist der Markt Lam. Hier will er ein Pumpspeicherwerk bauen und sagt: „Es wird Betroffene geben, aber ohne Eingriffe in die Natur ist die Energiewende auch nicht zu schaffen, das muss gesagt werden.“
Der rote Fleck auf der Landkarte über Amir Roughani ist der Markt Lam. Hier will er ein Pumpspeicherwerk bauen und sagt: „Es wird Betroffene geben, aber ohne Eingriffe in die Natur ist die Energiewende auch nicht zu schaffen, das muss gesagt werden.“ Fotos: S. Weber/Heigl

Bad Kötzting.Zu dritt reisen sie derzeit durch den Landkreis Cham, sprechen mit den Fraktionen der großen Parteien im Kreistag und versuchen, die politischen Entscheidungsträger vom Pumpspeicherwerk (PSW) auf dem Osser zu überzeugen: Amir Roughani, Chef der Planungs-Firma Vispiron, sein verantwortlicher Techniker Florian Schönberger und Beirats-Vorsitzender Axel Berg.

Gut ein Jahr nach Bekanntwerden der Pläne der Firma aus München und dem großangelegten Widerstand des Aktionsbündnisses gegen ein Pumpspeicherwerk auf dem Osser stellt Roughani nach Gesprächen mit der Kreistagsfraktion der Grünen und der SPD am Donnerstag klar: „An der Lust wird bei uns nichts scheitern.“

Wind- und Solarparks habe seine Firma schon geplant, in Deutschland, aber auch im Ausland. Widerstand gegen seine Projekte sei für daher nichts Neues. Er und seine Begleiter haben einen professionellen Abstand: „Wir sind eine Ingenieur-Firma, und Ingenieure sind selten gefühlsorientiert“, sagt Roughani. Das hört sich hart an, doch er erklärt auch, warum er das so sieht.

„Ohne Eingriff geht es nicht“

Roughani ist sich sicher, dass die Speichertechnologie für das Gelingen der Energiewende unabdingbar ist. „Das hat auch der Energiedialog bestätigt“, fügt Florian Schönberger an. „Aber ganz ohne Eingriff in die Natur wird das nicht gehen“, sagt Roughani. „Die Staatsregierung verhält sich hier populistisch und sagt: wenn zwei oder drei betroffen sind, dann lassen wir es – aber dann gibt es keine Energiewende, das muss klar sein.“

Er will nicht sagen, dass er mit Widerstand gerechnet habe. „Aber alle Pumpspeicher liegen in touristischem Gebiet“, erklärt Techniker Schönberger. „Denn wo nichts ist, darf aufgrund der Umweltschutz-Bestimmungen auch nichts hin.“ So erscheine die Wahl des Ossers als Standort nur auf den ersten Blick unlogisch, auf den zweiten nicht mehr (siehe Info). „Wir haben keinen Spaß daran, uns mit Leuten zu streiten“, sagt Roughani. „Aber wenn wir von vornherein dort planen, wo es gar nicht genehmigt werden kann, macht es keinen Sinn – und dort wo der Mensch sich bereits aufhält, sind Tier- und Pflanzenwelt eben bereits weit zurückgedrängt.“

Dass seit längerer Zeit nichts mehr zur Planung an die Öffentlichkeit gedrungen sei, dafür gebe es eine einfache Erklärung: „Wir wollen der Regierung im Raumordnungs-Verfahren schon so detaillierte Unterlagen vorlegen, wie sie normalerweise erst in der Planfeststellung verlangt würden“, sagt Roughani. Ende März, schätzt er, könnten die Antrags-Unterlagen eingereicht werden. Wenn die betroffenen Bürger – Roughani geht von einem bis drei aus – dann ihre Einwände vorbringen können, geht der Vispiron-Chef nicht davon aus, dass gegen das Projekt geklagt wird: „Ich denke, dass die Vernunft dann siegen wird“ – und die Bürger könnten abgefunden werden, finanziell oder materiell. Axel Berg gibt bei möglichen Klagen außerdem zu bedenken: „Ein Richter prüft nur, ob die Verwaltung vorher richtig entschieden hat“, und da ist den Profis nicht bange. Sollte im Raumordnungsverfahren gegen Ende des Jahres allerdings entschieden werden, „dass wir hier völlig fehl am Platz sind, und uns was anderes suchen sollen, dann lassen wir es“, so Roughani. Das sei dann Pech und ihr unternehmerisches Risiko gewesen.

Doch davon gehen alle drei nicht aus. Auch die Zeit spiele keine große Rolle, drängende Investoren im Hintergrund gebe es nicht. „Wir sind angetreten, um einen Sinn in dem zu sehen, was wir tun“, sagt Schönberger, „und den sehen wir im Pumpspeicherwerk“. Er verstehe die Bedenken in der Bevölkerung: „Wenn ich das Haus neben dem Unterbecken hätte, würde ich mich auch ärgern. Aber was ist die Alternative“?

Absage an die „Bauruine“

Im Moment sehen sie die Situation darum als „verfahren“ an. „Bei einer Currywurst-Fabrik hätten wir gegen ähnliche Bedenken zu kämpfen“, meint Roughani. Statt gegen das Projekt zu sein, würde er sich wünschen, Vorschläge für die Gestaltung zu bekommen. „Wir könnten beispielsweise Ober- und Unterbecken optisch gestalten und bepflanzen, um einem kleinen See zu ähneln, der sich in die Landschaft einfügt.“ Die oft befürchtete „Bauruine“, sollte das PSW aus irgendwelchen Gründen irgendwann nicht mehr betrieben werden, „dafür fehlt mir die Fantasie“, sagt Roughani. Die Becken seien – abgesehen von den Ein- und Ausläufen – ohne Beton gebaut und ließen sich wieder füllen, und das Trafo-Haus, sei dann eben „einfach ein Haus“.

Am Donnerstagabend traf sich das Trio mit der Kreistags-Fraktion der Freien Wähler, um ihre Argumente für das Projekt darzulegen.

Zahlen zum PSW

  • Ab wann?

    Das Pumpspeicherwerk Johanneszeche (PSW) im Gemeindebereich Lam soll ab etwa 2020 Energie durch Wasser speichern und dadurch zur Regelung von Stromerzeugung und Stromverbrauch beitragen.

  • Funktionsweise

    Die Anlage soll rund 200 000 Megawatt-Stunden Energie pro Jahr speichern und bei Bedarf wieder zur Verfügung stellen. Mit dieser Energiemenge können jährlich 57 000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

  • Ort

    Der Standort Osser wurde von Vispiron durch eine Evaluation anhand von topographischen und infrastrukturellen Punkten bestimmt. Ausschlaggebend waren neben dem für ein PSW notwendigen Gefälle die Nähe zu Hochspannungstrassen in Ostbayern und im Lamer Winkel.

  • Bau

    Das PSW Johanneszeche besteht im wesentlichem aus einem Turbinenhaus, einer Druck- und einer Saugleitung, einem Unter- sowie einem Oberbecken. Die Druckleitung verbindet das Oberbecken mit dem Turbinenhaus. Die Verbindung zwischen Turbinenhaus und Unterbecken wird mit einer Saugleitung umgesetzt.

  • Planung

    Vispirons Part in diesem Projekt ist die Planung und Projektierung bis zum Genehmigungsprozess, die Sicherstellung der Finanzierung durch Investoren sowie die Betriebsführung. Es ist geplant, dass sich auch Bürger daran finanziell beteiligen können. Im Detail geplant und gebaut wird das PSW nach Ausschreibung von einem spezialisierten Kraftwerksbauer.

  • Geschäftsmodell

    Das Geschäftsmodell von PSW resultiert aus der Differenz zwischen Stromabnahme und Stromverkauf plus einer „Gebühr“ für die Bereitstellung der Kapazität. Durch den massiven Zubau von Wind- und Solarkraftwerken gibt es Zeiten im Jahresverlauf, in denen die Stromerzeuger für die Abnahme ihres Stroms bezahlen. Die Rentabilität von PSW gefährdet das Netzentgelt, das bestehende Anlagen für den Strom zahlen müssen, der ihre Pumpen antreibt. Neue PSW sind seit 2008 für 15 Jahre vom Netzentgelt befreit.

  • Technik

    Mit einem Wirkungsgrad von über 80 Prozent sind Pumpspeicherkraftwerke aktuell die einzigen verfügbaren Regelkraftwerke im großen Maßstab. Laut einem Gutachten im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums vom September 2014 werden PSW „auf absehbare Zeit die preiswerteste großtechnische Speicheroption bleiben.“ Quellen: Vispiron/stmwi/rh

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