MyMz
Anzeige

Todesfall

Wettzell trauert: Prof. Seeger ist tot

82-Jähriger war als langjähriger Abteilungsleiter und Institutsleiter einer der Gründerväter des Geodätischen Observatoriums
Von Dr. Wolfgang Schlüter

Prof. Dr. Hermann Seeger ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
Prof. Dr. Hermann Seeger ist im Alter von 82 Jahren gestorben.Foto: Klügel

Bad Kötzting. Professor Dr. Hermann Seeger ist am 9. Dezember im Alter von 82 Jahren gestorben. Als Abteilungsleiter und Direktor des Instituts für Angewandte Geodäsie, dem heutigen Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, hat er das Observatorium in Wettzell von Beginn an mitgestaltet und geprägt. Er war einer der Pioniere der Satellitengeodäsie in Deutschland. Nach dem Geodäsie-Studium und der Promotion an der damaligen TH Hannover, absolvierte er die Große Staatsprüfung für den höheren technischen Verwaltungsdienst. 1967 nahm er eine Stelle beim Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG) in Frankfurt an und prägte maßgeblich die Forschungsarbeiten zur Satellitengeodäsie.

So war er bereits dabei, als 1969/1970 die Satellitenbeobachtungsstation Wettzell gegründet wurde. Mit großem Engagement setzte er sich für den Ausbau ein. Zunächst wurde ein Lasersystem der 1. Generation errichtet, mit dem Entfernungsmessungen zu Satelliten erprobt wurden. 1972 wurde der Sonderforschungsbereich SFB 78 „Satellitengeodäsie“ gegründet – ein Zusammenschluss der TU München, des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts und des IFAGs, der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert wurde.

Unter Seegers Federführung, wurde im Rahmen des SFBs ein Laserentfernungsmess-Sytem der dritten Generation eingerichtet, mit dem Entfernungen zu Satelliten zentimetergenau bestimmt werden konnten. 1975 übernahm Seeger die Leitung der Abteilung Geodäsie in Frankfurt. Seinen Schwerpunkt legte er auf den Ausbau der Station Wettzell.

1978 wurde Seeger als Professor für Geodäsie an die Universität Bonn berufen, wo er sich mit Radiointerferometrie beschäftigte. Unter seiner Leitung schloss sich das Bonner Institut dem SFB an. Durch seine Initiative wurde das Messverfahren VLBI (Very Long Baseline Interferometrie), bei dem große Radioteleskope weltweit genutzt werden, in das Forschungsprogramm des SFB aufgenommen. Anlässlich einer Begutachtung im Jahr 1979 wurde beschlossen, ein Radioteleskop für Wettzell zu beschaffen und die Station zu einer „geodätischen Fundamentalstation“ auszubauen.

Im Jahr 1987 kehrte Hermann Seeger wieder zum IfAG zurück, er übernahm als Direktor die Leitung des Instituts. Zu der Zeit begann die geodätische Nutzung von GPS und so legte er einen Schwerpunkt auf diese Technik. Seine Vision war, mit dieser Technik für ganz Europa ein einheitliches Referenzsystem aufzubauen, das Grundlage für wissenschaftliche, aber auch praktische Vermessung sein sollte. Er gründete die „EUREF-Initiative“.

Neben GPS war er stets anderen Entwicklungen aufgeschlossen. So förderte er besonders die Entwicklungen auf der Fundamentalstation Wettzell. In seiner Zeit als Direktor wurde das Transportable Integrierte Geodätische Observatorium TIGO entwickelt und nach Chile gebracht. Ebenso wurde der weltweit einmalige Großringlaser realisiert, mit dem sogar die Veränderungen der Erddrehung gemessen werden kann. Mit ihm wurden über die Jahre einmalige Entwicklungen vorangetrieben, die seinem zielstrebigen, starken Willen zu verdanken sind.

1998 ging Prof. Seeger in den Ruhestand, blieb aber der Station und dem Förderverein GIZ verbunden. Er war Ehrenmitglied. Seine Lebensspuren hinterlassen ein großes Vermächtnis.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht