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Jubiläum

Zehn Jahre Kneipp-Heilbad Bad Kötzting

Gesund bleiben will gelernt sein: Professor Dr. Melchart sprach über die Verantwortung für die Erhaltung der Gesundheit.
Von Alois Dachs

Bürgermeister Markus Hofmann dankt Professor Dr. Dieter Melchart für seinen Vortrag zum Jubiläum „10 Jahre Kneipp-Heilbad“.
Bürgermeister Markus Hofmann dankt Professor Dr. Dieter Melchart für seinen Vortrag zum Jubiläum „10 Jahre Kneipp-Heilbad“. Foto: Dachs

Bad Kötzting.„Alle 19 Minuten wird in Deutschland ein Bein amputiert, wegen Diabetes mellitus“ – diese Tatsache wertete Professor Dr. med. Dieter Melchart in seinem Festvortrag zum Jubiläum „10 Jahre Kneipp-Heilbad Bad Kötzting“ am Dienstagabend im Haus des Gastes als ein Alarmsignal. 80 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 seien übergewichtig, bei 8,4 Prozent aller Bundesbürger ist diese Form der „Zuckerkrankheit“ diagnostiziert, bei 8,2 Prozent gelte sie als „unentdeckt“.

„Ansprüche an den Kurort der Zukunft“ lautete das Thema des Mediziners, der nicht nur die TCM-Klinik seit 25 Jahren wissenschaftlich begleitet, sondern auch am Bad Kötztinger Lebensstilprogramm mitgearbeitet hat. „Die klassischen Kurorte verlieren an medizinischer Bedeutung“, machte der Festredner klar. Und „Das Heilbad als solches hat nach den Erfahrungen der letzten 15 Jahre nicht gerade die größte Zukunft“, stellte Professor Melchart fest. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp habe ihm 19. Jahrhundert die Losung zur Gesundung der Menschen ausgegeben: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“.

Kneipp und chinesische Medizin

Mit Ausschnitten aus Händels „Wassermusik“ gestalteten Musiker des Kammermusikkreises unter Leitung von Elvira Frauendienst den Festakt mit.
Mit Ausschnitten aus Händels „Wassermusik“ gestalteten Musiker des Kammermusikkreises unter Leitung von Elvira Frauendienst den Festakt mit. Foto: Dachs

Die fünf Säulen, die der Gesundheitslehre von Pfarrer Kneipp zugrunde liegen, seien auch fest in der traditionellen chinesischen Medizin verankert. Neben Bewegung und gesunder Ernährung seien Qigong und Tuina-Massagen, Pflanzentherapie und die Lebenspflege nach Yang sheng dort präsent. Die Verbindung von Schulmedizin und Naturheilkunde ermögliche eine Maximierung von Gesundheit und Wohlbefinden.

Der Patient dürfe aber in Zukunft nicht mehr in patriarchalischer Abhängigkeit zum Arzt verharren, sondern müsse selbst Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen. Stress und psychische Belastung am Arbeitsplatz seien heute Symptome, die viele Menschen betreffen. Um mit ihnen sinnvoll umgehen zu können, müssten die Menschen lernen, dass sie nicht zum Arzt gehen sollen, wenn sie krank sind, sondern dass sie bereits vor einer Schädigung etwas für ihre Gesundheit tun müssen, sagte der Referent.

„Die klassischen Kurorte verlieren an medizinischer Bedeutung.“

Professor Dr. med. Dieter Melchart

„McDonaldisierung“ weltweit

Auch in Entwicklungsländern sei eine zunehmende „McDonaldisierung“ festzustellen, so Professor Melchart. Weltweit seien 35 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, 65 Prozent der Weltbevölkerung „sind von Übergewicht bedroht“, so der Mediziner. Diabetes als weltweites Problem überfordere in manchen Ländern bereits die Volkswirtschaft. Die Aufklärung müsse deshalb am Arbeitsplatz der Menschen beginnen, weil nur eine Änderung des persönlichen Lebensstils den Ausbruch dieser Volkskrankheit verhindern könne.

Die Stadt Bad Kötzting feierte das Jubiläum „Zehn Jahre Kneipp-Heilbad“. Video: TVA

Menschen, die mindestens 10 000 Schritte am Tag gehen, die am Arbeitsplatz stehen, anstatt zu sitzen, täten schon viel für den Abbau von Risikofaktoren. Professor Melchart fordert ein „proaktives Gesundheitssystem“, bei dem die Zielgruppen „in der Arbeits- und Lebenswelt“ aufgesucht werden, um sie in mittelfristigen, interaktiven Lernprogrammen zu informieren. „Jeder weiß, was gesunde Ernährung ist, dass er sich mehr bewegen sollte, aber es gibt ein Vermittlungsproblem“, sagte der Festredner.

Coaching durch Gesundheitslehrer, eine „blended learning“-Didaktik und auch ein gewisser „Lernkomfort“ seien notwendig, um am Kurort der Zukunft die Selbstverantwortung der Menschen für ihre Gesundheit zu stärken. Gesundheit müsse „Patientengesteuert“ werden, nur dann könne sie dem Menschen helfen.

Botschaft geht von Bad Kötzting aus

Viel Lob zollten Bürgermeister Markus Hofmann und Landrat Franz Löffler beim Festakt „10 Jahre Kneipp-Heilbad Bad Kötzting“ den Bürgern und der Unterstützung durch Staat, Landkreis und Bezirk. Bürgermeister Hofmann erinnerte an die Rede seines Vorgängers Wolfgang Ludwig vor zehn Jahren, der damals auf die zwei Badstuben bei der Markterhebung 1344 hinwies. Auch sprach Hofmann die Eröffnung des Bades im Regen durch Johann Robl vor 160 Jahren an und spannte den Bogen zum modernen AQACUR, das die Tradition der Kötztinger Badekultur auf moderne Art fortführt.

Dank an die „Entwicklungshelfer“

Vor 43 Jahren sei das Kneipp-Heilbad als Vision angedacht worden, seit zehn Jahren sei es Realität und für den großartigen Einsatz, den Bürger, Vereine, Unternehmer, aber auch der Bezirk als langjähriger Partner im Zweckverband und der Landkreis gemeinsam mit der Stadt geleistet haben, gelte es Dank zu sagen. Dieses „kleine Jubiläum“ solle vor allem zum Blick in die Zukunft werden, wünschte sich Bürgermeister Hofmann. In eine Zukunft, die aus dem Kurort einen Lernort werden lässt, der den Menschen entscheidende Hilfestellung bei der Pflege ihrer Gesundheit gibt.

Viel Idealismus, der Glaube an die Kneipp-Idee, aber auch viele private Investitionen hätten Erfolge wie die Verknüpfung der Kneipp-Heilkunde mit traditioneller chinesischer Medizin, die Gründung des IGM-Campus, oder der AGIL-Stiftung ermöglicht. Bad Kötzting könne eine Antwort auf viele Fragen der Lebens- und Arbeitswelt geben, denn die Stadt habe sich nicht „auf dem Adelsprädikat Heilbad ausgeruht“, sagte der Bürgermeister.

Gesundheit braucht Förderung

Es sei der falsche Weg, die Krankheit zu verrechnen, statt die Gesundheit zu fördern, sagte Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler nach dem Vortrag von Professor Melchart. Nach der Zahl der Jahre sei dieses Jubiläum nicht bedeutend, aber wichtig sei, dass die entscheidende Botschaft von dieser Kleinstadt ausgeht, so der Landrat. Was in den vergangenen zehn Jahren in Bad Kötzting ausgebaut wurde „hat es wirklich in sich“, konstatierte Löffler. Deshalb sollten die Informationen über das Kötztinger Lebensstilprogramm und die Vorsorge für die Gesundheit nicht nur Menschen im Bayerischen Wald, sondern auch in München und Berlin erreichen, wünschte er sich.

Löffler lobte die vielen Beteiligten, Vereine, private Investoren und alle, die einen Beitrag geleistet haben, um den Boden zu bereiten für eine Entwicklung als Kur- und Lernort. Hier liege nicht nur die Zukunft, sondern der Schlüssel für die Gesundheit.

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